Batman and Robin: The Hunt for Robin

“Give me back my son!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert, 2014– Die Sammlung enthält viele Elemente, die man in Snyders Hauptserie erwarten würde, und schwingt sich letztendlich und völlig zurecht auf einen ebenbürtigen Level auf. In einigen Momenten neige ich sogar zur Ansicht, dass uns Tomasi Batmans Charakter besser vermitteln kann als Synder. Zusammen mit den grandiosen Zeichnungen von Andy Kubert holt er zum großen Rundumschlag aus, von Son of the Demon über Morrisons Werke Batman Reborn, Incorporated und Final Crisis bis zu Death of the Family. Batmans innere Monologe geben viele Gefühle preis und sind so gespickt mit Eigenreflexionen wie selten zuvor. Dieser Band beschäftigt sich überwiegend mit Batman & Justice League (post-Forever Evil), wobei Tomasi auch deren Wesen glaubwürdig und getreu einfängt. So kurz vor dem Ende seiner Serie darf er dann auch mit großem Spektakel auffahren, das immer wieder von kleinen, bedeutsamen Momenten begleitet wird. In seltenen, aber den richtigen Augenblicken nennen sich die Figuren beispielsweise beim Vornamen, was gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Intimität ausdrückt. Wir erfahren ferner, dass die langjährigen Mitglieder der Justice League eine schützende Hand über Batman halten, ist er doch der einzige ohne Superkräfte. Dann die eigentliche Sensation: Batman bringt die Familie zusammen! Das war kaum noch zu erwarten, und hat mich in der konkreten Art und Weise auch nicht völlig überzeugt, aber schließlich gelingt Tomasi auch dieser Komplex. Auf zum großen Finale!

Final Crisis

“DIE FOR DARKSEID!”

Grant Morrison/J. G. Jones, Marco Rudy, Carlos Pacheco, Doug Mahnke, 2008-2009– Crisis on Infinite Earths eliminierte das Konzept der Multiversen, Infinite Crisis brachte es zurück. Und Final Crisis stellt nun klar: Lasst es gefälligst so, wie es ist. Final Crisis ist Morrisons Metakommentar zur gesamten Comicindustrie. An den Multiversen sollte man nicht herumpfuschen. Sie besitzen ein Eigenleben, und zwar nirgendwo sonst als im kollektiven Bewusstsein der Leser. Final Crisis ist auch ein Buch, dass selbst den treuesten Morrison-Jüngern schlaflose Nächte bereiten kann. Es ist das umfangreichste DC-Ereignis, es ist gnadenlos zu allen, die sich nicht perfekt in der Geschichte auskennen, aber vor allem ist es komplexer als es hätte sein müssen. Morrison spannt seine hyperkomprimierte Erzählung von den Guardians of the Universe über OMAC bis zu den Neuen Göttern von Jack Kirbys Fourth World. Und irgendwo mittendrin, genauer gesagt in #6, sterben Batman und Darkseid. Batmans Tod in Final Crisis ist problematisch, weil er keine Verknüpfungen zu R.I.P. besitzt. Morrisons wirklich herausragende Vorbereitung seit Batman and Son und die Handlungsstränge um The Black Glove verlieren im Hinblick auf Batmans Tod durch Darkseid ihre Bedeutung. Der Tod selbst hatte kaum einen Effekt auf mich, die Gelegenheit für Pathos wurde nicht genutzt. Auch der Tod von Darkseid ist pures Deus ex machina. Ein weiteres Problem von Final Crisis ist sein holperiges Erzähltempo. Morrison ist kaum darin zu stoppen, fantastische Ideen in die Erzählung einzubringen. So faszinierend viele von ihnen sind, so negativ wirken sie sich jedoch auf den Leserhythmus aus. Ebenso holperig ist der Wechsel der Zeichner. J.G. Jones wird zum Ende durch Doug Mahnke ersetzt, dessen Stil dem dynamischen Finale besser steht. Beide Zeichner leisten hervorragende Arbeit, aber der Bruch ist sichtbar. Am Ende bleibt viel von Final Crisis haften – nicht alles positiv.

Superman/Batman: Public Enemies

“Do us both a favor, Bruce. Buy a sense of humor.”

Jeph Loeb/Ed McGuinness, 2003-2004– Die Geschichte wird zum großen Teil als Parallelerzählung vorgetragen, die sich bei dem Aufeinandertreffen der zwei wohl unterschiedlichsten Helden im DC Universum als effektive, wenn nicht perfekte Wahl entpuppt. Auf jeder Seite wird deutlich, dass Superman und Batman nicht unterschiedlicher sein könnten. Superman ist das Licht, Batman der Schatten. Die Erzählung wechselt von Optimismus zu Pessimismus, die Zeichnungen von hell zu dunkel. Die zahlreichen inneren Monologe sagen viel über die eigene Figur und das Verhältnis zu seinem Gegenstück aus. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven formen sich diese Monologe zu einer Art Dialog. Trotz der fundamentalen Differenzen, der vielen Reibungspunkte und oftmals scheinbar ablehnenden Haltung gegeneinander zeigt die Geschichte aber auch, dass sich beide Figuren mit hohem Respekt begegnen. Das macht den Reiz dieser Paarung aus und wird in Public Enemies wirklich hervorragend erzählt. Im Buch ist fast das gesamte DC Universum unterwegs, sämtliche Superhelden, die unterschiedliche Positionen einnehmen. Dennoch überfordert es nicht Gelegenheitsleser. Lediglich das Auftreten der Neuen Götter könnte verwirrend sein. McGuinness‘ Zeichnungen sind erstklassig und alle Figuren stilecht. Das ist hoch anzuerkennen.

JLA: World War III

“This is why we formed the Justice League.”

Grant Morrison/Howard Porter, 1999-2000– Der Abschluss von Morrisons JLA-Reihe funktioniert als Meta-Erzählung besser als eine Ebene darunter. Auf der niederen Ebene wird die Erzählung ihrem Titel nicht gerecht. Die gesamte Erde ist im Krieg, Staat gegen Staat, Mensch gegen Mensch. Doch die Auswirkungen werden lediglich am Rand gestreift. Morrison interessiert eine andere Idee: für ihn sind Superhelden der nächste Schritt in der Evolution des Menschen. Die Neuen Götter sind die Vaterfiguren der Superhelden und die Superhelden die Inspiration für die Menschen. Durch ihre Inspiration werden die Menschen wachsen und aufsteigen, bald werden alle sein wie Superman. Die Superhelden geben den Menschen am Ende der Geschichte einen Einblick in das, was kommen wird. Morrison zeichnet hier ein zutiefst optimistisches Szenario, in dem große Macht zum Guten eingesetzt wird und den Inhaber nicht korrumpiert. Dementsprechend funktioniert auch Antagonist Mageddon mehr als Thema denn als Bösewicht. Mageddon bekämpft aufsteigende Welten oder einfacher: den Fortschritt, die Evolution. Am Ende wird er verlieren. Und 10 Jahre vor seinem Großkommentar streift Morrison das Medium selbst: Laut Batman wird die JLA siegen, solange die Menschheit an sie glaubt. Das heißt nichts anderes, als dass es die JLA geben wird, solange wir die Comics kaufen. Durch die Themen und die große Besetzung ist World War III fortgeschrittenen Lesern zu empfehlen. Die Zeichnungen kranken an demselben Symptomen wie die gesamte Serie. Sie sind größtenteils erzählungs- und atmosphärelos, was die Figuren angeht aber in Ordnung.