Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

The Dark Knight: Knight Terrors

“It’s going to happen, and you’re going to be the one to blame.”

Paul Jenkins, David Finch, Judd Winick, Joe Harris/David Finch, Ed Benes, 2011-2012– Die Dark Knight-Serie hat viele Probleme und ein Problem ist, den Platz neben der regulären Batman-Serie und Detective Comics zu finden. Die Idee ist, Geschichten über Bruce Wayne und Batman zu erzählen, die die Figuren in ihrem Umfeld zeigen. Knight Terrors wird dieser Idee kaum gerecht. Die Geschichte eröffnet mit einem Ausbruch aus Arkham und man möchte empört „schon wieder!“ rufen. Knight Terrors erstickt letztendlich an seiner eigenen Oberflächlichkeit. Die Autoren lassen eine breite Galerie von Superschurken antreten, nahezu die gesamte Batman-Familie und die Helden Wonder Woman, Flash und Superman. Keine der Figuren kommt über ein Abziehbild ihrer selbst hinaus und werden gnadenlos als Schauwerte verheizt. Die Erzählung selbst ist sprunghaft. In wenigen guten Momenten wird das Verhältnis zu Alfred vertieft, dem hier eine nicht wegzudenkende Helferrolle zukommt. Batman reflektiert über sich und die Menschen um ihn herum. Er erkennt, dass er sich auf sie verlassen kann und muss, aber dass er ihnen in ihrer Not nicht zur Seite steht. Hierzu werden innere Monologe verwendet, die in der dritten Person geschrieben sind. Das ist nicht nur fragwürdig, sondern unnötig. Finchs Zeichnungen sind in Ordnung, rechtfertigen meines Erachtens aber nicht, dass sein Name als Headliner geführt wird.

Justice League: Origin

“We’re not friends. We’re not a team.”

Geoff Johns/Jim Lee, 2011-2012– Origin spielt 5 Jahre vor The Court of Owls und handelt von der Formierung der Justice League. Es setzt einen neuen Kanon ins DCU (genauer: DCnU, DC New Universe). Mitglieder der ersten Stunde sind Aquaman, Batman, Cyborg, Flash, Green Lantern, Superman und Wonder Woman. Und auch innerhalb der Gruppe deutet sich eine Neuordnung an. Anders als in den Erzählungen des Modern Age wird die Justice League nicht von Superman, sondern von Green Lantern angeführt. Es ist eine Gruppe von Außenseitern, in der große Egos aufeinander prallen. Die Justice League ist keine Freundschaft, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Die Reibungen zwischen den Figuren machen den größten Reiz von Origin aus. Johns versteht es, diese mit Humor anzureichern. Dass Batman als einziger in der Gruppe über keine Superkräfte verfügt, wird beinahe zum Running Gag. Der Rest ist pure Action. Es knallt und donnert auf jeder Seite, die Qualität der Geschichte bleibt deutlich auf der Strecke. Doch es ist unterhaltsame Action, in der Jim Lees Zeichenstil vollends zur Geltung kommt. Origin ist ein schneller Einstieg ins DCnU, das auch ohne große Vorkenntnis der Figuren gelesen werden kann.

Flashpoint

“This hell is your creation.”

Geoff Johns/Andy Kubert, 2011– Flashpoint führt zum kompletten Neustart aller DC Serien und der Zusammenführung der Verlagserzeugnisse von DC Comics, Vertigo und WildStorm in ein einziges Universum. Es hätte viele Wege gegeben, den Übergang darzustellen. Als Blockbuster, als Gehirnfick oder einfach als bescheidenes Ereignis und Einladung für Einsteiger. Flashpoint ist die beiden letztgenannten. Es ist das zugänglichste DC Ereignis, und vor allem ist es knapp. 5 Kapitel sind es. Die Hälfte davon verbringt Barry Allen ohne Superkräfte und führt ein Gespräch mit Batman. Nicht mit dem Batman, den wir kennen. Mit Thomas Wayne, der seinen Sohn vor langer Zeit verloren hat. Cyborg ist der mächtigste Superheld, von Superman hat noch keine Menschenseele gehört, Wonder Woman und Aquaman führen Krieg. Die Welt, die wir und Barry kennen, steht Kopf. Den Kern der Geschichte bildet der Verlust eines geliebten Menschen, und deswegen ist es nur konsequent, dass Johns den Fokus auf Barry und Batman legt. Natürlich machen sich die Protagonisten auf die Suche nach dem Schuldigen für das Durcheinander in der Welt und versuchen, den Status quo wieder herzustellen. Aber dieser Handlungsstrang ist nur ein Ablenkungsmanöver. Den Status quo wird Barry nicht wieder herstellen, sondern etwas Neues schaffen. Der Umbruch vom Modern Age zu The New 52 wird auf einer anschaulichen Doppelseite vollzogen. Fans von Andy Kubert kommen in Flashpoint voll auf ihre Kosten. Seine Brillanz kommt wie so oft in statischen Bildern zu Ausdruck, in den Gesichtern der Figuren und generell dann, wenn Emotionen im Spiel sind. Flashpoint liest sich hervorragend, es liest sich einfach, spannend und unterhaltsam. Der Entscheidung von DC Comics, das gesamte Universum neu zu starten, darf man kritisch gegenüber stehen. Ob einem die Entscheidung gefällt oder nicht, spielt für Flashpoint keine Rolle. Es ist ein gutes Buch.

Final Crisis

“DIE FOR DARKSEID!”

Grant Morrison/J. G. Jones, Marco Rudy, Carlos Pacheco, Doug Mahnke, 2008-2009– Crisis on Infinite Earths eliminierte das Konzept der Multiversen, Infinite Crisis brachte es zurück. Und Final Crisis stellt nun klar: Lasst es gefälligst so, wie es ist. Final Crisis ist Morrisons Metakommentar zur gesamten Comicindustrie. An den Multiversen sollte man nicht herumpfuschen. Sie besitzen ein Eigenleben, und zwar nirgendwo sonst als im kollektiven Bewusstsein der Leser. Final Crisis ist auch ein Buch, dass selbst den treuesten Morrison-Jüngern schlaflose Nächte bereiten kann. Es ist das umfangreichste DC-Ereignis, es ist gnadenlos zu allen, die sich nicht perfekt in der Geschichte auskennen, aber vor allem ist es komplexer als es hätte sein müssen. Morrison spannt seine hyperkomprimierte Erzählung von den Guardians of the Universe über OMAC bis zu den Neuen Göttern von Jack Kirbys Fourth World. Und irgendwo mittendrin, genauer gesagt in #6, sterben Batman und Darkseid. Batmans Tod in Final Crisis ist problematisch, weil er keine Verknüpfungen zu R.I.P. besitzt. Morrisons wirklich herausragende Vorbereitung seit Batman and Son und die Handlungsstränge um The Black Glove verlieren im Hinblick auf Batmans Tod durch Darkseid ihre Bedeutung. Der Tod selbst hatte kaum einen Effekt auf mich, die Gelegenheit für Pathos wurde nicht genutzt. Auch der Tod von Darkseid ist pures Deus ex machina. Ein weiteres Problem von Final Crisis ist sein holperiges Erzähltempo. Morrison ist kaum darin zu stoppen, fantastische Ideen in die Erzählung einzubringen. So faszinierend viele von ihnen sind, so negativ wirken sie sich jedoch auf den Leserhythmus aus. Ebenso holperig ist der Wechsel der Zeichner. J.G. Jones wird zum Ende durch Doug Mahnke ersetzt, dessen Stil dem dynamischen Finale besser steht. Beide Zeichner leisten hervorragende Arbeit, aber der Bruch ist sichtbar. Am Ende bleibt viel von Final Crisis haften – nicht alles positiv.