Batman and Robin: Requiem for Damian

“                                                      ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Cliff Richards, 2013– Ein Meisterwerk. Alles, was den vorigen Ausgaben mangelte, aber als Potential sichtbar war, findet hier seinen Platz. Die einleitende stumme Erzählung macht die Trauer um Damian spürbar. Das Motiv jedes einzelnen Panels und Gleasons Zeichnungen tragen sich selbst und drücken mehr aus, als es Worte jemals könnten. Batman & Robin enden hier. An deren Stelle treten Batman & …, in deren Erzählungen Batman fünf Phasen der Trauer erlebt. Er ist nicht mehr er selbst und braucht Hilfe. Doch die Beziehungen in seiner Familie sind zerstört. Batman erwartet Hilfe, doch er erwartet zu viel. Die vollen Auswirkungen vom Tod der Familie kommen hier zum Tragen. Die Familie wird begraben und der Totengräber ist Batman selbst. Das Motiv jeder Phase macht Tomasi für den Leser erfahrbar. Zusammen mit Batman durchlebt man Wut und Verzweiflung und freut sich am Ende umso mehr, als Licht zu scheinen beginnt. Ungebremst von anderen Titeln zeigt Tomasi nunmehr sein ganzes Wissen und Können als Autor im Batman-Universum. Und spätestens jetzt gilt Gleason für mich als derzeit bester Zeichner der Serie. Der Detailreichtum, die Präzision, Beständigkeit und Energie wird momentan von keinem anderen Zeichner erreicht. Die Sammelausgabe enthält das vollständige Skript zur stummen Erzählung, das in beeindruckender Weise das Zusammenspiel von Tomasi und Gleason beweist.

Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Batman and Robin: Pearl

“I’m nothing like you, Damian!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2012– Tomasi beginnt mit einer effizient erzählen Rückblende zu Damians Erziehung, die zahlreiche Parallelen zu Alexander und Olympia aufweist. Damian wurde geboren, um zu beherrschen. Die Rückblende erklärt sehr gut, warum Damian ist wie er ist und mündet in Batman and Son. Danach wird es etwas zerfahren, ein klarer Fokus auf eine einzige Geschichte ist nicht vorhanden. Über die Hälfte aller Kapitel sind Bestandteile von Crossovern. Man merkt Tomasi die Mühe an, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch einzelne Elemente können sich wirkich sehen lassen. Allen voran sind es die Streitigkeiten unter den Robins, die sehr charaktertreu geschrieben sind und Dick um ein weiteres Mal die Rolle des älteren Bruders einnehmen lässt. Damians drastische Handlungen führen dazu, dass Bruce erstmals hinterfragt, ob Damian als Robin geeignet ist. Dies ist eine interessante Frage, die leider nur unzureichend behandelt wird. Viele Vater-Sohn-Momente werden angedeutet, ohne sie danach hinreichend auszuführen. Das hat der erste Teil noch besser gemacht.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.

Whatever Happened to the Caped Crusader?

“The end of the story of Batman is, he’s dead.”

Neil Gaiman/Andy Kubert, Scott Williams, 2009– Whatever Happened to the Caped Crusader? ist die letzte Batman-Geschichte. Sie handelt von der Totenwache für Batman. Der Tod ist das einzig mögliche Ende. Das Ende ist einfach und logisch. Es zementiert Batmans Status als Mythos, als Märtyrer, als Ikone. Batman muss sterben. Es geht nicht anders. Whatever Happened to the Caped Crusader? ist keine Elseworld-Geschichte, spielt aber dennoch außerhalb des Gothams wie wir es kennen. Und so erzählt jeder Besucher seine Geschichte, wie Batman gestorben ist. Verbindungen zum wirklichen Tod von Batman, also zu R.I.P. und Final Crisis existieren nicht. Aber alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeigen uns, wie Batman hätte sterben können. Die Zusammenkunft der Figuren ist für mich das Highlight des Bandes. Die Panels zeigen einen Raum voller Helden und Schurken und mir gefällt die Idee, dass sowohl Freunde wie auch Feinde die Totenwache besuchen und Batman ihre letzte Ehre erweisen. Der zweite Teil von Whatever Happened to the Caped Crusader? beschäftigt sich mit der Nahtoderfahrung von Batman. Batman stirbt, um wiedergeboren zu werden, um wieder zu sterben. Insoweit ist Whatever Happened to the Caped Crusader? vielleicht doch nicht allzu weit von Final Crisis entfernt, zumindest was das Thema Tod und Wiedergeburt betrifft.

Batman R.I.P.

“What we are about to do will be a work of art.”

Grant Morrison/Tony S. Daniel, 2008– Das Sterben von Batman. Alle Zahnräder greifen zusammen. Die Familie, deren Ruf zerstört wird. Robin, der Batman wegen Damian verlässt. Jezebel Jet, die in Bruce Zweifel schürt. Und Black Glove, die ihre stärkste Karte ausspielt. Batmans Verstand wurde manipuliert, und nun ist es an der Zeit, ihn auszuschalten. Und dann das: Batmans Verstand lässt sich ausschalten, doch nur um seinen Sicherheitsverstand zu aktivieren – Batman of Zur-En-Arrh. Ein Verstand hinter einem Verstand! Was Morrison hier auffährt, ist mehr als ein Trick. Es ist seine Interpretation von Batman. Morrisons Batman ist für jede Situation vorbereitet. Als Leser muss man dabei erkennen, dass man nicht alles über Batman weiß, sondern nur so viel, wie Black Glove über Batman weiß. Morrison hat ein herausforderndes Buch mit vielsagenden und gleichsam präzisen Texten und scharfen Charakterisierungen geschrieben, in dem jedes Panel eine Bedeutung besitzt, auch wenn sich diese Bedeutung erst viel später offenbart. Doch eines ist ihm nicht gelungen: Er konnte nicht erklären, warum The Black Glove so mächtig ist, was ein wenig an die Problematik mit Banes Motivation erinnert. Daniels Zeichnungen sind kraftvoll und zeigen Batman mit starkem Körpereinsatz und irren Blick, dazu große Sprechblasen, große Buchstaben. Dieser von Daniel gezeichnete Batman ist ein Teil des Bildes, das von Morrisons Batman bleiben wird. Großartig!

The Resurrection of Ra’s Al Ghul

“You are jeopardizing your family.”

Grant Morrison, Peter Milligan, Fabian Nicieza, Paul Dini/Tony S. Daniel, Freddie E. Williams II, Don Kramer, Ryan Benjamin, 2007-2008– Familiengeschichten. Die Batman-Familie, die Al Ghul-Familie, und zwischen diesen beiden Familien gibt es ja auch Verbindungen. Doch die Namen der Autoren, zumindest Grant Morrison und Paul Dini, versprechen mehr als die Geschichten halten. Dem gesamten Band mangelt es an erzählerischer Tiefe und einer wie auch immer gearteten Charakterzeichnung. Morrison gelingt es, dem alten Charakter von Ra’s Al Ghul frische Aspekte und eine wirklich irre Motivation zu geben. Doch als Ra’s von den Toten zurückkehrt, scheint dies niemanden in diesem Band zu überraschen. Batman geht dem Ereignis nach und wie es die Umstände wollen, kämpfen Ra’s und Batman zusammen gegen ihre Feinde. Dieser Zusammenschluss der respektablen Gegner hätte vorzüglich dazu dienen können, deren Beziehung weiter zu beleuchten. Aber stattdessen, nun ja, kämpfen Ra’s und Batman zusammen gegen ihre Feinde. Später wird Robin in Versuchung geführt, seine Eltern in der Lazarus Grube wiederzubeleben. Macht durch die Funktionsweise der Lazarus Grube allerdings keinen Sinn. Und kein Leser glaubt, dass Robin dies tatsächlich tun wird. The Resurrection of Ra’s Al Ghul wird man nicht verärgert in die Ecke pfeffern, aber erstklassig ist dieses Buch gewiss nicht.

Batman and Son

“I won’t fail you, father.”

Grant Morrison/Andy Kubert, 2006– Batman and Son ist der Auftakt der Reihe, die zunächst in R.I.P. münden wird und das Ende des Modern Age einleitet, doch noch weit darüber hinaus geht. Batman and Son ist auch der Beginn der Ära Morrison, die das Batman-Universum für immer prägen wird. Grant Morrison wird in den weiteren Jahren nicht mehrere Geschichten schreiben. Er wird eine epische, viele Bücher umfassende Geschichte schreiben. Und diese Geschichte liebt man oder hasst man – ich tue Ersteres. Es sind stets Erzählungen auf mehreren Ebenen, die Stoff für philosophische Diskurse bieten. Er versteht es, mehrgleisig zu fahren und bringt genug Informationen mit, um den Weg zu R.I.P. einzuläuten. Doch in der Retrospektive wird man feststellen, dass Morrison nicht nur R.I.P. einläutet. Er erstellt das Gebäude für die kommenden sieben Jahre. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Geschichte von Batman und seinem Sohn Damian mit der Aufmerksamkeit zu erzählen, die sie verdient. Die Geschichten sind frei von Pathos und nehmen die behandelten Themen ernst. Charakterisierungen kommen nicht zu kurz und trotz der oberflächlichen Kälte und Reserviertheit ist stets der Eindruck präsent, dass Batman um die Familie bemüht ist und sich um sie kümmert. Oder es versucht, denn das plötzliche Auftauchen von Damian geht weder an Bruce noch an Tim spurlos vorbei. Das Zerbrechen der Familie und der Kontrollverlust sind Batmans größten Ängste, und Morrison spielt diese Themen meisterhaft aus. Auch Andy Kuberts Zeichnungen sollten nicht unerwähnt bleiben. Einer der besten Zeichner präsentiert hier sein ganzes Können.

Under the Red Hood

“Bruce, I forgive you for not saving me.”

Judd Winick, Jim Starlin/Doug Mahnke, Matt Wagner, Paul Lee, Julianne Aparo, 2005-2006– Jasons Rückkehr. Das weiß der Leser schon vorher, und deswegen tun Winick und Starlin gut daran, nicht die Enthüllung von Red Hoods Identität in den Fokus zu rücken, sondern wie die Figuren damit umgehen. Und das ist außerordentlich gut gelungen. Nachdem Batman Red Hoods Verhalten beobachtet hat, verspürt er eine Unruhe, die sich buchstäblich auf den Leser überträgt. Er fühlt, dass die Vergangenheit ihn einholt. Batman weiß schnell, dass Jason zurück ist. Aber er spricht es nicht aus, er will es nicht wahr haben. Bis zur ausdrücklichen Enthüllung der Identität werden nur wenige Andeutungen gemacht, die offensichtlichste ist wohl ein Kampf mit dem Joker, der durch eine schnelle Abfolge von Schlägen mit einer Brechstange gekennzeichnet ist. Batman wird in diesem Band relativ alt porträtiert. Es erfolgt durch Mimik und Gestik und Gedanken an die Vergangenheit, an Jason und an Dick. Es gibt Szenen, in denen sich Batman regelrecht in Nostalgie verliert. Batman will nicht gegen Jason kämpfen. Er will ihm helfen, aber stößt auf Granit. Der Konflikt zwischen Batman und Jason handelt nicht davon, dass Batman ihn nicht vor dem Joker gerettet hat, sondern dass Batman den Joker im Anschluss nicht getötet hat. Hier liegt die Wurzel des Übels. Under the Red Hood ist unterhaltsam und filmreif. Während des Lesens merkt man kaum, wie unzufriedenstellend der gesamte Komplex von Jasons Rückkehr eigentlich ist.

Hush

“We’ve done this dance for a long time.”

Jeph Loeb/Jim Lee, 2002-2003– Hush, der Mega-Blockbuster der Batman-Serie. Blockbuster warten mit großen Schauwerten auf, neigen aber dazu, in manchen Details etwas nachlässig zu sein. Man kann Hush guten Grundes vorwerfen, keine gute Kriminalgeschichte zu sein. Doch wenn man Hush richtig liest, erkennt man den Plot um Identitäten und Verhaltensmuster. Die größte Waffe von Batman ist sein Verstand. Er ist in der Lage, seine Gegner einzuschätzen und sie vorherzusehen. Hush setzt an dieser Strategie an und führt sie ad absurdum. Hush manipuliert die Figuren im Batman-Universum so, dass sie nicht mehr in das bekannte Muster passen. Und dies nutzt Loeb auch, um die Beziehung zwischen Batman und Catwoman weiter zu beleuchten. Tatsächlich wurde die Beziehung selten so intensiv dargestellt wie hier. In Hush ist alles larger than life. Superschurken, Metropolis, Superman, Catwoman, die gesamte Batman-Familie, Anspielungen auf die Rückkehr von Jason Todd, die Etablierung einer neuen Figur und eines neuen Gegenspielers: Thomas Elliot. Sogar Präsident Lex Luthor hat seinen Auftritt und vielleicht ist alles etwas zu viel des Guten, aber so ist es eben in Blockbustern. Es sind die Loeb-Momente, die Hush trotz (oder neben, wie man es sieht) den Schauwerten zum gelungenen Buch machen. In all den großen Szenen finden sich stets interessante Momente der Figurenzeichnung. Lees Illustrationen stehen den Ansprüchen an das Großwerk in nichts nach. Um es ganz einfach auszudrücken: awe-some! Die Panels besitzen Dynamik und Kraft und sind teilweise voller Klischees, aber meine Güte, Klischees passen einfach gut.

Bruce Wayne: Fugitive

“Sometimes, to move forward, you have to go back to the beginning.”

Chuck Dixon, Ed Brubaker, Greg Rucka, Kelley Puckett, Devin Grayson, Dennis O’Neil, Geoff Johns/Dave Ross, Sean Phillips, Scott McDaniel, Steve Lieber, Damion Scott, Roger Robinson, Sergio Cariello, Rick Burchett, 2002– Da wünscht man sich erst eine Reduzierung, und dann das! Batman wird daran erinnert, woher er kommt. Diese Initiierung des Gedankens, Bruce Wayne zu benötigen, finde ich ganz schneidig. Doch Batmans Läuterung geschieht wie vom Blitz getroffen. Plötzlich fällt ihm ein, sich falsch verhalten zu haben. Sein voriges Verhalten wirft er über Bord. Falsch verhalten hat er sich wohlgemerkt nur sich gegenüber, kaum gegenüber anderen. Und so löst Batman auch diese Angelegenheit im Alleingang. Fugitive bricht dabei mit dem – zwar nicht gutem – Tempo, das Murderer? vorgegeben hat. Hieraus entsteht das Bild eines wankelmütigen Charakters, das Batman nicht gerecht wird. Auch die Auflösung wirkt sehr bemüht und ist darüber hinaus antiklimatisch. Der Band kommt hier in die Verlegenheit, gar mit zwei Annexen zu enden. Einzelne Erzählungen können sich trotz allem sehen lassen, doch das Tempo und die Struktur bringen letztlich alles ins Straucheln.

Bruce Wayne: Murderer?

“His life is a story of tragedies.”

Greg Rucka, Kelley Puckett, Chuck Dixon, Devin Grayson, Ed Brubaker/Rick Burchett, Scott McDaniel, Damion Scott, Trevor McCarthy, Roger Robinson, Rick Leonardi, Pete Woods, Steve Lieber, Phil Noto, Leonardo Manco, William Rosado, 2002– Die Autoren bestätigen ein viel diskutiertes Motiv: Batman entledigt sich seiner Maske Bruce Wayne. Sein Alleingang wird auf die Spitze getrieben. Nachdem Batman gegenüber der JLA noch halbwegs kommunikativ war, umgibt ihn nunmehr eine undurchdringliche Mauer, die niemanden an ihn heranlässt. Diese Mauer ist es auch, an der die Familie beinahe zerbricht. Die von Brubaker geschriebene Konfrontation zwischen Batman und Nightwing ist ein Highlight in der Geschichte der beiden Figuren. Rucka gelingt eine gute Charakterisierung von Sasha Bordeaux. Ihr Kampf zwischen Loyalität, Zuneigung und Zweifel wird dem Leser spürbar gemacht. Die Autoren präsentieren diesbezüglich ein gutes Familiendrama, in dem sich die Figuren mit unangenehmen Tatsachen auseinander setzen müssen. Und Batman wird endgültig zum Antagonisten, dem jegliche Sympathien abgesprochen werden. Das glücklicherweise nur durch fünf Autoren zusammengesetzte Crossover verknüpft seine Geschichten nahtlos und bietet einen glatten Lesefluss. Doch das Tempo ist stockend. Zahlreiche Erzählungen bringen das Hauptthema nicht voran. Eine reduzierte und ausschließlich auf das Hauptthema fokussierte Erzählung hätte dem gesamten Band gut getan und diesen um die Hälfte reduziert. So bleibt leider ein negativer Nachklang.

No Man’s Land Volume 4

“Ready to rebuild Gotham?”

Devin Grayson, Greg Rucka, Dennis O’Neil, John Ostander, Chuck Dixon, Jordan B. Gorfinkel/Dale Eaglesham, Damion Scott, Rick Burchett, Roger Robinson, Jim Balent, Paul C. Ryan, Scott McDaniel, Greg Land, Sergio Cariello, N. Steven Harris, Pablo Raimondi, 1999-2000– Der letzte Teil von No Man’s Land hat starke Momente, bietet aber einen unzufriedenstellenden Abschluss eines enttäuschenden Crossover-Events. In guter NML-Tradition beginnt der Band vielversprechend, was insbesondere auf den Beziehungen der Figuren beruht. Batman greift zu drastischen Maßnahmen, um das zerstörte Verhältnis zu Commissioner Gordon wieder herzustellen und bietet an, die Maske zu lüften. Das Dreiecksverhältnis Nightwing, Oracle, Huntress wird thematisiert und auch das Verhältnis Batman, Huntress bekommt seinen Raum (aus NML #0 und somit in Vol. 4 völlig fehl am Platz). Alle Geschichten bringen dem Leser die Figuren und ihre Beziehungen näher. Und genau diese Geschichten sind es, die mich interessieren. Batman tritt eher selten ins Rampenlicht, sondern lenkt das Geschehen aus dem Hintergrund. Der letzte Band verdeutlicht seine unangefochtene Position als Familienoberhaupt. Doch die erzählerische Stärke zieht sich nicht durch den kompletten Band und zerfällt am Ende. Der Abschluss von NML ist überstützt und endet mit dem Tod einer nicht unbedeutenden Person. Das Ende ist nicht nur schlecht erzählt, sondern auch gänzlich unpassend gezeichnet, so dass es seine innewohnende Wirkung nicht entfaltet. Die störenden unterschiedlichen Zeichenstile gehören mittlerweile zur Serie.

Cataclysm

“Things will never be the same again.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Chris Renaud, Rick Burchett, Klaus Janson, Kelley Puckett/Jim Aparo, Flint Henry, Mark Buckingham, Scott McDaniel, Klaus Janson, Roger Robinson, Graham Nolan, Jim Balent, Staz Johnson, Marcos Martin, Chris Renaud, Alex Maleev, Rick Burchett, Eduardo Barreto, Dave Taylor, 1998– Cataclysm hält sich mit keinem Vorspiel auf. Das Erdbeben der Stärke 7,6 schlägt sofort zu und trifft Gotham und seine Bewohner unvorbereitet. Die einzelnen Kapitel mit ihren wechselnden Protagonisten vermitteln die Zerstörung textlich und bildlich sehr gut. Für eine bessere Orientierung zwischen Kapiteln und Protagonisten verwenden die Autoren die Angabe von Uhrzeiten. Eine derartige Katastrophe holt das Beste aus allen heraus. Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen damit, dass Menschen gerettet werden. Batman hat kurze Momente des Zweifels, ruft sich aber in Erinnerung, dass auch ein einzelner Mensch Großes bewirken kann. Auch die anderen Figuren werden von Sorgen geplagt, wobei jede Figur in ihrem eigenen Sorgen-Schema steckt. Sowieso liest sich der Band erstaunlich flüssig und konsistent, was angesichts der Vielzahl an Autoren nun überhaupt nicht zu erwarten war. Als geringes Problem stellt sich allerdings heraus, dass die Superhelden keinen leibhaftigen Gegenspieler haben, wobei das Problem durch den von Dixon geschaffenen Quakemaster weiter gemildert wird. Die Spannungskurve sinkt nach dem Ausbrechen des Bebens dennoch kontinuierlich, der Klimax des gesamten Bandes ist schon auf den ersten Seiten zu finden.

KnightsEnd

“You’re a mistake, the biggest of my life, made in a moment of weakness.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Jo Duffy, Doug Moench, Dennis O’Neil/Graham Nolan, Bret Blevins, Mike Manley, Tom Grummett, Ron Wagner, Jim Balent, Barry Kitson, 1994– Da DC die The Search-Storyline weder in Knightquest noch in KnightsEnd eingefügt hat, überspringen wir einfach Bruce Waynes Heilung und sehen ihn munter auf zwei Beinen. Nun ja. Bedauernd, ja geradezu bestürzt blickt er auf seine Entscheidung, Jean Paul Valley die Rolle des Batman übertragen zu haben. Seine Reue ist auf jeder Seite spürbar. Er setzt alles daran, die Rolle als Batman wieder zu erlangen. Das Thema funktioniert und beweist, dass auch in Crossovern eine einheitliche Geschichte möglich ist. Die Autoren tun gut daran, hier zu den Grundfertigkeiten von Bruce zurückzukehren. Durch Fleiß, Raffinesse und Weitblick kommt er seinem Ziel näher. Das Finale besitzt hohe Symbolkraft und zeigt sorgfältig herausgearbeitete Unterschiede zwischen den Figuren. Auf der einen Seite steht eine technisierte Kampfmaschine, auf der anderen Seite eine fast schon altmodische Figur, die mit Können aufwartet. Letztendlich schlägt Bruce Jean Paul nicht durch Kraft, sondern durch Taktik und zudem völlig gewaltfrei. Nicht minder interessant ist die Schilderung des Verhältnisses zu Dick, der durch die Bevorzugung Jean Paul Valleys gekränkt ist und sich hier wie ein beleidigtes Kind verhält. Auch wenn nicht jedes Kapitel vollends überzeugen kann und, anders als zuvor, die Stile der Zeichner immer uneinheitlicher werden, so ist KnightsEnd doch ein sehr befriedigender Abschluss der KnightSaga.

A Lonely Place of Dying

“I do not intend to spend the rest of my life playing nurse.”

Marv Wolfman, George Perez/Jim Aparo, 1989– A Lonely Place of Dying ist wohl das Buch mit der eindeutigsten Aufgabe und Aussage im ganzen DC-Universum: Batman braucht Robin. Nach dem Tod von Jason Todd werden Batmans Handlungen zunehmend gewalttätiger und unbedachter, sein Charakter zunehmend unausgeglichener. Batman braucht einen Robin, um zurück auf den Boden zu kommen. Das Buch ist zielstrebig aufgebaut: Dick Grayson will nicht, und DC konnte nach dem Jason Todd-Fiasko die Figur nicht sofort wiederbeleben. Also wird es ein neuer Robin, und DC tut gut daran, diesem einen eigenen Charakter zu geben. Tim Drake wird immer der normalste aller Robins bleiben. Er ist kein Waisenkind, hat keine Allüren und ist auch nicht exzentrisch. Tim Drake ist ein pfiffiger und netter Junge. Pfiffig und nett haben Wolfman und Perez auch Tims Weg zum Robin geschrieben. Sein Charakter wirkt natürlich, seine Handlungen sind nachvollziehbar. Ein Clou in der Geschichte ist jedoch, dass Tim es gar nicht darauf anlegt, der neue Robin zu werden. Er wird die Rolle übernehmen, weil es jemand tun muss. So unaufregend das alles klingen mag, A Lonely Place of Dying ist ein schönes Buch und angenehm zu lesen. Die Normalität von Tim tut nicht nur Batman, sondern auch dem Leser gut.