Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Batman Eternal Vol. 3

“Is Batman eternal?”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Fernando Blanco, ACO, Javi Fernandez, Alessandro Vitti, Christian Duce, Ronan Cliquet, Juan Ferreyra, Álvaro Martínez, Eduardo Pansica, Robson Rocha, David Lafuente, Tim Seeley, Ray Fawkes, Andrea Mutti, Felix Ruiz, David Furno, Joe Quinones, Jed Dougherty, 2015– Kontinuität. In einem gemeinsamen Universum ist Kontinuität ein wichtiger Faktor. Sie hält ein gemeinsames Universum zusammen. In Eternal ist nicht viel davon vorhanden. Auf die Handlungsstränge aus Tomasis Batman & … und Ereignisse wie Arkham War wird entweder fehlerhaft oder gar nicht eingegangen. Völlig rätselhaft bleibt, warum Robin in Eternal keinen Auftritt hat, ja noch nicht einmal Erwähnung findet. Verbunden mit ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern wird jegliche Resterzählung ruiniert. Snyder, Fawkes, Layman, Seeley und Higgins haben Beiträge geleistet, sind aber längst gegangen, und Tynion gelingt hier gewiss kein runder Abschluss. Mittlerweile hat der Leser auch erkannt, dass mit Eternal der erste Akt aus Knightfall wiedergekäut wird: der Strippenzieher fordert Batman solange, bis dieser erschöpft und leichte Beute wird. Harper Rows Werdegang wird schwach erzählt, was allerdings – und nun gibt es auch Positives – nicht auf Catwoman zutrifft. Die Figur macht eine interessante und wohl formulierte Entwicklung durch. Applaus gibt es auch für die Charakterisierung Killer Crocs. Das genügt jedoch nicht, um das Finale dieses Erzählungsbogens in ein gutes Licht zu stellen. Eternal war eine Reise durch das Batman-Universum mit seinen Figuren und Schauplätzen. Aber sie war schlecht geplant, noch schlechter ausgeführt, und schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr unterhaltsam.

Batman Eternal Vol. 2

“I think it’s time we had a chat with the boss.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Jorge Lucas, Dustin Nguyen, Andy Clarke, R.M. Guera, Juan Ferreyra, Javier Garrón, Meghan Hetrick, Simon Coleby, Fernando Pasarin, Jason Fabok, 2014-2015– Vol. 2 bleibt der gehetzten, scheinbar ziellos umherirrenden Erzählstruktur treu, kann aber doch einige Charakterisierungen präsentieren. Hervorragend hat mir die Wahl gefallen, Tim zum Initiator der Familienversöhnung zu machen. Schon nach dem Tod von Bruce Wayne zeigte er Initiative, und diese passt erneut gut zur Figur. Von einer Versöhnung ist die Familie weit entfernt, aber der Moment, in dem die Familie wieder miteinander spricht, ist ergreifend. ACH KOMM! Nun mal Tacheles: Eternal hat ein schwerwiegendes Problem mit der Kontinuität. Und auch die Geschichte – oder Geschichten – ergeben immer weniger Sinn. Die Zerstörung von Gotham City und allem, was Batman wichtig ist, ist als Thema völlig ausgelutscht und erfährt auch hier keine neuen Facetten. Wohin die Erzählungen steuern, bleibt im Trüben. Das ist nicht als Mittel zur Erzeugung von Spannung zu verstehen – nein, der Spannungsbogen ist nach wie vor mangelhaft. Es ist das sichtbare Chaos, welches seit dem Beginn der Serie hinter den Kulissen wütet.

Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Batman and Robin: The Hunt for Robin

“Give me back my son!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert, 2014– Die Sammlung enthält viele Elemente, die man in Snyders Hauptserie erwarten würde, und schwingt sich letztendlich und völlig zurecht auf einen ebenbürtigen Level auf. In einigen Momenten neige ich sogar zur Ansicht, dass uns Tomasi Batmans Charakter besser vermitteln kann als Synder. Zusammen mit den grandiosen Zeichnungen von Andy Kubert holt er zum großen Rundumschlag aus, von Son of the Demon über Morrisons Werke Batman Reborn, Incorporated und Final Crisis bis zu Death of the Family. Batmans innere Monologe geben viele Gefühle preis und sind so gespickt mit Eigenreflexionen wie selten zuvor. Dieser Band beschäftigt sich überwiegend mit Batman & Justice League (post-Forever Evil), wobei Tomasi auch deren Wesen glaubwürdig und getreu einfängt. So kurz vor dem Ende seiner Serie darf er dann auch mit großem Spektakel auffahren, das immer wieder von kleinen, bedeutsamen Momenten begleitet wird. In seltenen, aber den richtigen Augenblicken nennen sich die Figuren beispielsweise beim Vornamen, was gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Intimität ausdrückt. Wir erfahren ferner, dass die langjährigen Mitglieder der Justice League eine schützende Hand über Batman halten, ist er doch der einzige ohne Superkräfte. Dann die eigentliche Sensation: Batman bringt die Familie zusammen! Das war kaum noch zu erwarten, und hat mich in der konkreten Art und Weise auch nicht völlig überzeugt, aber schließlich gelingt Tomasi auch dieser Komplex. Auf zum großen Finale!

Batman and Robin: Requiem for Damian

“                                                      ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Cliff Richards, 2013– Ein Meisterwerk. Alles, was den vorigen Ausgaben mangelte, aber als Potential sichtbar war, findet hier seinen Platz. Die einleitende stumme Erzählung macht die Trauer um Damian spürbar. Das Motiv jedes einzelnen Panels und Gleasons Zeichnungen tragen sich selbst und drücken mehr aus, als es Worte jemals könnten. Batman & Robin enden hier. An deren Stelle treten Batman & …, in deren Erzählungen Batman fünf Phasen der Trauer erlebt. Er ist nicht mehr er selbst und braucht Hilfe. Doch die Beziehungen in seiner Familie sind zerstört. Batman erwartet Hilfe, doch er erwartet zu viel. Die vollen Auswirkungen vom Tod der Familie kommen hier zum Tragen. Die Familie wird begraben und der Totengräber ist Batman selbst. Das Motiv jeder Phase macht Tomasi für den Leser erfahrbar. Zusammen mit Batman durchlebt man Wut und Verzweiflung und freut sich am Ende umso mehr, als Licht zu scheinen beginnt. Ungebremst von anderen Titeln zeigt Tomasi nunmehr sein ganzes Wissen und Können als Autor im Batman-Universum. Und spätestens jetzt gilt Gleason für mich als derzeit bester Zeichner der Serie. Der Detailreichtum, die Präzision, Beständigkeit und Energie wird momentan von keinem anderen Zeichner erreicht. Die Sammelausgabe enthält das vollständige Skript zur stummen Erzählung, das in beeindruckender Weise das Zusammenspiel von Tomasi und Gleason beweist.

Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Batman and Robin: Pearl

“I’m nothing like you, Damian!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2012– Tomasi beginnt mit einer effizient erzählen Rückblende zu Damians Erziehung, die zahlreiche Parallelen zu Alexander und Olympia aufweist. Damian wurde geboren, um zu beherrschen. Die Rückblende erklärt sehr gut, warum Damian ist wie er ist und mündet in Batman and Son. Danach wird es etwas zerfahren, ein klarer Fokus auf eine einzige Geschichte ist nicht vorhanden. Über die Hälfte aller Kapitel sind Bestandteile von Crossovern. Man merkt Tomasi die Mühe an, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch einzelne Elemente können sich wirkich sehen lassen. Allen voran sind es die Streitigkeiten unter den Robins, die sehr charaktertreu geschrieben sind und Dick um ein weiteres Mal die Rolle des älteren Bruders einnehmen lässt. Damians drastische Handlungen führen dazu, dass Bruce erstmals hinterfragt, ob Damian als Robin geeignet ist. Dies ist eine interessante Frage, die leider nur unzureichend behandelt wird. Viele Vater-Sohn-Momente werden angedeutet, ohne sie danach hinreichend auszuführen. Das hat der erste Teil noch besser gemacht.

Gates of Gotham

“You will bear witness to the end of an era.”

Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, 2011– Gates of Gotham bietet eine Erzählung aus Vergangenheit und Gegenwart. Snyder präsentiert abermals eine raffinierte Erzählweise, die beide Epochen geschickt verknüpft und nach und nach Informationen preisgibt. Die Spannung bleibt aufrecht und wird durch zahlreiche Überraschungsmomente befeuert. Während wir in der Vergangenheit die großen drei Familien Gothams sehen (Wayne, Elliot, Cobblepot), sehen wir in der Gegenwart eine Familie: Die Batman-Familie. Batman, Robin, Red Robin und Black Bat kämpfen mit vereinten Kräften. Die Figuren sind ausnahmslos gut geschrieben. Jede Figur ist in ihrem Element und bekommt den Platz, den sie verdient. Es gibt vereinzelte Reibungspunkte, aber so ist das eben in einer Familie. Am Ende zahlt sich die Zusammenarbeit aus. Und am Ende weiß Dick, dass er ein würdiger Batman ist. Sein Weg als Batman findet hier seinen Abschluss. Gates of Gotham schlägt die Brücke zu The New 52, nicht mit einem lauten Ereignis, sondern mit dem leisen Zusammenhalt der Familie. McCarthys Zeichnungen sind nicht unumstritten, haben mich aber von der ersten Seite an gefesselt. Die in den Erzählungen aus Vergangenheit und Gegenwart verwendeten Farbpaletten sind wunderschön, in der Gegenwart finster, dennoch kraftvoll.

The Black Mirror

“My name is Dick Grayson. I am Gotham City’s Batman.”

Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla, 2011– The Black Mirror ist der Beginn der Ära Snyder und wird bereits als Klassiker bezeichnet. Tatsächlich weist The Black Mirror zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker, mit Year One auf. Es handelt von Geschichten über die Figur, die hinter der Maske steht, über die Gordons und über Gotham City. Die Figuren reden viel über Gotham City. Sie charakterisieren die Stadt, so dass die Stadt selbst zu einer Figur wird. In Gotham schlägt ein dunkles Herz und davon wurde selten so überzeugend und so reich erzählt wie in The Black Mirror. The Black Mirror strotzt nur so von Anspielungen. Und anders als in Life After Death fügen sie sich in The Black Mirror nahtlos in die Erzählung ein und bereichern sie. Genau so nahtlos sind Snyders Dialoge, die sich natürlich und lebendig lesen. Während die Geschichten über Dick Grayson von Jock illustriert wurden, wurden die über die Gordons von Francesco Francavilla gezeichnet. Im direkten Wechsel sind Unterschiede zu erkennen, stilistisch liegen sie aber auf einer Wellenlänge und fügen sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Überaus gelungen ist die Anordnung der Panels, insbesondere beim Umblättern der Seiten. The Black Mirror ist ein ausgezeichnetes Buch. Nach dem metaphysischen Hokus-Pokus stellt The Black Mirror eine gelungene Neuausrichtung dar.

Batman and Robin: Dark Knight vs. White Knight

“The more things change, the more they stay the same.”

Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Christopher Jones, Patrick Gleason, Guillem March, Greg Tocchini, Andy Smith, 2011– Ein Lückenfüller zwischen Morrisons Trilogie und The New 52, dessen drei Geschichten nicht miteinander verknüpft sind. Der Auftakt behandelt weniger Batman & Robin, sondern Bruce Wayne. Wir lernen viel über sein Verhältnis zu Frauen kennen – stets im Zwiespalt zwischen seinen Gefühlen und der Figur Bruce Wayne als Alter Ego zu Batman. Cornells Geschichte beinhaltet die interessante Konstellation, dass der Schurke Batman und Robin nutzt, um an Bruce Wayne heranzukommen und nicht umgekehrt. Tomasis titelgebende Geschichte zeigt ein eingespieltes Team und klassische Detektivarbeit. Zwar gibt Damian stets Kontra, jedoch nicht mehr ganz so bissig wie zuvor. Der Antagonist ist nicht nur vom Namen her eine Variation des Batman-Themas, sondern auch von dessen Geschichte, was mir ganz gut gefallen hat. Gleasons Zeichnungen sind jedoch der Trumpf dieser Geschichte. Stark, gerade in der Verwendung von Schatten. Das kann man von Winicks Abschlussgeschichte nicht behaupten. Von Tocchini schrecklich gezeichnet (viel zu flach und mit zu dicken Strichen), ist auch die Erzählung um Jason Todd ziemlich mau und hinterlässt einen unausgegorenen Geschmack.

Batman, Incorporated

“Batman is everywhere.”

Grant Morrison/Yanick Paquette, Chris Burnham, Scott Clark, Dave Beaty, Cameron Stewart, 2011– Als wenn es das nicht ohnehin schon wäre, zementiert Batman, Incorporated Morrisons vielseitiges und weitblickendes Erzähltalent. Er kann extrem kopflastige, aber auch einfache Geschichten schreiben. So wie den Auftakt in Japan, der gänzlich unmorrisonesk daher kommt und uns endlich wieder Batman und Catwoman zusammen zeigt. Wir erleben Referenzen an das Silver Age, an das Golden Age und an Batman ’66 und Figuren aus der Geschichte von DC und unternehmen einen Ausflug zur neuen Batwoman (deren Serie übrigens so fantastisch ist, dass ich überlege, meine Anmerkungen zu den Büchern hier aufzunehmen). Und in diesem großen Bogen rückt der eigentliche Antagonist Leviathan nach und nach ins Rampenlicht. Klasse gemacht! In seiner Reise um den Globus erkennt man mehr und mehr, dass Batman nicht bloß eine Person ist. Weit über Gotham City hinaus ist Batman eine Idee, und Menschen nehmen sich ein Beispiel daran. Batman selbst erlebt eine bemerkenswerte Charakterwandlung. Er, der sonst gar Familienmitglieder meidet, rekrutiert Fremde. Eine Wandlung, die auf die Ereignisse während seiner Reise durch die Zeit zurückzuführen ist. Die erzählerisch wie zeichnerisch vielfältigen Geschichten folgen dem gemeinsamen Thema Leviathan. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie verknüpft, was keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist. Applaus!

Gotham Shall Be Judged

“My battle is against sin.”

David Hine, Fabian Nicieza/Cliff Richards, Guillem March, Freddie E. Williams II, 2011– Crossover aus Azrael, Batman, Red Robin und Gotham City Sirens ohne Belang und zur Hälfte unterhaltsam. Die von Hine erzählten und von Richards mit viel Fleisch und Blut finster gezeichneten Azrael-Geschichten gehen mit dem Religionsaspekt nicht gerade zimperlich um, und man wundert sich, dass DC dieses für die ach so korrekte Öffentlichkeit der USA freigegeben hat. Im Unterschied zu Batman bekämpft Azrael nicht Verbrechen, sondern Sünde. Dennoch sieht Bruce in ihm einen Verbündeten – und damit sieht er mehr als Dick. Hier schwingt der Umstand mit, dass Bruce bei seiner Reise durch die Zeit eine Zukunft in Flammen gesehen hat. Er setzt auf jede Hilfe, die er finden kann. Weiterhin sehen wir, dass Dick als Batman nicht über dieselben Fähigkeiten verfügt wie Bruce. Er besitzt eine Unsicherheit und Unachtsamkeit, die wir bei Bruce niemals erleben werden. Doch genau das macht ihn menschlich. Die nahezu titelgebende Judgment on Gotham-Storyline bleibt leider äußerst blass und weder gefallen mir Nicieza als Autor noch March als Zeichner. Die Figuren und ihre Taten bleiben durchweg unglaubwürdig. Der interessante Aspekt an der Storyline ist lediglich, dass Azrael meint, von Gott geleitet zu werden. Tatsächlich wird er jedoch von einem Dämon geleitet, der in Gotham Shall Be Judged den eigentlichen Antagonisten darstellt.

Bruce Wayne: The Road Home

“I’m not sure anyone has missed me at all.”

Fabian Nicieza, Bryan Q. Miller, Mike W. Barr, Derek Fridolfs, Adam Beechen, Marc Andreyko/Cliff Richards, Pere Perez, Szymon Kudranski, Agustin Padilla, Ramon Bachs, Javier Saltares, Peter Nguyen, Scott McDaniel, 2010– Bruce Wayne: The Road Home ist so lächerlich überflüssig, dass die Gefahr besteht, mittendrin daran zu verzweifeln. Der Gedanke, dass Bruce Wayne überprüft, wie sich seine Familienmitglieder in seiner Abwesenheit entwickelt haben, ist gar nicht so abwegig. Aber das ist mit diesem Buch selten dämlich umgesetzt, und die Entwicklungen hat man in sämtlichen Büchern seit R.I.P. und Final Crisis doch schon gelesen. Bruce Wayne: The Road Home ist DCs Ausdruck von Geldschneiderei. Mit einer geheimen Identität (The Insider *facepalm*) stellt Bruce der Familie Aufgaben und hält das Ergebnis im White Casebook fest. Die ganze Angelegenheit ist emotionslos und hat dem Charme eines Krankenhausflurs. Die Geschichten sind schlecht, die Zeichnungen schwankend. Der Abschnitt Batman & Robin verfügt zwar über eine gute Anordnung der Panels, die Figuren sehen hingegen aus wie aus der Augsburger Puppenkiste. Von Catwoman bleibt visuell nicht mehr als Niedlichkeit, Commissioner Gordon ist ein Märchenonkel. Das möchte ich nicht noch einmal sehen.

The Return of Bruce Wayne

“I am Bruce Wayne.”

Grant Morrison/Chris Sprouse, Frazer Irving, Yanick Paquette, Georges Jeanty, Ryan Sook, Lee Garbett, 2010– In The Return of Bruce Wayne steht die Existenz des gesamten Universums auf dem Spiel. Es handelt von Multiversen, Zeitreisen und dem Kampf gegen Götter. Und es handelt von Bruce Wayne. Morrison hat mit atemberaubender Charaktertreue geschrieben. Egal in welcher Epoche, in welcher Rolle und in welchem Zustand sich Bruce befindet, er weiß nicht, wer er ist, aber er handelt immer wie Bruce Wayne. Jede Geschichte, ja beinahe jedes Panel, enthält Verweise zu anderen Titeln, und Morrison denkt nicht einmal im Traum daran, dem Leser alle Fakten vorzulegen, um den Geschichten ohne Anstrengung zu folgen. Das abschließende Kapitel The All-Over nimmt gewaltige Ausmaße an. Hier steckt der Klimax, hier kommt alles zusammen. Es wirft ein ganz anderes Licht auf die vorangegangenen Kapitel, auf Year One und Final Crisis. Am Ende wird Bruce siegen. Er weiß, wann er einen Gott zu Fall bringen muss und ist sich um die Konsequenzen bewusst. Morrison nähert sich abermals einer gottgleichen Darstellung von Batman – hier sogar in der Figur von Bruce Wayne. Doch diese Tendenz findet ihre Grenze. In The All-Over erfährt Bruce die erste Wahrheit über Batman. Jede Epoche, jede Geschichte, besitzt ihren eigenen Stil, und dennoch ist das durch die sechs Zeichner geschaffene Gesamtbild homogen. Das von Lee Garbett gezeichnete The All-Over enthält gleich mehrere Panels, die in erzählerischer wie auch zeichnerischer Hinsicht nichts geringeres als Meisterwerke sind. Man benötigt zahlreiche Lesedurchgänge, um The Return of Bruce Wayne überhaupt ansatzweise zu verstehen. Doch versteht man es, so ist es überwältigend.

Cataclysm

“Things will never be the same again.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Chris Renaud, Rick Burchett, Klaus Janson, Kelley Puckett/Jim Aparo, Flint Henry, Mark Buckingham, Scott McDaniel, Klaus Janson, Roger Robinson, Graham Nolan, Jim Balent, Staz Johnson, Marcos Martin, Chris Renaud, Alex Maleev, Rick Burchett, Eduardo Barreto, Dave Taylor, 1998– Cataclysm hält sich mit keinem Vorspiel auf. Das Erdbeben der Stärke 7,6 schlägt sofort zu und trifft Gotham und seine Bewohner unvorbereitet. Die einzelnen Kapitel mit ihren wechselnden Protagonisten vermitteln die Zerstörung textlich und bildlich sehr gut. Für eine bessere Orientierung zwischen Kapiteln und Protagonisten verwenden die Autoren die Angabe von Uhrzeiten. Eine derartige Katastrophe holt das Beste aus allen heraus. Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen damit, dass Menschen gerettet werden. Batman hat kurze Momente des Zweifels, ruft sich aber in Erinnerung, dass auch ein einzelner Mensch Großes bewirken kann. Auch die anderen Figuren werden von Sorgen geplagt, wobei jede Figur in ihrem eigenen Sorgen-Schema steckt. Sowieso liest sich der Band erstaunlich flüssig und konsistent, was angesichts der Vielzahl an Autoren nun überhaupt nicht zu erwarten war. Als geringes Problem stellt sich allerdings heraus, dass die Superhelden keinen leibhaftigen Gegenspieler haben, wobei das Problem durch den von Dixon geschaffenen Quakemaster weiter gemildert wird. Die Spannungskurve sinkt nach dem Ausbrechen des Bebens dennoch kontinuierlich, der Klimax des gesamten Bandes ist schon auf den ersten Seiten zu finden.