Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Batman Eternal Vol. 3

“Is Batman eternal?”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Fernando Blanco, ACO, Javi Fernandez, Alessandro Vitti, Christian Duce, Ronan Cliquet, Juan Ferreyra, Álvaro Martínez, Eduardo Pansica, Robson Rocha, David Lafuente, Tim Seeley, Ray Fawkes, Andrea Mutti, Felix Ruiz, David Furno, Joe Quinones, Jed Dougherty, 2015– Kontinuität. In einem gemeinsamen Universum ist Kontinuität ein wichtiger Faktor. Sie hält ein gemeinsames Universum zusammen. In Eternal ist nicht viel davon vorhanden. Auf die Handlungsstränge aus Tomasis Batman & … und Ereignisse wie Arkham War wird entweder fehlerhaft oder gar nicht eingegangen. Völlig rätselhaft bleibt, warum Robin in Eternal keinen Auftritt hat, ja noch nicht einmal Erwähnung findet. Verbunden mit ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern wird jegliche Resterzählung ruiniert. Snyder, Fawkes, Layman, Seeley und Higgins haben Beiträge geleistet, sind aber längst gegangen, und Tynion gelingt hier gewiss kein runder Abschluss. Mittlerweile hat der Leser auch erkannt, dass mit Eternal der erste Akt aus Knightfall wiedergekäut wird: der Strippenzieher fordert Batman solange, bis dieser erschöpft und leichte Beute wird. Harper Rows Werdegang wird schwach erzählt, was allerdings – und nun gibt es auch Positives – nicht auf Catwoman zutrifft. Die Figur macht eine interessante und wohl formulierte Entwicklung durch. Applaus gibt es auch für die Charakterisierung Killer Crocs. Das genügt jedoch nicht, um das Finale dieses Erzählungsbogens in ein gutes Licht zu stellen. Eternal war eine Reise durch das Batman-Universum mit seinen Figuren und Schauplätzen. Aber sie war schlecht geplant, noch schlechter ausgeführt, und schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr unterhaltsam.

Batman Eternal Vol. 2

“I think it’s time we had a chat with the boss.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Jorge Lucas, Dustin Nguyen, Andy Clarke, R.M. Guera, Juan Ferreyra, Javier Garrón, Meghan Hetrick, Simon Coleby, Fernando Pasarin, Jason Fabok, 2014-2015– Vol. 2 bleibt der gehetzten, scheinbar ziellos umherirrenden Erzählstruktur treu, kann aber doch einige Charakterisierungen präsentieren. Hervorragend hat mir die Wahl gefallen, Tim zum Initiator der Familienversöhnung zu machen. Schon nach dem Tod von Bruce Wayne zeigte er Initiative, und diese passt erneut gut zur Figur. Von einer Versöhnung ist die Familie weit entfernt, aber der Moment, in dem die Familie wieder miteinander spricht, ist ergreifend. ACH KOMM! Nun mal Tacheles: Eternal hat ein schwerwiegendes Problem mit der Kontinuität. Und auch die Geschichte – oder Geschichten – ergeben immer weniger Sinn. Die Zerstörung von Gotham City und allem, was Batman wichtig ist, ist als Thema völlig ausgelutscht und erfährt auch hier keine neuen Facetten. Wohin die Erzählungen steuern, bleibt im Trüben. Das ist nicht als Mittel zur Erzeugung von Spannung zu verstehen – nein, der Spannungsbogen ist nach wie vor mangelhaft. Es ist das sichtbare Chaos, welches seit dem Beginn der Serie hinter den Kulissen wütet.

Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Batman and Robin: The Hunt for Robin

“Give me back my son!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert, 2014– Die Sammlung enthält viele Elemente, die man in Snyders Hauptserie erwarten würde, und schwingt sich letztendlich und völlig zurecht auf einen ebenbürtigen Level auf. In einigen Momenten neige ich sogar zur Ansicht, dass uns Tomasi Batmans Charakter besser vermitteln kann als Synder. Zusammen mit den grandiosen Zeichnungen von Andy Kubert holt er zum großen Rundumschlag aus, von Son of the Demon über Morrisons Werke Batman Reborn, Incorporated und Final Crisis bis zu Death of the Family. Batmans innere Monologe geben viele Gefühle preis und sind so gespickt mit Eigenreflexionen wie selten zuvor. Dieser Band beschäftigt sich überwiegend mit Batman & Justice League (post-Forever Evil), wobei Tomasi auch deren Wesen glaubwürdig und getreu einfängt. So kurz vor dem Ende seiner Serie darf er dann auch mit großem Spektakel auffahren, das immer wieder von kleinen, bedeutsamen Momenten begleitet wird. In seltenen, aber den richtigen Augenblicken nennen sich die Figuren beispielsweise beim Vornamen, was gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Intimität ausdrückt. Wir erfahren ferner, dass die langjährigen Mitglieder der Justice League eine schützende Hand über Batman halten, ist er doch der einzige ohne Superkräfte. Dann die eigentliche Sensation: Batman bringt die Familie zusammen! Das war kaum noch zu erwarten, und hat mich in der konkreten Art und Weise auch nicht völlig überzeugt, aber schließlich gelingt Tomasi auch dieser Komplex. Auf zum großen Finale!

Batman and Robin: Requiem for Damian

“                                                      ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Cliff Richards, 2013– Ein Meisterwerk. Alles, was den vorigen Ausgaben mangelte, aber als Potential sichtbar war, findet hier seinen Platz. Die einleitende stumme Erzählung macht die Trauer um Damian spürbar. Das Motiv jedes einzelnen Panels und Gleasons Zeichnungen tragen sich selbst und drücken mehr aus, als es Worte jemals könnten. Batman & Robin enden hier. An deren Stelle treten Batman & …, in deren Erzählungen Batman fünf Phasen der Trauer erlebt. Er ist nicht mehr er selbst und braucht Hilfe. Doch die Beziehungen in seiner Familie sind zerstört. Batman erwartet Hilfe, doch er erwartet zu viel. Die vollen Auswirkungen vom Tod der Familie kommen hier zum Tragen. Die Familie wird begraben und der Totengräber ist Batman selbst. Das Motiv jeder Phase macht Tomasi für den Leser erfahrbar. Zusammen mit Batman durchlebt man Wut und Verzweiflung und freut sich am Ende umso mehr, als Licht zu scheinen beginnt. Ungebremst von anderen Titeln zeigt Tomasi nunmehr sein ganzes Wissen und Können als Autor im Batman-Universum. Und spätestens jetzt gilt Gleason für mich als derzeit bester Zeichner der Serie. Der Detailreichtum, die Präzision, Beständigkeit und Energie wird momentan von keinem anderen Zeichner erreicht. Die Sammelausgabe enthält das vollständige Skript zur stummen Erzählung, das in beeindruckender Weise das Zusammenspiel von Tomasi und Gleason beweist.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Batman and Robin: Pearl

“I’m nothing like you, Damian!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2012– Tomasi beginnt mit einer effizient erzählen Rückblende zu Damians Erziehung, die zahlreiche Parallelen zu Alexander und Olympia aufweist. Damian wurde geboren, um zu beherrschen. Die Rückblende erklärt sehr gut, warum Damian ist wie er ist und mündet in Batman and Son. Danach wird es etwas zerfahren, ein klarer Fokus auf eine einzige Geschichte ist nicht vorhanden. Über die Hälfte aller Kapitel sind Bestandteile von Crossovern. Man merkt Tomasi die Mühe an, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch einzelne Elemente können sich wirkich sehen lassen. Allen voran sind es die Streitigkeiten unter den Robins, die sehr charaktertreu geschrieben sind und Dick um ein weiteres Mal die Rolle des älteren Bruders einnehmen lässt. Damians drastische Handlungen führen dazu, dass Bruce erstmals hinterfragt, ob Damian als Robin geeignet ist. Dies ist eine interessante Frage, die leider nur unzureichend behandelt wird. Viele Vater-Sohn-Momente werden angedeutet, ohne sie danach hinreichend auszuführen. Das hat der erste Teil noch besser gemacht.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

Batman and Robin: Dark Knight vs. White Knight

“The more things change, the more they stay the same.”

Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Christopher Jones, Patrick Gleason, Guillem March, Greg Tocchini, Andy Smith, 2011– Ein Lückenfüller zwischen Morrisons Trilogie und The New 52, dessen drei Geschichten nicht miteinander verknüpft sind. Der Auftakt behandelt weniger Batman & Robin, sondern Bruce Wayne. Wir lernen viel über sein Verhältnis zu Frauen kennen – stets im Zwiespalt zwischen seinen Gefühlen und der Figur Bruce Wayne als Alter Ego zu Batman. Cornells Geschichte beinhaltet die interessante Konstellation, dass der Schurke Batman und Robin nutzt, um an Bruce Wayne heranzukommen und nicht umgekehrt. Tomasis titelgebende Geschichte zeigt ein eingespieltes Team und klassische Detektivarbeit. Zwar gibt Damian stets Kontra, jedoch nicht mehr ganz so bissig wie zuvor. Der Antagonist ist nicht nur vom Namen her eine Variation des Batman-Themas, sondern auch von dessen Geschichte, was mir ganz gut gefallen hat. Gleasons Zeichnungen sind jedoch der Trumpf dieser Geschichte. Stark, gerade in der Verwendung von Schatten. Das kann man von Winicks Abschlussgeschichte nicht behaupten. Von Tocchini schrecklich gezeichnet (viel zu flach und mit zu dicken Strichen), ist auch die Erzählung um Jason Todd ziemlich mau und hinterlässt einen unausgegorenen Geschmack.

Batman and Robin: Batman Reborn

“Master Bruce was always proud of you, Sir.”

Grant Morrison/Frank Quitely, Alex Sinclair, 2009– Grant Morrison bleibt der Serie noch erhalten. Nicht als Autor der Hauptserie, das ist vorerst Tony S. Daniel, sondern mit seiner unterhaltsamen Batman & Robin-Trilogie. Morrison schreibt zahlreiche gute Szenen für Dick und Damian, zwei Figuren, die unterschiedlicher nicht sein können. Dick fühlt sich der Rolle als neuer Batman nicht gewachsen, Damian hingegen strotzt als Robin vor Selbstvertrauen, bisweilen auch Überheblichkeit. Nach Damians Ansicht muss sich Dick erst seinen Respekt verdienen. Für ihn heißt das Duo nicht Batman & Robin, sondern Robin & Batman. Es macht großen Spaß, diese ungleichen Typen, die jedoch das gleiche Ziel verfolgen, durch die Geschichte zu begleiten. Später treffen Batman und Robin auf Red Hood. Mit Dick, Damian und Jason treffen drei Robins aufeinander, und Morrison versteht es, hieraus mit treffenden Dialogen eine interessante Dynamik zu ziehen. Es ist wie das Treffen dreier Brüder, die unter einem übermächtigen Vater aufgewachsen sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist von beiden Illustratoren sehr gut gezeichnet. Lediglich der finale Kampf ist unübersichtlich. Erwähnenswert ist der hohe Einsatz von fünf bis sechs untereinander stehenden, aber horizontal über die ganze Breite ausgedehnten Panels. Batman & Robin: Batman Reborn ist nicht so verkopft wie die anderen Werke von Grant Morrison. Aber Morrison ist eine Welt für sich. Und so wundert es nicht, dass unter der Oberfläche zahlreiche Symbole und Bilder versteckt sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist eine Geschichte über Masken.

Battle for the Cowl

“Bruce Wayne is dead. But Batman didn’t need to be.”

Tony S. Daniel, 2009– Tony S. Daniels Erstlingswerk als Autor ist nichts vom dem, was es hätte sein können – und sein müssen. Es ist einfach, die Kritik gegen Daniel zu richten. Die Kritik muss sich aber vor allem gegen DC richten, den Posten des Autors eines so entscheidenden Werks mit einem Neuling zu besetzen. Dabei ist der Einstieg recht gut: Nach dem Tod von Batman versinkt Gotham City im Chaos, was sowohl erzählerisch als auch zeichnerisch gut vermittelt wird. Die Bat-Familie zeigt sich gelähmt bis Tim es ausspricht: einer von ihnen muss der neue Batman sein. Dann geht es mit den Geschichten drunter und drüber und vieles passt einfach nicht ins Bild. Über einem emotions- und ambitionslosen Nightwing trumpft Jason groß auf, allerdings nicht als Red Hood, sondern in einem eigenen Batman-Kostüm und wie ein wahnsinniger Schurke. Von Winicks Figur ist da nicht viel übrig geblieben. Dann kämpft jeder gegen jeden und plötzlich ist Dick der neue Batman. Battle for the Cowl wirkt wie das typische Crossover-Stückwerk, wie einzelne Geschichten, die sich nicht harmonisch zusammenfügen. Es ist ein sehr ärgerliches, ja besorgniserregendes Buch vor dem Hintergrund, dass hier die Weichenstellung für die nächsten Jahre stattfindet und dabei über eklatante erzählerische Mängel verfügt.

Under the Red Hood

“Bruce, I forgive you for not saving me.”

Judd Winick, Jim Starlin/Doug Mahnke, Matt Wagner, Paul Lee, Julianne Aparo, 2005-2006– Jasons Rückkehr. Das weiß der Leser schon vorher, und deswegen tun Winick und Starlin gut daran, nicht die Enthüllung von Red Hoods Identität in den Fokus zu rücken, sondern wie die Figuren damit umgehen. Und das ist außerordentlich gut gelungen. Nachdem Batman Red Hoods Verhalten beobachtet hat, verspürt er eine Unruhe, die sich buchstäblich auf den Leser überträgt. Er fühlt, dass die Vergangenheit ihn einholt. Batman weiß schnell, dass Jason zurück ist. Aber er spricht es nicht aus, er will es nicht wahr haben. Bis zur ausdrücklichen Enthüllung der Identität werden nur wenige Andeutungen gemacht, die offensichtlichste ist wohl ein Kampf mit dem Joker, der durch eine schnelle Abfolge von Schlägen mit einer Brechstange gekennzeichnet ist. Batman wird in diesem Band relativ alt porträtiert. Es erfolgt durch Mimik und Gestik und Gedanken an die Vergangenheit, an Jason und an Dick. Es gibt Szenen, in denen sich Batman regelrecht in Nostalgie verliert. Batman will nicht gegen Jason kämpfen. Er will ihm helfen, aber stößt auf Granit. Der Konflikt zwischen Batman und Jason handelt nicht davon, dass Batman ihn nicht vor dem Joker gerettet hat, sondern dass Batman den Joker im Anschluss nicht getötet hat. Hier liegt die Wurzel des Übels. Under the Red Hood ist unterhaltsam und filmreif. Während des Lesens merkt man kaum, wie unzufriedenstellend der gesamte Komplex von Jasons Rückkehr eigentlich ist.

Hush

“We’ve done this dance for a long time.”

Jeph Loeb/Jim Lee, 2002-2003– Hush, der Mega-Blockbuster der Batman-Serie. Blockbuster warten mit großen Schauwerten auf, neigen aber dazu, in manchen Details etwas nachlässig zu sein. Man kann Hush guten Grundes vorwerfen, keine gute Kriminalgeschichte zu sein. Doch wenn man Hush richtig liest, erkennt man den Plot um Identitäten und Verhaltensmuster. Die größte Waffe von Batman ist sein Verstand. Er ist in der Lage, seine Gegner einzuschätzen und sie vorherzusehen. Hush setzt an dieser Strategie an und führt sie ad absurdum. Hush manipuliert die Figuren im Batman-Universum so, dass sie nicht mehr in das bekannte Muster passen. Und dies nutzt Loeb auch, um die Beziehung zwischen Batman und Catwoman weiter zu beleuchten. Tatsächlich wurde die Beziehung selten so intensiv dargestellt wie hier. In Hush ist alles larger than life. Superschurken, Metropolis, Superman, Catwoman, die gesamte Batman-Familie, Anspielungen auf die Rückkehr von Jason Todd, die Etablierung einer neuen Figur und eines neuen Gegenspielers: Thomas Elliot. Sogar Präsident Lex Luthor hat seinen Auftritt und vielleicht ist alles etwas zu viel des Guten, aber so ist es eben in Blockbustern. Es sind die Loeb-Momente, die Hush trotz (oder neben, wie man es sieht) den Schauwerten zum gelungenen Buch machen. In all den großen Szenen finden sich stets interessante Momente der Figurenzeichnung. Lees Illustrationen stehen den Ansprüchen an das Großwerk in nichts nach. Um es ganz einfach auszudrücken: awe-some! Die Panels besitzen Dynamik und Kraft und sind teilweise voller Klischees, aber meine Güte, Klischees passen einfach gut.

Red Hood: The Lost Days

“I’ve unleashed a curse upon this world.”

Judd Winick/Pablo Raimondi, Cliff Richards, Jeremy Haun, 2010-2011– Die Geschichte von Jasons Wiedergeburt bis zu seiner Rückkehr nach Gotham City habe ich hier in die Chronologie hineingemogelt, da er an dieser Stelle nach Gotham zurückkehrt. Jasons Groll und Wut auf Batman ist auf jeder Seite zu spüren. Und auch wenn wir diese Emotionen nicht mit Jason teilen, so macht Winick sie uns zumindest verständlich. Zutiefst tragisch ist der Moment, in dem Jason von Tim als neuen Robin erfährt. Daneben erhalten Ra’s Al Ghul und Talia viel Raum. Durch das Auftauchen von Jason wird deren Beziehung zu Batman nochmals beleuchtet. Es geht um einen Dreieckskonflikt, um Rache, Respekt und einiges mehr. Leider erfährt man in The Lost Days nicht, warum Jason die Figur Red Hood wählt. Die Verknüpfung zum Joker ist offensichtlich, die Motivation von Jason bleibt jedoch gänzlich verborgen. Völlig misslungen ist auch die Darstellung der Beziehung zwischen Jason und Talia. Die im Verlauf des Buchs die Oberhand übernehmende sexuelle Spannung macht überhaupt keinen Sinn. The Lost Days hält dem Leser letztendlich wesentliche Motivationen der Figur vor und ist trotz der gelungenen emotionalen Momente so unzufriedenstellend wie der Tod und die Wiedergeburt von Jason selbst.