The City of Owls

“Get the hell out of my house.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Becky Cloonan, Andy Clarke, 2012– Das Finale der Owls-Storyline ist eine hochwertig geschriebene und gezeichnete Erzählung, die klassische Elemente der Serie vereint. Daneben ergreift Snyder die Chance, noch deutlicher die Unterschiede zu Morrisons Prä-Flashpoint-Batman herauszustellen. Im Gegensatz zum nahezu unzerstörbaren Berserker der Morrison Ära, ist Snyders Batman augenscheinlich feiner gestrickt, gerät in unvorhergesehene Gefahren und übt Kritik an sich selbst. Das heißt allerdings nicht, dass die Figur schwach ist. Mit dem Angriff auf Wayne Manor überschreiten die Talons eine Linie, die Batman zum massiven Gegenschlag schreiten lässt. Der zweite Akt von The City of Owls wird von Dialogen beherrscht, die beim Leser Ahnungen und Befürchtungen aufbauen, die sich letztendlich bestätigen. Und zwar im selben Moment, in dem auch bei Batman der Groschen fällt. Das ist spannend und großartig. Trotz des Crossovers ist der Band weitestgehend selbstständig und sehr auf Batman fokussiert. Sein Gegner ist allerdings außerordentlich mächtig und ich weiß nicht, ob mir das so gut gefällt. Der Fokus leidet ein wenig darunter. Auch die Auflösung der Geschichte empfand ich nicht zufriedenstellend, was das eingangs erwähnte Fazit jedoch nicht beeinträchtigt. Capullos Zeichnungen sind nach wie vor großartig und begeistern durch ihren Detailreichtum.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.