Batman Eternal Vol. 3

“Is Batman eternal?”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Fernando Blanco, ACO, Javi Fernandez, Alessandro Vitti, Christian Duce, Ronan Cliquet, Juan Ferreyra, Álvaro Martínez, Eduardo Pansica, Robson Rocha, David Lafuente, Tim Seeley, Ray Fawkes, Andrea Mutti, Felix Ruiz, David Furno, Joe Quinones, Jed Dougherty, 2015– Kontinuität. In einem gemeinsamen Universum ist Kontinuität ein wichtiger Faktor. Sie hält ein gemeinsames Universum zusammen. In Eternal ist nicht viel davon vorhanden. Auf die Handlungsstränge aus Tomasis Batman & … und Ereignisse wie Arkham War wird entweder fehlerhaft oder gar nicht eingegangen. Völlig rätselhaft bleibt, warum Robin in Eternal keinen Auftritt hat, ja noch nicht einmal Erwähnung findet. Verbunden mit ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern wird jegliche Resterzählung ruiniert. Snyder, Fawkes, Layman, Seeley und Higgins haben Beiträge geleistet, sind aber längst gegangen, und Tynion gelingt hier gewiss kein runder Abschluss. Mittlerweile hat der Leser auch erkannt, dass mit Eternal der erste Akt aus Knightfall wiedergekäut wird: der Strippenzieher fordert Batman solange, bis dieser erschöpft und leichte Beute wird. Harper Rows Werdegang wird schwach erzählt, was allerdings – und nun gibt es auch Positives – nicht auf Catwoman zutrifft. Die Figur macht eine interessante und wohl formulierte Entwicklung durch. Applaus gibt es auch für die Charakterisierung Killer Crocs. Das genügt jedoch nicht, um das Finale dieses Erzählungsbogens in ein gutes Licht zu stellen. Eternal war eine Reise durch das Batman-Universum mit seinen Figuren und Schauplätzen. Aber sie war schlecht geplant, noch schlechter ausgeführt, und schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr unterhaltsam.

Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Detective Comics: The Wrath

“As it turned out, I underestimated a lot of things.”

John Layman, James Tynion IV, Joshua Williamson/Jason Fabok, Andy Clarke, Mikel Janín, Henrik Jonsson, Jason Masters, Scot Eaton, Szymon Kudranski, Derlis Santacruz, 2013– In seinem zweiten Band legt Layman noch eine Schippe drauf. Batmans Zustand hat Layman gut erfasst. Nach Damians Tod wecken seine Handlungen Erinnerungen an diejenigen nach Jasons Tod. Batman ist freudloser, verbitterter, wütender, gewalttätiger. Daneben spannt Layman einen großen erzählerischen Bogen und präsentiert eine Vielzahl an Geschichten, von denen einige den Geist von Gotham Central tragen. Ein stringentes Tempo und ein guter Lesefluss zieht sich durch alle Geschichten. Layman darf sogar ein Origin schreiben. Er führt Kirk Langstrom alias Man-Bat in The New 52 ein, was im Hinblick auf die Chronologie zunächst allerdings Verwirrung stiftet. Gelungen ist ihm die Einführung der Figur allemal. Sie ist unprätentiös und passt zum tragischen Langstrom, wie man ihn aus dem Modern Age kennt. In dem großen Strauß der Geschichten bleibt der Namensgeber der Sammelausgabe leider schwach, was an der geradezu penetranten Vorhersehbarkeit der Geschichte liegt. Die Vielzahl der Geschichten deckt nun auch immer mehr Kontinuitätsfehler in The New 52 auf, die man den Autoren, Lektoren und Redakteuren zuschieben muss. Faboks Zeichnungen sind abermals überzeugend. Sein rauer Stil trifft den Ton der Erzählungen. Im Wechsel mit Clarkes Zeichnungen kann sich der Sammelband voll und ganz sehen lassen.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Detective Comics: Scare Tactics

“Rid yourself of your own love, compassion and joy. Give it to the world.”

Tony S. Daniel, Gregg Hurwitz, James Tynion IV/Tony S. Daniels, Ed Benes, Julio Ferreira, Eduardo Pansica, Romano Molenaar, Pere Perez, Henrik Jonsson, Szymon Kudranski, 2012– Solange kein Umbruch stattfindet, ist Scare Tactics die letzte Ausgabe, die ich mir aus der Detective Comics-Reihe zu Gemüte führe. Es ist eine Sammlung von Geschichten, die entweder auf einer dünnen Idee basieren, lahm umgesetzt sind oder beides. Daniel führt Black Mask und Two-Face in The New 52 ein, doch am Ende bleiben wichtige Fragen unbeantwortet; weitere Geschichten verlaufen überwiegend effektlos. Durchgängig ist Batman mies drauf, zornig und ungehalten. Das führt sogar soweit, dass er Catwoman völlig unverhältnismäßig anbrüllt. Ob er einfach nur einen schlechten Tag hat oder wegen der Talons unter Stress steht, wird man hier nicht erfahren. Die Autoren sollten es besser wissen und dem Leser so etwas nicht als gegeben vorlegen. Allerdings gibt es durchaus auch Lichtblicke, Tynion IV zum Beispiel. Seine Arbeit mit Snyder ist hervorragend und auch in den von ihm geschriebenen Geschichten in Scare Tactics schimmert sein Talent durch. Die Geschichten verfügen allesamt über ansprechende Zeichnungen und Kolorierungen, das Fazit ändern sie aber nicht. Meh.

The City of Owls

“Get the hell out of my house.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Becky Cloonan, Andy Clarke, 2012– Das Finale der Owls-Storyline ist eine hochwertig geschriebene und gezeichnete Erzählung, die klassische Elemente der Serie vereint. Daneben ergreift Snyder die Chance, noch deutlicher die Unterschiede zu Morrisons Prä-Flashpoint-Batman herauszustellen. Im Gegensatz zum nahezu unzerstörbaren Berserker der Morrison Ära, ist Snyders Batman augenscheinlich feiner gestrickt, gerät in unvorhergesehene Gefahren und übt Kritik an sich selbst. Das heißt allerdings nicht, dass die Figur schwach ist. Mit dem Angriff auf Wayne Manor überschreiten die Talons eine Linie, die Batman zum massiven Gegenschlag schreiten lässt. Der zweite Akt von The City of Owls wird von Dialogen beherrscht, die beim Leser Ahnungen und Befürchtungen aufbauen, die sich letztendlich bestätigen. Und zwar im selben Moment, in dem auch bei Batman der Groschen fällt. Das ist spannend und großartig. Trotz des Crossovers ist der Band weitestgehend selbstständig und sehr auf Batman fokussiert. Sein Gegner ist allerdings außerordentlich mächtig und ich weiß nicht, ob mir das so gut gefällt. Der Fokus leidet ein wenig darunter. Auch die Auflösung der Geschichte empfand ich nicht zufriedenstellend, was das eingangs erwähnte Fazit jedoch nicht beeinträchtigt. Capullos Zeichnungen sind nach wie vor großartig und begeistern durch ihren Detailreichtum.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

Zero Year – Dark City

“A little pain, a little death.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, 2014– Da Snyder nun schon eine neue Ausgangssituation gesetzt hat, fühlt sich der zweite Teil etwas runder an als Secret City, kämpft letztendlich aber mit denselben Problemen. Snyder erzählt weiterhin eine spannende Geschichte. Diese wirft zwar viele Fragen auf, doch das tut dem unterhaltsamen Duell zwischen Batman und dem Riddler kaum einen Abbruch. Nein, die Probleme stammen abermals aus der Eigenschaft Zero Year. In Snyders Version ermittelte James Gordon bereits im Mordfall Wayne, und auch noch im volljährigen Alter ist Bruce vom Tod seiner Eltern geradezu traumatisiert. Das sind keine schlechten Ideen, doch wirken sie so, als wolle sich Snyder bewusst von Batmans Ursprung und Entwicklung im Modern Age absetzen. Im Buch fühlt es sich stets an, als seien diese Elemente zu sehr gewollt. Als unangenehm empfunden habe ich auch die Umstände, dass Batman in dieser Zeit bereits zahlreiche Gadgets besitzt. Vom Batmobil über das Batboot zum Batzeppelin ist alles dabei. Das ist unglaubwürdig und verspielt die Chance, den Erwerb dieser Hilfsmittel in späteren Geschichten zu erzählen. Über jeden Zweifel erhaben: Capullos Zeichnungen und Plascencias Kolorierungen (famos).

Zero Year – Secret City

“I shall become a bat.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, 2013– Zero Year spielt 6 Jahre vor The Court of Owls. Und da nach Flashpoint alles bei Null beginnt, macht es für mich am meisten Sinn, Zero Year in der Chronologie hier einzuordnen. Snyder stellt sich wissentlich einem unfairen Vergleich, den er nur verlieren kann. Und so kämpft meine Rezeption mit der Anerkennung Snyders, eine überwiegend gute Geschichte erzählt zu haben und der Bürde, dass ein neuer Ursprung niemals Year One das Wasser reichen kann. Die Unkenntnis von Year One wäre hier von Vorteil. Snyder wählt für Batmans Ursprung eine neue Geschichte, die mich hinsichtlich der Wandlung von Bruce Wayne zum Dunklen Ritter nicht ganz überzeugt hat. In der bunt, laut und actionreich erzählten sowie gezeichneten Geschichte deutet sich Bruce Waynes anfängliche Orientierungslosigkeit lediglich an. Die spätere Wandlung erscheint nicht wie die logische Konsequenz aus seinem Charakter und seinen Handlungen. Andererseits funktioniert die Geschichte in den weniger entscheidenden Momenten sehr gut. Und auch wenn es sich nicht im geringsten um einen abstrakten Bauplan handelt, lassen sich zahlreiche Elemente aus der Erzählung weiter entwickeln. Wann wird sich das hier noch sonnige Gotham verdunkeln? Wie mächtig wird der Riddler? Zero Year ist Snyders bewusstes Anti-Year One. Doch auch nach dem zweiten Lesen weiß ich nicht, ob er den richtigen Weg gewählt hat.