Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

The Dark Knight: Knight Terrors

“It’s going to happen, and you’re going to be the one to blame.”

Paul Jenkins, David Finch, Judd Winick, Joe Harris/David Finch, Ed Benes, 2011-2012– Die Dark Knight-Serie hat viele Probleme und ein Problem ist, den Platz neben der regulären Batman-Serie und Detective Comics zu finden. Die Idee ist, Geschichten über Bruce Wayne und Batman zu erzählen, die die Figuren in ihrem Umfeld zeigen. Knight Terrors wird dieser Idee kaum gerecht. Die Geschichte eröffnet mit einem Ausbruch aus Arkham und man möchte empört „schon wieder!“ rufen. Knight Terrors erstickt letztendlich an seiner eigenen Oberflächlichkeit. Die Autoren lassen eine breite Galerie von Superschurken antreten, nahezu die gesamte Batman-Familie und die Helden Wonder Woman, Flash und Superman. Keine der Figuren kommt über ein Abziehbild ihrer selbst hinaus und werden gnadenlos als Schauwerte verheizt. Die Erzählung selbst ist sprunghaft. In wenigen guten Momenten wird das Verhältnis zu Alfred vertieft, dem hier eine nicht wegzudenkende Helferrolle zukommt. Batman reflektiert über sich und die Menschen um ihn herum. Er erkennt, dass er sich auf sie verlassen kann und muss, aber dass er ihnen in ihrer Not nicht zur Seite steht. Hierzu werden innere Monologe verwendet, die in der dritten Person geschrieben sind. Das ist nicht nur fragwürdig, sondern unnötig. Finchs Zeichnungen sind in Ordnung, rechtfertigen meines Erachtens aber nicht, dass sein Name als Headliner geführt wird.

Justice League: Origin

“We’re not friends. We’re not a team.”

Geoff Johns/Jim Lee, 2011-2012– Origin spielt 5 Jahre vor The Court of Owls und handelt von der Formierung der Justice League. Es setzt einen neuen Kanon ins DCU (genauer: DCnU, DC New Universe). Mitglieder der ersten Stunde sind Aquaman, Batman, Cyborg, Flash, Green Lantern, Superman und Wonder Woman. Und auch innerhalb der Gruppe deutet sich eine Neuordnung an. Anders als in den Erzählungen des Modern Age wird die Justice League nicht von Superman, sondern von Green Lantern angeführt. Es ist eine Gruppe von Außenseitern, in der große Egos aufeinander prallen. Die Justice League ist keine Freundschaft, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Die Reibungen zwischen den Figuren machen den größten Reiz von Origin aus. Johns versteht es, diese mit Humor anzureichern. Dass Batman als einziger in der Gruppe über keine Superkräfte verfügt, wird beinahe zum Running Gag. Der Rest ist pure Action. Es knallt und donnert auf jeder Seite, die Qualität der Geschichte bleibt deutlich auf der Strecke. Doch es ist unterhaltsame Action, in der Jim Lees Zeichenstil vollends zur Geltung kommt. Origin ist ein schneller Einstieg ins DCnU, das auch ohne große Vorkenntnis der Figuren gelesen werden kann.

The Return of Bruce Wayne

“I am Bruce Wayne.”

Grant Morrison/Chris Sprouse, Frazer Irving, Yanick Paquette, Georges Jeanty, Ryan Sook, Lee Garbett, 2010– In The Return of Bruce Wayne steht die Existenz des gesamten Universums auf dem Spiel. Es handelt von Multiversen, Zeitreisen und dem Kampf gegen Götter. Und es handelt von Bruce Wayne. Morrison hat mit atemberaubender Charaktertreue geschrieben. Egal in welcher Epoche, in welcher Rolle und in welchem Zustand sich Bruce befindet, er weiß nicht, wer er ist, aber er handelt immer wie Bruce Wayne. Jede Geschichte, ja beinahe jedes Panel, enthält Verweise zu anderen Titeln, und Morrison denkt nicht einmal im Traum daran, dem Leser alle Fakten vorzulegen, um den Geschichten ohne Anstrengung zu folgen. Das abschließende Kapitel The All-Over nimmt gewaltige Ausmaße an. Hier steckt der Klimax, hier kommt alles zusammen. Es wirft ein ganz anderes Licht auf die vorangegangenen Kapitel, auf Year One und Final Crisis. Am Ende wird Bruce siegen. Er weiß, wann er einen Gott zu Fall bringen muss und ist sich um die Konsequenzen bewusst. Morrison nähert sich abermals einer gottgleichen Darstellung von Batman – hier sogar in der Figur von Bruce Wayne. Doch diese Tendenz findet ihre Grenze. In The All-Over erfährt Bruce die erste Wahrheit über Batman. Jede Epoche, jede Geschichte, besitzt ihren eigenen Stil, und dennoch ist das durch die sechs Zeichner geschaffene Gesamtbild homogen. Das von Lee Garbett gezeichnete The All-Over enthält gleich mehrere Panels, die in erzählerischer wie auch zeichnerischer Hinsicht nichts geringeres als Meisterwerke sind. Man benötigt zahlreiche Lesedurchgänge, um The Return of Bruce Wayne überhaupt ansatzweise zu verstehen. Doch versteht man es, so ist es überwältigend.

Whatever Happened to the Caped Crusader?

“The end of the story of Batman is, he’s dead.”

Neil Gaiman/Andy Kubert, Scott Williams, 2009– Whatever Happened to the Caped Crusader? ist die letzte Batman-Geschichte. Sie handelt von der Totenwache für Batman. Der Tod ist das einzig mögliche Ende. Das Ende ist einfach und logisch. Es zementiert Batmans Status als Mythos, als Märtyrer, als Ikone. Batman muss sterben. Es geht nicht anders. Whatever Happened to the Caped Crusader? ist keine Elseworld-Geschichte, spielt aber dennoch außerhalb des Gothams wie wir es kennen. Und so erzählt jeder Besucher seine Geschichte, wie Batman gestorben ist. Verbindungen zum wirklichen Tod von Batman, also zu R.I.P. und Final Crisis existieren nicht. Aber alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeigen uns, wie Batman hätte sterben können. Die Zusammenkunft der Figuren ist für mich das Highlight des Bandes. Die Panels zeigen einen Raum voller Helden und Schurken und mir gefällt die Idee, dass sowohl Freunde wie auch Feinde die Totenwache besuchen und Batman ihre letzte Ehre erweisen. Der zweite Teil von Whatever Happened to the Caped Crusader? beschäftigt sich mit der Nahtoderfahrung von Batman. Batman stirbt, um wiedergeboren zu werden, um wieder zu sterben. Insoweit ist Whatever Happened to the Caped Crusader? vielleicht doch nicht allzu weit von Final Crisis entfernt, zumindest was das Thema Tod und Wiedergeburt betrifft.

Final Crisis

“DIE FOR DARKSEID!”

Grant Morrison/J. G. Jones, Marco Rudy, Carlos Pacheco, Doug Mahnke, 2008-2009– Crisis on Infinite Earths eliminierte das Konzept der Multiversen, Infinite Crisis brachte es zurück. Und Final Crisis stellt nun klar: Lasst es gefälligst so, wie es ist. Final Crisis ist Morrisons Metakommentar zur gesamten Comicindustrie. An den Multiversen sollte man nicht herumpfuschen. Sie besitzen ein Eigenleben, und zwar nirgendwo sonst als im kollektiven Bewusstsein der Leser. Final Crisis ist auch ein Buch, dass selbst den treuesten Morrison-Jüngern schlaflose Nächte bereiten kann. Es ist das umfangreichste DC-Ereignis, es ist gnadenlos zu allen, die sich nicht perfekt in der Geschichte auskennen, aber vor allem ist es komplexer als es hätte sein müssen. Morrison spannt seine hyperkomprimierte Erzählung von den Guardians of the Universe über OMAC bis zu den Neuen Göttern von Jack Kirbys Fourth World. Und irgendwo mittendrin, genauer gesagt in #6, sterben Batman und Darkseid. Batmans Tod in Final Crisis ist problematisch, weil er keine Verknüpfungen zu R.I.P. besitzt. Morrisons wirklich herausragende Vorbereitung seit Batman and Son und die Handlungsstränge um The Black Glove verlieren im Hinblick auf Batmans Tod durch Darkseid ihre Bedeutung. Der Tod selbst hatte kaum einen Effekt auf mich, die Gelegenheit für Pathos wurde nicht genutzt. Auch der Tod von Darkseid ist pures Deus ex machina. Ein weiteres Problem von Final Crisis ist sein holperiges Erzähltempo. Morrison ist kaum darin zu stoppen, fantastische Ideen in die Erzählung einzubringen. So faszinierend viele von ihnen sind, so negativ wirken sie sich jedoch auf den Leserhythmus aus. Ebenso holperig ist der Wechsel der Zeichner. J.G. Jones wird zum Ende durch Doug Mahnke ersetzt, dessen Stil dem dynamischen Finale besser steht. Beide Zeichner leisten hervorragende Arbeit, aber der Bruch ist sichtbar. Am Ende bleibt viel von Final Crisis haften – nicht alles positiv.

Superman/Batman: Public Enemies

“Do us both a favor, Bruce. Buy a sense of humor.”

Jeph Loeb/Ed McGuinness, 2003-2004– Die Geschichte wird zum großen Teil als Parallelerzählung vorgetragen, die sich bei dem Aufeinandertreffen der zwei wohl unterschiedlichsten Helden im DC Universum als effektive, wenn nicht perfekte Wahl entpuppt. Auf jeder Seite wird deutlich, dass Superman und Batman nicht unterschiedlicher sein könnten. Superman ist das Licht, Batman der Schatten. Die Erzählung wechselt von Optimismus zu Pessimismus, die Zeichnungen von hell zu dunkel. Die zahlreichen inneren Monologe sagen viel über die eigene Figur und das Verhältnis zu seinem Gegenstück aus. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven formen sich diese Monologe zu einer Art Dialog. Trotz der fundamentalen Differenzen, der vielen Reibungspunkte und oftmals scheinbar ablehnenden Haltung gegeneinander zeigt die Geschichte aber auch, dass sich beide Figuren mit hohem Respekt begegnen. Das macht den Reiz dieser Paarung aus und wird in Public Enemies wirklich hervorragend erzählt. Im Buch ist fast das gesamte DC Universum unterwegs, sämtliche Superhelden, die unterschiedliche Positionen einnehmen. Dennoch überfordert es nicht Gelegenheitsleser. Lediglich das Auftreten der Neuen Götter könnte verwirrend sein. McGuinness‘ Zeichnungen sind erstklassig und alle Figuren stilecht. Das ist hoch anzuerkennen.

Hush

“We’ve done this dance for a long time.”

Jeph Loeb/Jim Lee, 2002-2003– Hush, der Mega-Blockbuster der Batman-Serie. Blockbuster warten mit großen Schauwerten auf, neigen aber dazu, in manchen Details etwas nachlässig zu sein. Man kann Hush guten Grundes vorwerfen, keine gute Kriminalgeschichte zu sein. Doch wenn man Hush richtig liest, erkennt man den Plot um Identitäten und Verhaltensmuster. Die größte Waffe von Batman ist sein Verstand. Er ist in der Lage, seine Gegner einzuschätzen und sie vorherzusehen. Hush setzt an dieser Strategie an und führt sie ad absurdum. Hush manipuliert die Figuren im Batman-Universum so, dass sie nicht mehr in das bekannte Muster passen. Und dies nutzt Loeb auch, um die Beziehung zwischen Batman und Catwoman weiter zu beleuchten. Tatsächlich wurde die Beziehung selten so intensiv dargestellt wie hier. In Hush ist alles larger than life. Superschurken, Metropolis, Superman, Catwoman, die gesamte Batman-Familie, Anspielungen auf die Rückkehr von Jason Todd, die Etablierung einer neuen Figur und eines neuen Gegenspielers: Thomas Elliot. Sogar Präsident Lex Luthor hat seinen Auftritt und vielleicht ist alles etwas zu viel des Guten, aber so ist es eben in Blockbustern. Es sind die Loeb-Momente, die Hush trotz (oder neben, wie man es sieht) den Schauwerten zum gelungenen Buch machen. In all den großen Szenen finden sich stets interessante Momente der Figurenzeichnung. Lees Illustrationen stehen den Ansprüchen an das Großwerk in nichts nach. Um es ganz einfach auszudrücken: awe-some! Die Panels besitzen Dynamik und Kraft und sind teilweise voller Klischees, aber meine Güte, Klischees passen einfach gut.

Bruce Wayne: Fugitive

“Sometimes, to move forward, you have to go back to the beginning.”

Chuck Dixon, Ed Brubaker, Greg Rucka, Kelley Puckett, Devin Grayson, Dennis O’Neil, Geoff Johns/Dave Ross, Sean Phillips, Scott McDaniel, Steve Lieber, Damion Scott, Roger Robinson, Sergio Cariello, Rick Burchett, 2002– Da wünscht man sich erst eine Reduzierung, und dann das! Batman wird daran erinnert, woher er kommt. Diese Initiierung des Gedankens, Bruce Wayne zu benötigen, finde ich ganz schneidig. Doch Batmans Läuterung geschieht wie vom Blitz getroffen. Plötzlich fällt ihm ein, sich falsch verhalten zu haben. Sein voriges Verhalten wirft er über Bord. Falsch verhalten hat er sich wohlgemerkt nur sich gegenüber, kaum gegenüber anderen. Und so löst Batman auch diese Angelegenheit im Alleingang. Fugitive bricht dabei mit dem – zwar nicht gutem – Tempo, das Murderer? vorgegeben hat. Hieraus entsteht das Bild eines wankelmütigen Charakters, das Batman nicht gerecht wird. Auch die Auflösung wirkt sehr bemüht und ist darüber hinaus antiklimatisch. Der Band kommt hier in die Verlegenheit, gar mit zwei Annexen zu enden. Einzelne Erzählungen können sich trotz allem sehen lassen, doch das Tempo und die Struktur bringen letztlich alles ins Straucheln.

JLA: Tower of Babel

“How much of a control freak is he?”

Mark Waid/Howard Porter, 2000– Der Autorenwechsel von Grant Morrison zu Mark Waid funktioniert nahtlos. Waid knüpft an Morrisons Charakterisierung von Batman an und stellt diesen als einen Einzelgänger dar, der sich selbst nicht als Mitglied der JLA sieht. Darüber hinaus greift Waid das ewige Thema auf, dass selbst Verbündete vor Batman nicht sicher sind. Batmans Pläne zur Ausschaltung sämtlicher Mitglieder der JLA scheinen auf den ersten Blick trick- und einfallsreich zu sein, stellen sich bei genauerer Betrachtung aber als absolut rational, logisch und vor allem nicht tödlich dar. Sie passen somit perfekt zu Batmans Charakter. Mit der Frage, was passiert, wenn nützliche Informationen in falsche Hände geraten, gepaart mit Batmans Unfähigkeit als Teamplayer, führt dies zur Katastrophe und zum Ausschluss von Batman aus der Justice League. Ein Highlight ist die finale Abstimmung unter dessen Mitgliedern, das Für und Wider eines Ausschlusses und die die jeweiligen Positionen unterstützenden Argumente. Waid hat alle Figuren charaktertreu geschrieben. Ihre Positionen sind nachvollziehbar und glaubhaft, ihre Entscheidungen wirken nicht willkürlich, sondern organisch aus der Geschichte und dem Charakter heraus. Tower of Babel ist eines der besten Bücher dieser Ära. Es legt hervorragend dar, welche Konsequenzen Batmans Arroganz und sein Ego haben können und rückt ein wenig Batmans Stand im DC Universum und im Ansehen der Leser zurecht.

JLA: World War III

“This is why we formed the Justice League.”

Grant Morrison/Howard Porter, 1999-2000– Der Abschluss von Morrisons JLA-Reihe funktioniert als Meta-Erzählung besser als eine Ebene darunter. Auf der niederen Ebene wird die Erzählung ihrem Titel nicht gerecht. Die gesamte Erde ist im Krieg, Staat gegen Staat, Mensch gegen Mensch. Doch die Auswirkungen werden lediglich am Rand gestreift. Morrison interessiert eine andere Idee: für ihn sind Superhelden der nächste Schritt in der Evolution des Menschen. Die Neuen Götter sind die Vaterfiguren der Superhelden und die Superhelden die Inspiration für die Menschen. Durch ihre Inspiration werden die Menschen wachsen und aufsteigen, bald werden alle sein wie Superman. Die Superhelden geben den Menschen am Ende der Geschichte einen Einblick in das, was kommen wird. Morrison zeichnet hier ein zutiefst optimistisches Szenario, in dem große Macht zum Guten eingesetzt wird und den Inhaber nicht korrumpiert. Dementsprechend funktioniert auch Antagonist Mageddon mehr als Thema denn als Bösewicht. Mageddon bekämpft aufsteigende Welten oder einfacher: den Fortschritt, die Evolution. Am Ende wird er verlieren. Und 10 Jahre vor seinem Großkommentar streift Morrison das Medium selbst: Laut Batman wird die JLA siegen, solange die Menschheit an sie glaubt. Das heißt nichts anderes, als dass es die JLA geben wird, solange wir die Comics kaufen. Durch die Themen und die große Besetzung ist World War III fortgeschrittenen Lesern zu empfehlen. Die Zeichnungen kranken an demselben Symptomen wie die gesamte Serie. Sie sind größtenteils erzählungs- und atmosphärelos, was die Figuren angeht aber in Ordnung.

No Man’s Land Volume 3

“Gotham died a while back, and it’s gone forever.”

Ian Edginton, Janet Harvey, Larry Hama, Chuck Dixon, Dennis O’Neil, Bronwyn Carlton Taggart, Steven Barnes, Devin Grayson, Alisa Kwitney/Jason Minor, Sergio Cariello, Mike Deodato Jr., Staz Johnson, Gordon Purcell, Roger Robinson, Paul Gulacy, Tom M. Morgan, Paul C. Ryan, Mat Broome, Rafael Kayanan, Dale Eaglesham, Michael Zulli, 1999-2000– Trotz des Zitats ist der dritte Band Hoffnung. Mit den vorigen Bänden teilt er die Gemeinsamkeit, dass die Geschichten ins Nirgendwo laufen. Es wird immer offensichtlicher, dass sich niemand um das Gesamtbild schert. Zu viele Autoren, zu viele Zeichner, zu viel Stückwerk. Zu den Vorgängern gibt es aber einen Unterschied: manche Geschichten sind tatsächlich unterhaltsam. Der Gipfel der Unterhaltsamkeit ist Jokers Versuch, zum Präsidenten von No Man’s Land gewählt zu werden. Das ist absurd komisch und beinhaltet den ersten Auftritt von Harley Quinn außerhalb von Batman: The Animated Series und damit verwandten Publikationen. Das bringt NML zwar kein Stück voran, aber ein wenig Unterhaltung kann nach den ersten Bänden nicht schaden. Batgirl zeigt eine erfreuliche Entwicklung, Robin kann einen Triumph verbuchen, und zum Wohle der Stadt geht Batman Allianzen mit Gegnern ein. Selbst Superman lässt sich blicken, um sich über den Zustand von Gotham und Bruce zu informieren. So sehr dies auch ein Fremdkörper im bisherigen Verlauf von NML ist, die Geschichte ist gut geschrieben und noch besser gezeichnet. Da Teil 3 unterhaltsam ist, könnte Teil 4 diese Eigenschaft doch übernehmen und endlich auch eine gute Erzählung hinzufügen.

JLA: New World Order

“What can a pathetic, fragile creature like Batman do to us?”

Grant Morrison/Howard Porter, 1997– Wer braucht die Justice League? Grant Morrison hält sich nicht mit den Expositionen der Figuren auf. Die Justice League ist bereits formiert oder: vielmehr am Ende. Neue Helden bringen Schwung in die Welt und lassen die Justice League alt aussehen. Doch Morrison mahnt vor voreiligen Schlüssen und zeigt uns, dass wir alle die Justice League brauchen. Die Geschichte ist dabei eher simpel aufgebaut und liest sich dementsprechend überhaupt nicht morrisonhaft. Vorrangig geht es hier um die Figuren, die Morrison sehr stimmig geschrieben hat. Überraschenderweise gelingt ihm die Charakterisierung von Superman am besten. Er schreibt ihn im besten Sinne von Jerry Siegel. Morrison lässt Batman in den Hintergrund treten und gibt ihm wenig Raum. Doch der hat es in sich; Batman ist der Stratege, er lenkt die Justice League aus dem Hintergrund. Und so überrascht es nicht, dass Batman letztendlich über das Schicksal der Justice League entscheidet. Morrison deutet hier die weitere Entwicklung von Batman innerhalb der Justice League an und lässt schon in den wenigen Momenten seine Interpretation der Figur erkennen. Morrison lässt jeden Helden sein Können zur Schau stellen, die wechselnden Erzählperspektiven bringen uns die Sicht eines jeden näher. So kommt hier niemand zu kurz. Die Panels sind größtenteils zufriedenstellend gezeichnet. Es fehlt aber oft die erzählerische Qualität im einzelnen Panel, auch sind diese teilweise verwirrend.

Superman: Dark Knight Over Metropolis

“There has always been something about Batman that troubles me.”

John Byrne, Dan Jurgens, Roger Stern, Jerry Ordway/Art Adams, Dan Jurgens, Bob McLeod, Jerry Ordway, 1987, 1990– Das Buch ist eine merkwürdige Sammlung merkwürdiger Geschichten und nur deswegen von Interesse, weil Batman am Ende in den Besitz des Rings aus Kryptonit gelangt. Doch bevor dies geschieht, kämpfen der Mann aus Stahl und der Dunkle Ritter gegen Vampire (!). Es scheint, als habe es Frank Millers Herangehensweise an die Figur niemals gegeben. Es folgen reine Superman-Geschichten, in denen Clark ständig Lois anbaggert und die so zuckersüß sind, dass man als Batman-Leser völlig verstört weiter blättert. Hat Batman jemals Blumen gekauft? Das eigentliche Dark Knight Over Metropolis ist am Ende des Buches zu finden und bietet eine eher spannungslose Erzählung, die jedoch bei den Charakterisierungen überzeugen kann. Superman und Batman behandeln sich argwöhnisch. Zu diesem Zeitpunkt wissen beide noch nicht genau, wie sie ihren Gegenüber einschätzen sollen. Die aufkommende Gewöhnung an einander ist interessant zu beobachten. Die Inbesitznahme des Kryptonitrings ist ein wichtiger Punkt in der Beziehung der beiden Superhelden und lässt Dark Knight Over Metropolis letztendlich doch eine Relevanz zukommen. Die klassischen Zeichnungen sind nicht zu bemängeln und legen sehr viel Wert auf Körperhaltung und Mimik.