Final Crisis

“DIE FOR DARKSEID!”

Grant Morrison/J. G. Jones, Marco Rudy, Carlos Pacheco, Doug Mahnke, 2008-2009– Crisis on Infinite Earths eliminierte das Konzept der Multiversen, Infinite Crisis brachte es zurück. Und Final Crisis stellt nun klar: Lasst es gefälligst so, wie es ist. Final Crisis ist Morrisons Metakommentar zur gesamten Comicindustrie. An den Multiversen sollte man nicht herumpfuschen. Sie besitzen ein Eigenleben, und zwar nirgendwo sonst als im kollektiven Bewusstsein der Leser. Final Crisis ist auch ein Buch, dass selbst den treuesten Morrison-Jüngern schlaflose Nächte bereiten kann. Es ist das umfangreichste DC-Ereignis, es ist gnadenlos zu allen, die sich nicht perfekt in der Geschichte auskennen, aber vor allem ist es komplexer als es hätte sein müssen. Morrison spannt seine hyperkomprimierte Erzählung von den Guardians of the Universe über OMAC bis zu den Neuen Göttern von Jack Kirbys Fourth World. Und irgendwo mittendrin, genauer gesagt in #6, sterben Batman und Darkseid. Batmans Tod in Final Crisis ist problematisch, weil er keine Verknüpfungen zu R.I.P. besitzt. Morrisons wirklich herausragende Vorbereitung seit Batman and Son und die Handlungsstränge um The Black Glove verlieren im Hinblick auf Batmans Tod durch Darkseid ihre Bedeutung. Der Tod selbst hatte kaum einen Effekt auf mich, die Gelegenheit für Pathos wurde nicht genutzt. Auch der Tod von Darkseid ist pures Deus ex machina. Ein weiteres Problem von Final Crisis ist sein holperiges Erzähltempo. Morrison ist kaum darin zu stoppen, fantastische Ideen in die Erzählung einzubringen. So faszinierend viele von ihnen sind, so negativ wirken sie sich jedoch auf den Leserhythmus aus. Ebenso holperig ist der Wechsel der Zeichner. J.G. Jones wird zum Ende durch Doug Mahnke ersetzt, dessen Stil dem dynamischen Finale besser steht. Beide Zeichner leisten hervorragende Arbeit, aber der Bruch ist sichtbar. Am Ende bleibt viel von Final Crisis haften – nicht alles positiv.

Superman/Batman: Public Enemies

“Do us both a favor, Bruce. Buy a sense of humor.”

Jeph Loeb/Ed McGuinness, 2003-2004– Die Geschichte wird zum großen Teil als Parallelerzählung vorgetragen, die sich bei dem Aufeinandertreffen der zwei wohl unterschiedlichsten Helden im DC Universum als effektive, wenn nicht perfekte Wahl entpuppt. Auf jeder Seite wird deutlich, dass Superman und Batman nicht unterschiedlicher sein könnten. Superman ist das Licht, Batman der Schatten. Die Erzählung wechselt von Optimismus zu Pessimismus, die Zeichnungen von hell zu dunkel. Die zahlreichen inneren Monologe sagen viel über die eigene Figur und das Verhältnis zu seinem Gegenstück aus. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven formen sich diese Monologe zu einer Art Dialog. Trotz der fundamentalen Differenzen, der vielen Reibungspunkte und oftmals scheinbar ablehnenden Haltung gegeneinander zeigt die Geschichte aber auch, dass sich beide Figuren mit hohem Respekt begegnen. Das macht den Reiz dieser Paarung aus und wird in Public Enemies wirklich hervorragend erzählt. Im Buch ist fast das gesamte DC Universum unterwegs, sämtliche Superhelden, die unterschiedliche Positionen einnehmen. Dennoch überfordert es nicht Gelegenheitsleser. Lediglich das Auftreten der Neuen Götter könnte verwirrend sein. McGuinness‘ Zeichnungen sind erstklassig und alle Figuren stilecht. Das ist hoch anzuerkennen.

Superman: Dark Knight Over Metropolis

“There has always been something about Batman that troubles me.”

John Byrne, Dan Jurgens, Roger Stern, Jerry Ordway/Art Adams, Dan Jurgens, Bob McLeod, Jerry Ordway, 1987, 1990– Das Buch ist eine merkwürdige Sammlung merkwürdiger Geschichten und nur deswegen von Interesse, weil Batman am Ende in den Besitz des Rings aus Kryptonit gelangt. Doch bevor dies geschieht, kämpfen der Mann aus Stahl und der Dunkle Ritter gegen Vampire (!). Es scheint, als habe es Frank Millers Herangehensweise an die Figur niemals gegeben. Es folgen reine Superman-Geschichten, in denen Clark ständig Lois anbaggert und die so zuckersüß sind, dass man als Batman-Leser völlig verstört weiter blättert. Hat Batman jemals Blumen gekauft? Das eigentliche Dark Knight Over Metropolis ist am Ende des Buches zu finden und bietet eine eher spannungslose Erzählung, die jedoch bei den Charakterisierungen überzeugen kann. Superman und Batman behandeln sich argwöhnisch. Zu diesem Zeitpunkt wissen beide noch nicht genau, wie sie ihren Gegenüber einschätzen sollen. Die aufkommende Gewöhnung an einander ist interessant zu beobachten. Die Inbesitznahme des Kryptonitrings ist ein wichtiger Punkt in der Beziehung der beiden Superhelden und lässt Dark Knight Over Metropolis letztendlich doch eine Relevanz zukommen. Die klassischen Zeichnungen sind nicht zu bemängeln und legen sehr viel Wert auf Körperhaltung und Mimik.