Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Batman and Robin: Pearl

“I’m nothing like you, Damian!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2012– Tomasi beginnt mit einer effizient erzählen Rückblende zu Damians Erziehung, die zahlreiche Parallelen zu Alexander und Olympia aufweist. Damian wurde geboren, um zu beherrschen. Die Rückblende erklärt sehr gut, warum Damian ist wie er ist und mündet in Batman and Son. Danach wird es etwas zerfahren, ein klarer Fokus auf eine einzige Geschichte ist nicht vorhanden. Über die Hälfte aller Kapitel sind Bestandteile von Crossovern. Man merkt Tomasi die Mühe an, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch einzelne Elemente können sich wirkich sehen lassen. Allen voran sind es die Streitigkeiten unter den Robins, die sehr charaktertreu geschrieben sind und Dick um ein weiteres Mal die Rolle des älteren Bruders einnehmen lässt. Damians drastische Handlungen führen dazu, dass Bruce erstmals hinterfragt, ob Damian als Robin geeignet ist. Dies ist eine interessante Frage, die leider nur unzureichend behandelt wird. Viele Vater-Sohn-Momente werden angedeutet, ohne sie danach hinreichend auszuführen. Das hat der erste Teil noch besser gemacht.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

Batman and Robin: Born to Kill

“I want you to control yourself.”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2011-2012– Die Geschichte widmet sich der Vater-Sohn-Beziehung. Es geht um Erziehung, Respekt, Rebellion und den ganzen Sack voller Wörter, die eine Beziehung zwischen dem heranwachsenden Sohn und seinem Vater kennzeichnen. Tomasis Charakterisierungen sind durchaus gelungen. Bruce blickt gleichermaßen stolz als auch besorgt auf Damian, der ein 10-jahriger mit Killerinstinkt ist. Er will ein guter Vater sein, doch sein Umgang mit Menschen ist bekanntermaßen voller Defizite. Tomasi vermittelt auch gut Damians Arroganz, wobei diese bei Daniel und Morrison mehr Biss hatte. Im zweiten Akt hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nicht die Biege schafft. Tut sie aber im dritten Akt. Die Erzählung gewinnt an Stärke und entwickelt eine mächtige Atmosphäre. Massive Bilder gehen einher mit stimmungsvollen Farbpaletten. Gleasons Zeichnungen sind erstklassig, die Panels unterschiedlich angeordnet und sehr dynamisch. Grafisch ist Born to Kill ziemlich brutal, gerade wenn man bedenkt, dass ein Kind eine der beiden Hauptfiguren ist. Am Ende lässt sich sagen, dass es dennoch kein perfekter, aber vielversprechender Start der Serie ist und man weiteren Ausgaben gespannt entgegen sieht.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.

Batman, Incorporated: Demon Star

“I promised love. He chose war.”

Grant Morrison/Chris Burnham, Frazer Irving, 2012-2013– Aufgrund seiner Struktur ist Demon Star schwer in die Chronologie einzuordnen. Es beinhaltet Elemente von The New 52, spielt aber vor Flashpoint. Damit aber nicht genug; mit Demon Star entfernt sich Morrison von der ursprünglichen Idee der Serie. Im Vordergrund stehen die Familiengeschichten Bruce, Talia, Damian (Vater, Mutter, Sohn), Ra’s, Talia (Vater, Tochter) und Ra’s, Talia, Bruce (Vater, Tochter, Schwiegersohn in spe). Morrison rekapituliert das erste Treffen von Bruce und Talia inklusive der gemeinsamen Nacht und dehnt den Kanon so weit wie möglich, ohne ihn zu brechen. Im Grunde schreibt Morrison nicht mehr Batman, Incorporated, sondern sein ganz eigenes Batman & Robin. Mit weiteren Referenzen zur Demon-Trilogie, The Black Glove und Final Crisis erzählt Morrison wieder einmal große Geschichten mit nur wenigen Sätzen und Bildern. Erstaunlich, faszinierend, beängstigend, Morrison. Gegen Ende gibt es ganz große Emotionen, schwere Entscheidungen und einen geradezu herzzerreißenden Moment, der so viel aussagt über das Verhältnis von Vater und Sohn als es schwerlich jemals zuvor getan wurde. Neben der wundervoll gezeichneten Einleitung (Irving) können sich auch Burnhams Zeichnungen voll und ganz sehen lassen. Man merkt, dass sich Morrison und Burnham verstehen.

Gates of Gotham

“You will bear witness to the end of an era.”

Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, 2011– Gates of Gotham bietet eine Erzählung aus Vergangenheit und Gegenwart. Snyder präsentiert abermals eine raffinierte Erzählweise, die beide Epochen geschickt verknüpft und nach und nach Informationen preisgibt. Die Spannung bleibt aufrecht und wird durch zahlreiche Überraschungsmomente befeuert. Während wir in der Vergangenheit die großen drei Familien Gothams sehen (Wayne, Elliot, Cobblepot), sehen wir in der Gegenwart eine Familie: Die Batman-Familie. Batman, Robin, Red Robin und Black Bat kämpfen mit vereinten Kräften. Die Figuren sind ausnahmslos gut geschrieben. Jede Figur ist in ihrem Element und bekommt den Platz, den sie verdient. Es gibt vereinzelte Reibungspunkte, aber so ist das eben in einer Familie. Am Ende zahlt sich die Zusammenarbeit aus. Und am Ende weiß Dick, dass er ein würdiger Batman ist. Sein Weg als Batman findet hier seinen Abschluss. Gates of Gotham schlägt die Brücke zu The New 52, nicht mit einem lauten Ereignis, sondern mit dem leisen Zusammenhalt der Familie. McCarthys Zeichnungen sind nicht unumstritten, haben mich aber von der ersten Seite an gefesselt. Die in den Erzählungen aus Vergangenheit und Gegenwart verwendeten Farbpaletten sind wunderschön, in der Gegenwart finster, dennoch kraftvoll.

Streets of Gotham: The House of Hush

“You Waynes are hard to kill.”

Paul Dini/Dustin Nguyen, 2010-2011– Der letzte Teil der Streets of Gotham-Reihe setzt wenige Glanzlichter und bleibt am Ende unbefriedigend. Thematisch hat The House of Hush einiges zu bieten: Die Geschichte über Damian/Robin und Colin/Abuse wird weitergeführt. Damian lässt Dick in Unkenntnis und sucht sowas wie einen Backup-Partner in Abuse. Doch die Geschichte wird nicht konsequent zu Ende geführt und endet im Niemandsland. Nicht minder interessant ist der Umstand, dass die Verwandlung in Bruce Wayne mehr und mehr zum Gefängnis für Tommy Elliot wird, zumal er unter ständiger Beobachtung der Justice League ist. Die Verwandlung wird ihm letztendlich zum Verhängnis. Kompliziert und unnötig sind Dinis Geschichten über Judson Pierce, eine Figur aus der Vergangenheit der Waynes. In Rückblenden erleben wir seine Geschichte, die sogar den Joker beinhaltet (katastrophal überflüssig), und lernen ferner mehr über die Vergangenheit von Thomas und Martha Wayne. Er wirkt alles so, als sei Dini auf der Suche nach Lücken in der Vergangenheit, die er füllen kann. Neben Referenzen zu Heart of Hush und Gotham City Sirens gibt es auch das große Wiedersehen zwischen Bruce und Selina, das leider überhaupt keinen Schneid besitzt. The House of Hush ist eine enttäuschende letzte Ausgabe in einer einigermaßen unterhaltsamen, aber gänzlich überflüssigen Serie.

Batman and Robin: Dark Knight vs. White Knight

“The more things change, the more they stay the same.”

Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Christopher Jones, Patrick Gleason, Guillem March, Greg Tocchini, Andy Smith, 2011– Ein Lückenfüller zwischen Morrisons Trilogie und The New 52, dessen drei Geschichten nicht miteinander verknüpft sind. Der Auftakt behandelt weniger Batman & Robin, sondern Bruce Wayne. Wir lernen viel über sein Verhältnis zu Frauen kennen – stets im Zwiespalt zwischen seinen Gefühlen und der Figur Bruce Wayne als Alter Ego zu Batman. Cornells Geschichte beinhaltet die interessante Konstellation, dass der Schurke Batman und Robin nutzt, um an Bruce Wayne heranzukommen und nicht umgekehrt. Tomasis titelgebende Geschichte zeigt ein eingespieltes Team und klassische Detektivarbeit. Zwar gibt Damian stets Kontra, jedoch nicht mehr ganz so bissig wie zuvor. Der Antagonist ist nicht nur vom Namen her eine Variation des Batman-Themas, sondern auch von dessen Geschichte, was mir ganz gut gefallen hat. Gleasons Zeichnungen sind jedoch der Trumpf dieser Geschichte. Stark, gerade in der Verwendung von Schatten. Das kann man von Winicks Abschlussgeschichte nicht behaupten. Von Tocchini schrecklich gezeichnet (viel zu flach und mit zu dicken Strichen), ist auch die Erzählung um Jason Todd ziemlich mau und hinterlässt einen unausgegorenen Geschmack.

Gotham Shall Be Judged

“My battle is against sin.”

David Hine, Fabian Nicieza/Cliff Richards, Guillem March, Freddie E. Williams II, 2011– Crossover aus Azrael, Batman, Red Robin und Gotham City Sirens ohne Belang und zur Hälfte unterhaltsam. Die von Hine erzählten und von Richards mit viel Fleisch und Blut finster gezeichneten Azrael-Geschichten gehen mit dem Religionsaspekt nicht gerade zimperlich um, und man wundert sich, dass DC dieses für die ach so korrekte Öffentlichkeit der USA freigegeben hat. Im Unterschied zu Batman bekämpft Azrael nicht Verbrechen, sondern Sünde. Dennoch sieht Bruce in ihm einen Verbündeten – und damit sieht er mehr als Dick. Hier schwingt der Umstand mit, dass Bruce bei seiner Reise durch die Zeit eine Zukunft in Flammen gesehen hat. Er setzt auf jede Hilfe, die er finden kann. Weiterhin sehen wir, dass Dick als Batman nicht über dieselben Fähigkeiten verfügt wie Bruce. Er besitzt eine Unsicherheit und Unachtsamkeit, die wir bei Bruce niemals erleben werden. Doch genau das macht ihn menschlich. Die nahezu titelgebende Judgment on Gotham-Storyline bleibt leider äußerst blass und weder gefallen mir Nicieza als Autor noch March als Zeichner. Die Figuren und ihre Taten bleiben durchweg unglaubwürdig. Der interessante Aspekt an der Storyline ist lediglich, dass Azrael meint, von Gott geleitet zu werden. Tatsächlich wird er jedoch von einem Dämon geleitet, der in Gotham Shall Be Judged den eigentlichen Antagonisten darstellt.

Bruce Wayne: The Road Home

“I’m not sure anyone has missed me at all.”

Fabian Nicieza, Bryan Q. Miller, Mike W. Barr, Derek Fridolfs, Adam Beechen, Marc Andreyko/Cliff Richards, Pere Perez, Szymon Kudranski, Agustin Padilla, Ramon Bachs, Javier Saltares, Peter Nguyen, Scott McDaniel, 2010– Bruce Wayne: The Road Home ist so lächerlich überflüssig, dass die Gefahr besteht, mittendrin daran zu verzweifeln. Der Gedanke, dass Bruce Wayne überprüft, wie sich seine Familienmitglieder in seiner Abwesenheit entwickelt haben, ist gar nicht so abwegig. Aber das ist mit diesem Buch selten dämlich umgesetzt, und die Entwicklungen hat man in sämtlichen Büchern seit R.I.P. und Final Crisis doch schon gelesen. Bruce Wayne: The Road Home ist DCs Ausdruck von Geldschneiderei. Mit einer geheimen Identität (The Insider *facepalm*) stellt Bruce der Familie Aufgaben und hält das Ergebnis im White Casebook fest. Die ganze Angelegenheit ist emotionslos und hat dem Charme eines Krankenhausflurs. Die Geschichten sind schlecht, die Zeichnungen schwankend. Der Abschnitt Batman & Robin verfügt zwar über eine gute Anordnung der Panels, die Figuren sehen hingegen aus wie aus der Augsburger Puppenkiste. Von Catwoman bleibt visuell nicht mehr als Niedlichkeit, Commissioner Gordon ist ein Märchenonkel. Das möchte ich nicht noch einmal sehen.

Batman and Robin: Batman and Robin Must Die!

“Batman’s war against crime goes global tonight.”

Grant Morrison/Frazer Irving, 2011– Die Stärke von Batman & Robin: Batman & Robin must die! ist nicht die Geschichte. Es ist ein Werk von Morrison, und wieder einmal steht die Geschichte nicht für sich allein, sondern ist Bestandteil von etwas Größerem. Erst in ihrer Gesamtheit ergeben Morrisons Geschichten ein beeindruckendes Gesamtwerk, das beste, was der Batman-Serie jemals passiert ist. Batman & Robin: Batman & Robin must die! führt die Trilogie und sämtliche Handlungsstränge um Doctor Hurt und Black Glove zu Ende. Gleichzeitig ebnet es den Weg zu einem völlig neuen Kapitel in Batmans Karriere. Verglichen mit anderen Werken ist es ein Leichtgewicht ohne philosophische und metaphysische Tiefen. Der Fokus liegt auf der rasanten Unterhaltung. Morrison präsentiert einen wahrlich atemberaubenden Lesefluss: Auf Seite 1 holt man Luft und liest das Ding in einem Rutsch und Atemzug durch. Und doch lässt Morrison jeder Figur eine Charakterentwicklung zukommen. Batman & Robin: Batman & Robin must die! hat vielfach Schelte bezogen wegen der Zeichnungen von Frazer Irving. Ich finde Irvings Zeichnungen großartig. Die Panels verfügen über wenig Schärfentiefe und sehen aus wie mit dem Pinsel gemalt. Durch die geringe Plastizität ergibt sich fast der Eindruck eines Albtraums. Die Verwendung der Farben ist fantastisch und liegt über dem Niveau der beiden ersten Teile der Trilogie.

Batman and Robin: Batman vs. Robin

“Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.”

Grant Morrison/Andy Clarke, 2010– Grant Morrison zieht noch einmal den Anspruch an und präsentiert einen höchst komplexen zweiten Teil der Trilogie. Dick will Bruce in einer Lazarus Grube wiederbeleben. Morrisons Texte stellen nicht unbedingt das Dilemma heraus, in dem sich Dick befindet. Er macht es aber für den Leser nachvollziehbar, warum und dass Dick so viel an der Wiederbelebung von Bruce liegt. Die Lazarus Grube wird zum Desaster, und es ist in diesem Zusammenhang geradezu wohltuend zu sehen, dass auch unsere liebsten Superhelden Fehler machen. Im weiteren Verlauf folgen Batman und Robin den Hinweisen, die ihnen Bruce hinterlassen hat. Das bietet Morrison zum einen die Verknüpfung zu The Return of Bruce Wayne, zum anderen viel Raum für das Zusammenspiel von Dick und Damian. Damian fragt Dick, ob sie noch Batman & Robin sein können, falls Bruce wieder zurückkehrt. Dies beschäftigt Damian sehr, und es sind sehr persönliche und brüderliche Momente, die die beiden teilen. Der Titel des Buchs ist irreführend, denn es geht nicht um einen Konflikt zwischen Batman und Robin. Es ist eine Geschichte über zwei Robins. Es geht um den verzweifelten Versuch von Dick, seinen Mentor wiederzubeleben, und um Damians Zuneigung zu Dick.

Life After Death

“You really screwed up this time, Grayson.”

Tony S. Daniel, 2009-2010– Life After Death hat Licht und Schatten. Mit der Schilderung der Beziehungen kann Life After Death ordentlich Punkte einfahren. Dick muss sich mit Damian, Selina, Huntress und Oracle auseinander setzen und verfügt dabei noch über eigene Probleme. Daniel gelingt es ausgesprochen gut, die Last zu vermitteln, die auf Dicks Schultern liegt. Die Geschichte ist weniger zufriedenstellend. Die Identität des Bösewichts ist schnell ausgemacht, und viel zu bemüht wirken Daniels Ambitionen, Referenzen aus der Kontinuität zu ziehen. Es wirkt so, als müsse Daniel es dem Leser beweisen, dass er sich mit der Historie der Serie befasst hat. Daniel lässt Life After Death mit einem Knalleffekt enden – nämlich mit der Einführung einer neuen Figur. Das wirkt sehr kalkuliert – zu gewollt, Life After Death in den großen Kanon einzubringen. Die Einführung der Figur wirkt nicht organisch, also nicht aus der Kraft der Geschichte heraus. Daniel, der seine Geschichten selbst zeichnet, ist ein besserer Zeichner als Autor. Seine Zeichnungen gehören zu den besten, die mir in der Serie untergekommen sind. Sie sind modern und haben eine filmische Qualität. Mit seitengroßen Panels macht Daniel deutlich, dass Batman auch nach dem Tod und der Neubesetzung nichts von seinem Ikonenstatus verloren hat. Die Mimiken der Figuren sind sauber gezeichnet, so dass man über den Text hinaus in den Gesichtern der Figuren weiter lesen kann. Die verwendeten Farbpaletten sind breit gefächert und stimmig. Trotz der Schwächen empfehlenswert.

Streets of Gotham: Leviathan

“Gotham City can go to hell.”

Paul Dini, Christopher Yost, Mike Benson/Dustin Nguyen, 2009-2010– Die Krux von Hush Money setzt sich in Leviathan fort. Und diesmal sind gleich drei Autoren am Werk. Yost beginnt mit einer für sich geschlossenen Geschichte, in der Huntress die Hauptrolle spielt, Benson folgt mit einer ebenso für sich geschlossenen Batman-Geschichte. Beide Geschichten sind unterhaltsam, aber bedeutungslos. In Bensons Geschichte ist die Charakterisierung von Dick nicht ganz stimmig. Er ist sehr routiniert, und das ist er in Daniels und Morrisons Serie gerade nicht. Interessanter ist da schon Dinis Abschluss, in welchem Zsasz einen Kindersklavenring startet. In der Geschichte über entführte und missbrauchte Kinder gelingt Dini die Figurenzeichnung von Damian sehr gut. Für eine zusätzliche Dynamik sorgt das Auftauchen von Colin, einem gleichalterigen Jungen, der im weiteren Verlauf die Identität von Robin erfährt. Mit dem Kindersklavenring packt Dini ein düsteres Thema an, und so ist auch der Grundton von Leviathan. Nguyens Zeichnungen, von denen ich sonst kein großer Fan bin, sind atmosphärisch und actionreich und wie die Geschichten nicht gerade zimperlich, d.h. vor allem blutig.

Streets of Gotham: Hush Money

“My name is Thomas Elliot, known to some as Hush.”

Paul Dini/Dustin Nguyen, 2009– Wir haben die Hauptserien, wir haben Batman and Robin, Detective Comics und Gotham City Sirens. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die Frage gestellt werden muss, ob es überhaupt noch Interessantes zu erzählen gibt. Streets of Gotham: Hush Money ist ein Kandidat, der seinen Platz im Batman-Universum sucht. Das fängt schon beim Titel an: Ist es nun ein Buch über die Straßen Gothams oder über Hush? Es beginnt mit Hush, doch der Fokus rückt schnell von ihm ab und lenkt das Geschehen auf zahlreiche Figuren der Stadt. Streets of Gotham: Hush Money fehlt die erzählerische Stringenz und beinhaltet für eine 128-Seiten-Ausgabe zu viele Erzählperspektiven. Dinis Schreibstil ist dabei natürlich nicht schlecht, das kann ja gar nicht sein, er ist einer der besten. Man merkt, dass ihm die Figuren ans Herz gewachsen sind. Man merkt aber auch, dass sich Dini selbst wohl nicht so im Klaren ist, wo die Reise hingehen soll. Hush stellt die Batman-Familie vor vollendete Tatsachen und präsentiert sich als Bruce Wayne in einer Weise, in der es kein zurück mehr gibt. Dick lenkt ein und lässt ihn gewähren, ohne dass ein innerer Konflikt sichtbar wird. Dick entscheidet sich offenbar ohne die Befürchtung, dass Hush den Ruf von Bruce Wayne auf’s Spiel setzt. Merkwürdig.

Batman and Robin: Batman Reborn

“Master Bruce was always proud of you, Sir.”

Grant Morrison/Frank Quitely, Alex Sinclair, 2009– Grant Morrison bleibt der Serie noch erhalten. Nicht als Autor der Hauptserie, das ist vorerst Tony S. Daniel, sondern mit seiner unterhaltsamen Batman & Robin-Trilogie. Morrison schreibt zahlreiche gute Szenen für Dick und Damian, zwei Figuren, die unterschiedlicher nicht sein können. Dick fühlt sich der Rolle als neuer Batman nicht gewachsen, Damian hingegen strotzt als Robin vor Selbstvertrauen, bisweilen auch Überheblichkeit. Nach Damians Ansicht muss sich Dick erst seinen Respekt verdienen. Für ihn heißt das Duo nicht Batman & Robin, sondern Robin & Batman. Es macht großen Spaß, diese ungleichen Typen, die jedoch das gleiche Ziel verfolgen, durch die Geschichte zu begleiten. Später treffen Batman und Robin auf Red Hood. Mit Dick, Damian und Jason treffen drei Robins aufeinander, und Morrison versteht es, hieraus mit treffenden Dialogen eine interessante Dynamik zu ziehen. Es ist wie das Treffen dreier Brüder, die unter einem übermächtigen Vater aufgewachsen sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist von beiden Illustratoren sehr gut gezeichnet. Lediglich der finale Kampf ist unübersichtlich. Erwähnenswert ist der hohe Einsatz von fünf bis sechs untereinander stehenden, aber horizontal über die ganze Breite ausgedehnten Panels. Batman & Robin: Batman Reborn ist nicht so verkopft wie die anderen Werke von Grant Morrison. Aber Morrison ist eine Welt für sich. Und so wundert es nicht, dass unter der Oberfläche zahlreiche Symbole und Bilder versteckt sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist eine Geschichte über Masken.