Batman Eternal Vol. 3

“Is Batman eternal?”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Fernando Blanco, ACO, Javi Fernandez, Alessandro Vitti, Christian Duce, Ronan Cliquet, Juan Ferreyra, Álvaro Martínez, Eduardo Pansica, Robson Rocha, David Lafuente, Tim Seeley, Ray Fawkes, Andrea Mutti, Felix Ruiz, David Furno, Joe Quinones, Jed Dougherty, 2015– Kontinuität. In einem gemeinsamen Universum ist Kontinuität ein wichtiger Faktor. Sie hält ein gemeinsames Universum zusammen. In Eternal ist nicht viel davon vorhanden. Auf die Handlungsstränge aus Tomasis Batman & … und Ereignisse wie Arkham War wird entweder fehlerhaft oder gar nicht eingegangen. Völlig rätselhaft bleibt, warum Robin in Eternal keinen Auftritt hat, ja noch nicht einmal Erwähnung findet. Verbunden mit ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern wird jegliche Resterzählung ruiniert. Snyder, Fawkes, Layman, Seeley und Higgins haben Beiträge geleistet, sind aber längst gegangen, und Tynion gelingt hier gewiss kein runder Abschluss. Mittlerweile hat der Leser auch erkannt, dass mit Eternal der erste Akt aus Knightfall wiedergekäut wird: der Strippenzieher fordert Batman solange, bis dieser erschöpft und leichte Beute wird. Harper Rows Werdegang wird schwach erzählt, was allerdings – und nun gibt es auch Positives – nicht auf Catwoman zutrifft. Die Figur macht eine interessante und wohl formulierte Entwicklung durch. Applaus gibt es auch für die Charakterisierung Killer Crocs. Das genügt jedoch nicht, um das Finale dieses Erzählungsbogens in ein gutes Licht zu stellen. Eternal war eine Reise durch das Batman-Universum mit seinen Figuren und Schauplätzen. Aber sie war schlecht geplant, noch schlechter ausgeführt, und schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr unterhaltsam.

Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Batman and Robin: The Big Burn

“As long as one of us is free, then both of us are free.”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2013-2014– Nach Batman & … folgt das fünf Kapitel kurze Batman & Two-Face unter dem Titel The Big Burn. Und begegnete ich nun Tomasi, würde ich vor ihm wohl auf die Knie fallen. Two-Face bekommt einen neuen Ursprung, und dieser ist verdammt gut, er ist auf Augenhöhe mit dem aus The Long Halloween. Grundlegende Faktoren wie die juristische Tätigkeit Dents und der Angriff mit Säure bleiben erhalten. Doch Tomasi macht einen sehr selbstbewussten Schritt und erzählt darüber hinaus eine neue eigenständige Geschichte. Er verstärkt nicht nur Harvey Dents Charakter, sondern auch die Beziehungen von Dent zu Bruce Wayne und Batman. Das Wesen von Two-Face ist seine bipolare Persönlichkeit, und Tomasi macht Batmans Glaube an das Gute in ihm glaubhafter denn je. Die Persönlichkeiten scheinen in dieser Version gefestigter, Two-Face ist weniger der durchgeknallte Psychopath aus dem Modern Age. Dennoch bleibt er unberechenbar! Der Entwicklung der Geschichte stand ich zunächst skeptisch gegenüber. Aber sie zieht mächtig an. Eines meiner liebsten Themen ist ein Bündnis zwischen Gut und Böse – und sei es nur für den temporären Zweck. Doch Gut und Böse sind Begriffe, die im Batman-Universum unpassend sind. Sie verschmelzen von schwarz und weiß zu grau, und Tomasi hat mit Batman & Two-Face zwei Figuren gefunden, die sich stets in diesem Bereich bewegen. Zum Ende fährt Tomasi nicht mit nur einem, sondern zwei unerwarteten und überzeugenden Knalleffekten vor. Heilige Guacamole, mir wäre das Buch beinahe doppelt aus den Händen gefallen. Robin wird in The Big Burn nicht ausdrücklich erwähnt, schwingt aber stets in den Dialogen mit. Er ist im Herzen und im Geiste dabei.

Detective Comics: The Wrath

“As it turned out, I underestimated a lot of things.”

John Layman, James Tynion IV, Joshua Williamson/Jason Fabok, Andy Clarke, Mikel Janín, Henrik Jonsson, Jason Masters, Scot Eaton, Szymon Kudranski, Derlis Santacruz, 2013– In seinem zweiten Band legt Layman noch eine Schippe drauf. Batmans Zustand hat Layman gut erfasst. Nach Damians Tod wecken seine Handlungen Erinnerungen an diejenigen nach Jasons Tod. Batman ist freudloser, verbitterter, wütender, gewalttätiger. Daneben spannt Layman einen großen erzählerischen Bogen und präsentiert eine Vielzahl an Geschichten, von denen einige den Geist von Gotham Central tragen. Ein stringentes Tempo und ein guter Lesefluss zieht sich durch alle Geschichten. Layman darf sogar ein Origin schreiben. Er führt Kirk Langstrom alias Man-Bat in The New 52 ein, was im Hinblick auf die Chronologie zunächst allerdings Verwirrung stiftet. Gelungen ist ihm die Einführung der Figur allemal. Sie ist unprätentiös und passt zum tragischen Langstrom, wie man ihn aus dem Modern Age kennt. In dem großen Strauß der Geschichten bleibt der Namensgeber der Sammelausgabe leider schwach, was an der geradezu penetranten Vorhersehbarkeit der Geschichte liegt. Die Vielzahl der Geschichten deckt nun auch immer mehr Kontinuitätsfehler in The New 52 auf, die man den Autoren, Lektoren und Redakteuren zuschieben muss. Faboks Zeichnungen sind abermals überzeugend. Sein rauer Stil trifft den Ton der Erzählungen. Im Wechsel mit Clarkes Zeichnungen kann sich der Sammelband voll und ganz sehen lassen.

Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Detective Comics: Scare Tactics

“Rid yourself of your own love, compassion and joy. Give it to the world.”

Tony S. Daniel, Gregg Hurwitz, James Tynion IV/Tony S. Daniels, Ed Benes, Julio Ferreira, Eduardo Pansica, Romano Molenaar, Pere Perez, Henrik Jonsson, Szymon Kudranski, 2012– Solange kein Umbruch stattfindet, ist Scare Tactics die letzte Ausgabe, die ich mir aus der Detective Comics-Reihe zu Gemüte führe. Es ist eine Sammlung von Geschichten, die entweder auf einer dünnen Idee basieren, lahm umgesetzt sind oder beides. Daniel führt Black Mask und Two-Face in The New 52 ein, doch am Ende bleiben wichtige Fragen unbeantwortet; weitere Geschichten verlaufen überwiegend effektlos. Durchgängig ist Batman mies drauf, zornig und ungehalten. Das führt sogar soweit, dass er Catwoman völlig unverhältnismäßig anbrüllt. Ob er einfach nur einen schlechten Tag hat oder wegen der Talons unter Stress steht, wird man hier nicht erfahren. Die Autoren sollten es besser wissen und dem Leser so etwas nicht als gegeben vorlegen. Allerdings gibt es durchaus auch Lichtblicke, Tynion IV zum Beispiel. Seine Arbeit mit Snyder ist hervorragend und auch in den von ihm geschriebenen Geschichten in Scare Tactics schimmert sein Talent durch. Die Geschichten verfügen allesamt über ansprechende Zeichnungen und Kolorierungen, das Fazit ändern sie aber nicht. Meh.

Detective Comics: Faces of Death

“An insane killer without a face.”

Tony S. Daniel, 2011-2012– Das erste Kapitel ist klassisches Detective Comics. Die Geschichte dreht sich um Batman, Gordon und den Joker – die erweiterte Batman-Familie spielt keine Rolle. Daniel paart diese Klassik mit The New 52. Und das gelingt ihm hervorragend. Gerade die Verwendung zahlreicher moderner und zukunftsorientierter Technologien ist erfreulich, das Verhältnis von Batman und dem Joker spannend wie eh und je. Der Joker wirft Batman Tunnelblick vor, dass er das Gesamtbild nicht sehe. Und welch‘ Ironie, das trifft auch auf Daniel zu. Das erste Kapitel schließt und damit auch die Geschichte. Eine neue Geschichte tritt an deren Stelle. Das Erzähltempo ist wechselnd, die Geschichte selbst zum Nase rümpfen geschrieben. Und so zieht sich das nun bis zum Ende durch. Mal abgesehen von dem durchgängigen Thema über Gesichter ist ein roter Faden nicht zu erkennen. Von einer Geschichte zur anderen fühlt sich Ort und Zeit nicht gleich an. Das Buch enthält mehrere kleine Geschichten, die in der Qualität stark nachlassen und kein lückenloses Gesamtbild ergeben. Wieder einmal sind die Zeichnungen Daniels Rettung. Mehrmals wendet er seine Spezialität an und präsentiert kraftvolle ganzseitige Panels. Auch der Aufbau und die Anordnung der Panels wissen weiterhin zu gefallen.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.

Zero Year – Dark City

“A little pain, a little death.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, 2014– Da Snyder nun schon eine neue Ausgangssituation gesetzt hat, fühlt sich der zweite Teil etwas runder an als Secret City, kämpft letztendlich aber mit denselben Problemen. Snyder erzählt weiterhin eine spannende Geschichte. Diese wirft zwar viele Fragen auf, doch das tut dem unterhaltsamen Duell zwischen Batman und dem Riddler kaum einen Abbruch. Nein, die Probleme stammen abermals aus der Eigenschaft Zero Year. In Snyders Version ermittelte James Gordon bereits im Mordfall Wayne, und auch noch im volljährigen Alter ist Bruce vom Tod seiner Eltern geradezu traumatisiert. Das sind keine schlechten Ideen, doch wirken sie so, als wolle sich Snyder bewusst von Batmans Ursprung und Entwicklung im Modern Age absetzen. Im Buch fühlt es sich stets an, als seien diese Elemente zu sehr gewollt. Als unangenehm empfunden habe ich auch die Umstände, dass Batman in dieser Zeit bereits zahlreiche Gadgets besitzt. Vom Batmobil über das Batboot zum Batzeppelin ist alles dabei. Das ist unglaubwürdig und verspielt die Chance, den Erwerb dieser Hilfsmittel in späteren Geschichten zu erzählen. Über jeden Zweifel erhaben: Capullos Zeichnungen und Plascencias Kolorierungen (famos).

The Black Mirror

“My name is Dick Grayson. I am Gotham City’s Batman.”

Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla, 2011– The Black Mirror ist der Beginn der Ära Snyder und wird bereits als Klassiker bezeichnet. Tatsächlich weist The Black Mirror zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker, mit Year One auf. Es handelt von Geschichten über die Figur, die hinter der Maske steht, über die Gordons und über Gotham City. Die Figuren reden viel über Gotham City. Sie charakterisieren die Stadt, so dass die Stadt selbst zu einer Figur wird. In Gotham schlägt ein dunkles Herz und davon wurde selten so überzeugend und so reich erzählt wie in The Black Mirror. The Black Mirror strotzt nur so von Anspielungen. Und anders als in Life After Death fügen sie sich in The Black Mirror nahtlos in die Erzählung ein und bereichern sie. Genau so nahtlos sind Snyders Dialoge, die sich natürlich und lebendig lesen. Während die Geschichten über Dick Grayson von Jock illustriert wurden, wurden die über die Gordons von Francesco Francavilla gezeichnet. Im direkten Wechsel sind Unterschiede zu erkennen, stilistisch liegen sie aber auf einer Wellenlänge und fügen sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Überaus gelungen ist die Anordnung der Panels, insbesondere beim Umblättern der Seiten. The Black Mirror ist ein ausgezeichnetes Buch. Nach dem metaphysischen Hokus-Pokus stellt The Black Mirror eine gelungene Neuausrichtung dar.

Bruce Wayne: The Road Home

“I’m not sure anyone has missed me at all.”

Fabian Nicieza, Bryan Q. Miller, Mike W. Barr, Derek Fridolfs, Adam Beechen, Marc Andreyko/Cliff Richards, Pere Perez, Szymon Kudranski, Agustin Padilla, Ramon Bachs, Javier Saltares, Peter Nguyen, Scott McDaniel, 2010– Bruce Wayne: The Road Home ist so lächerlich überflüssig, dass die Gefahr besteht, mittendrin daran zu verzweifeln. Der Gedanke, dass Bruce Wayne überprüft, wie sich seine Familienmitglieder in seiner Abwesenheit entwickelt haben, ist gar nicht so abwegig. Aber das ist mit diesem Buch selten dämlich umgesetzt, und die Entwicklungen hat man in sämtlichen Büchern seit R.I.P. und Final Crisis doch schon gelesen. Bruce Wayne: The Road Home ist DCs Ausdruck von Geldschneiderei. Mit einer geheimen Identität (The Insider *facepalm*) stellt Bruce der Familie Aufgaben und hält das Ergebnis im White Casebook fest. Die ganze Angelegenheit ist emotionslos und hat dem Charme eines Krankenhausflurs. Die Geschichten sind schlecht, die Zeichnungen schwankend. Der Abschnitt Batman & Robin verfügt zwar über eine gute Anordnung der Panels, die Figuren sehen hingegen aus wie aus der Augsburger Puppenkiste. Von Catwoman bleibt visuell nicht mehr als Niedlichkeit, Commissioner Gordon ist ein Märchenonkel. Das möchte ich nicht noch einmal sehen.

Batman and Robin: Batman and Robin Must Die!

“Batman’s war against crime goes global tonight.”

Grant Morrison/Frazer Irving, 2011– Die Stärke von Batman & Robin: Batman & Robin must die! ist nicht die Geschichte. Es ist ein Werk von Morrison, und wieder einmal steht die Geschichte nicht für sich allein, sondern ist Bestandteil von etwas Größerem. Erst in ihrer Gesamtheit ergeben Morrisons Geschichten ein beeindruckendes Gesamtwerk, das beste, was der Batman-Serie jemals passiert ist. Batman & Robin: Batman & Robin must die! führt die Trilogie und sämtliche Handlungsstränge um Doctor Hurt und Black Glove zu Ende. Gleichzeitig ebnet es den Weg zu einem völlig neuen Kapitel in Batmans Karriere. Verglichen mit anderen Werken ist es ein Leichtgewicht ohne philosophische und metaphysische Tiefen. Der Fokus liegt auf der rasanten Unterhaltung. Morrison präsentiert einen wahrlich atemberaubenden Lesefluss: Auf Seite 1 holt man Luft und liest das Ding in einem Rutsch und Atemzug durch. Und doch lässt Morrison jeder Figur eine Charakterentwicklung zukommen. Batman & Robin: Batman & Robin must die! hat vielfach Schelte bezogen wegen der Zeichnungen von Frazer Irving. Ich finde Irvings Zeichnungen großartig. Die Panels verfügen über wenig Schärfentiefe und sehen aus wie mit dem Pinsel gemalt. Durch die geringe Plastizität ergibt sich fast der Eindruck eines Albtraums. Die Verwendung der Farben ist fantastisch und liegt über dem Niveau der beiden ersten Teile der Trilogie.

Whatever Happened to the Caped Crusader?

“The end of the story of Batman is, he’s dead.”

Neil Gaiman/Andy Kubert, Scott Williams, 2009– Whatever Happened to the Caped Crusader? ist die letzte Batman-Geschichte. Sie handelt von der Totenwache für Batman. Der Tod ist das einzig mögliche Ende. Das Ende ist einfach und logisch. Es zementiert Batmans Status als Mythos, als Märtyrer, als Ikone. Batman muss sterben. Es geht nicht anders. Whatever Happened to the Caped Crusader? ist keine Elseworld-Geschichte, spielt aber dennoch außerhalb des Gothams wie wir es kennen. Und so erzählt jeder Besucher seine Geschichte, wie Batman gestorben ist. Verbindungen zum wirklichen Tod von Batman, also zu R.I.P. und Final Crisis existieren nicht. Aber alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeigen uns, wie Batman hätte sterben können. Die Zusammenkunft der Figuren ist für mich das Highlight des Bandes. Die Panels zeigen einen Raum voller Helden und Schurken und mir gefällt die Idee, dass sowohl Freunde wie auch Feinde die Totenwache besuchen und Batman ihre letzte Ehre erweisen. Der zweite Teil von Whatever Happened to the Caped Crusader? beschäftigt sich mit der Nahtoderfahrung von Batman. Batman stirbt, um wiedergeboren zu werden, um wieder zu sterben. Insoweit ist Whatever Happened to the Caped Crusader? vielleicht doch nicht allzu weit von Final Crisis entfernt, zumindest was das Thema Tod und Wiedergeburt betrifft.

No Man’s Land Volume 4

“Ready to rebuild Gotham?”

Devin Grayson, Greg Rucka, Dennis O’Neil, John Ostander, Chuck Dixon, Jordan B. Gorfinkel/Dale Eaglesham, Damion Scott, Rick Burchett, Roger Robinson, Jim Balent, Paul C. Ryan, Scott McDaniel, Greg Land, Sergio Cariello, N. Steven Harris, Pablo Raimondi, 1999-2000– Der letzte Teil von No Man’s Land hat starke Momente, bietet aber einen unzufriedenstellenden Abschluss eines enttäuschenden Crossover-Events. In guter NML-Tradition beginnt der Band vielversprechend, was insbesondere auf den Beziehungen der Figuren beruht. Batman greift zu drastischen Maßnahmen, um das zerstörte Verhältnis zu Commissioner Gordon wieder herzustellen und bietet an, die Maske zu lüften. Das Dreiecksverhältnis Nightwing, Oracle, Huntress wird thematisiert und auch das Verhältnis Batman, Huntress bekommt seinen Raum (aus NML #0 und somit in Vol. 4 völlig fehl am Platz). Alle Geschichten bringen dem Leser die Figuren und ihre Beziehungen näher. Und genau diese Geschichten sind es, die mich interessieren. Batman tritt eher selten ins Rampenlicht, sondern lenkt das Geschehen aus dem Hintergrund. Der letzte Band verdeutlicht seine unangefochtene Position als Familienoberhaupt. Doch die erzählerische Stärke zieht sich nicht durch den kompletten Band und zerfällt am Ende. Der Abschluss von NML ist überstützt und endet mit dem Tod einer nicht unbedeutenden Person. Das Ende ist nicht nur schlecht erzählt, sondern auch gänzlich unpassend gezeichnet, so dass es seine innewohnende Wirkung nicht entfaltet. Die störenden unterschiedlichen Zeichenstile gehören mittlerweile zur Serie.

No Man’s Land Volume 3

“Gotham died a while back, and it’s gone forever.”

Ian Edginton, Janet Harvey, Larry Hama, Chuck Dixon, Dennis O’Neil, Bronwyn Carlton Taggart, Steven Barnes, Devin Grayson, Alisa Kwitney/Jason Minor, Sergio Cariello, Mike Deodato Jr., Staz Johnson, Gordon Purcell, Roger Robinson, Paul Gulacy, Tom M. Morgan, Paul C. Ryan, Mat Broome, Rafael Kayanan, Dale Eaglesham, Michael Zulli, 1999-2000– Trotz des Zitats ist der dritte Band Hoffnung. Mit den vorigen Bänden teilt er die Gemeinsamkeit, dass die Geschichten ins Nirgendwo laufen. Es wird immer offensichtlicher, dass sich niemand um das Gesamtbild schert. Zu viele Autoren, zu viele Zeichner, zu viel Stückwerk. Zu den Vorgängern gibt es aber einen Unterschied: manche Geschichten sind tatsächlich unterhaltsam. Der Gipfel der Unterhaltsamkeit ist Jokers Versuch, zum Präsidenten von No Man’s Land gewählt zu werden. Das ist absurd komisch und beinhaltet den ersten Auftritt von Harley Quinn außerhalb von Batman: The Animated Series und damit verwandten Publikationen. Das bringt NML zwar kein Stück voran, aber ein wenig Unterhaltung kann nach den ersten Bänden nicht schaden. Batgirl zeigt eine erfreuliche Entwicklung, Robin kann einen Triumph verbuchen, und zum Wohle der Stadt geht Batman Allianzen mit Gegnern ein. Selbst Superman lässt sich blicken, um sich über den Zustand von Gotham und Bruce zu informieren. So sehr dies auch ein Fremdkörper im bisherigen Verlauf von NML ist, die Geschichte ist gut geschrieben und noch besser gezeichnet. Da Teil 3 unterhaltsam ist, könnte Teil 4 diese Eigenschaft doch übernehmen und endlich auch eine gute Erzählung hinzufügen.

No Man’s Land Volume 2

“I need your help.”

Bob Gale, Greg Rucka, Ian Edginston, Lisa Klink, Dennis O’Neil/Chris Renaud, Jason Pearson, Guy Davis, Mike Deodato Jr., Phil Winslade, 1999– Der zweite Band beginnt stark und schildert die momentanen Verhältnisse in Gotham City. Die Stadt ist in zahlreiche Gebiete aufgeteilt, die von Gangs beherrscht werden. Die Zustände ähneln denjenigen eines Bürgerkriegs. Doch kurz darauf fällt der zweite Band in dasselbe Dilemma des ersten. Die einzelnen Kapitel ergeben keinen glatten Lesefluss. Sie wirken wie einander angehängte, abgeschlossene Geschichten. Nightwing und Robin schließen sich zusammen und haben einige gute Momente. Deren Zusammenspiel beschränkt sich aber darauf, Kriminelle zu bekämpfen. Sie tun es, und Ende. Nur in der Gesamtschau lässt sich feststellen, dass Batman und seine Verbündeten in kleinen Schritten Ordnung in das Chaos bringen. Insoweit verfügt auch der zweite Band über eine gemeinsame Idee, die sich jedoch erst durch den zweifelhaften Genuss zahlreicher mittelprächtiger (ach, nennen wir es doch beim Namen: zahlreicher miserabler!) Geschichten offenbart. Alle Autorenteams fügen ihre kleinen Häppchen bei, scheinbar ohne zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Wie auch der erste Band kommt der zweite Band ohne wesentliche Konflikte aus. Den Figuren stellt sich ein Problem, sie lösen es, fertig. Genau so konfliktfrei wird Cassandra Cain eingeführt, das neue Batgirl.

No Man’s Land Volume 1

“As long as there are people in Gotham, there’ll be a bat.”

Bob Gale, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Ian Edginton, Greg Rucka, Scott Beatty, Lisa Klink, Kelley Puckett/Alex Maleev, Roger Robinson, Dale Eaglesham, D’Israeli, Frank Teran, Jason Pearson, Damion Scott, Chris Renaud, Guy Davis, Jon Bogdanove, Phil Winslade, 1999– Die KnightSaga machte den Anfang, aber möglicherweise geht es noch größer. Und größer bedeutet hier: mehr Autoren, mehr Zeichner. Doch genau da liegt der Hund begraben. In der Gesamtschau vermittelt NML lediglich eine Idee, ja, auch ein Thema, aber es wird äußerst schwach ausgefüllt. In der zerstörten und abgeriegelten Stadt fallen die Menschen auf ihre Instinkte zurück, sie werden zu Jägern und Sammlern. Gewohnheiten sind Schall und Rauch, Anpassung und Improvisation sind die Devise. Gale und Rucka setzen erzählerisch einige Glanzlichter und machen die Situation in Gotham für den Leser erfahrbar. Doch leider fehlt es den Geschichten an einer einheitlichen Linie. Von einer zur anderen Geschichte fühlt sich Gotham City niemals gleich an. Zahlreiche Geschichten enden im Nirgendwo und tragen nicht zu einem großen Ganzen bei. Gerade Azraels Geschichten wirken bemüht und nehmen zu viel Raum in NML ein. Batman und Azrael unterstützen die verbliebenen Bewohner, z.B. in der Einrichtung der Wasserversorgung. Das ist ein edles Anliegen, für den Leser aber nur mäßig interessant. Die Umstände nach dem Erdbeben hätten Batman und Azrael in Situationen bringen können, in denen sie moralisch schwerwiegende Entscheidungen hätten treffen können. Hier steckt viel verschenktes Potential. Die Zeichenstile sind sehr unterschiedlich und tragen auch nicht dazu bei, NML als einheitliches Werk betrachten zu können.

Cataclysm

“Things will never be the same again.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Chris Renaud, Rick Burchett, Klaus Janson, Kelley Puckett/Jim Aparo, Flint Henry, Mark Buckingham, Scott McDaniel, Klaus Janson, Roger Robinson, Graham Nolan, Jim Balent, Staz Johnson, Marcos Martin, Chris Renaud, Alex Maleev, Rick Burchett, Eduardo Barreto, Dave Taylor, 1998– Cataclysm hält sich mit keinem Vorspiel auf. Das Erdbeben der Stärke 7,6 schlägt sofort zu und trifft Gotham und seine Bewohner unvorbereitet. Die einzelnen Kapitel mit ihren wechselnden Protagonisten vermitteln die Zerstörung textlich und bildlich sehr gut. Für eine bessere Orientierung zwischen Kapiteln und Protagonisten verwenden die Autoren die Angabe von Uhrzeiten. Eine derartige Katastrophe holt das Beste aus allen heraus. Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen damit, dass Menschen gerettet werden. Batman hat kurze Momente des Zweifels, ruft sich aber in Erinnerung, dass auch ein einzelner Mensch Großes bewirken kann. Auch die anderen Figuren werden von Sorgen geplagt, wobei jede Figur in ihrem eigenen Sorgen-Schema steckt. Sowieso liest sich der Band erstaunlich flüssig und konsistent, was angesichts der Vielzahl an Autoren nun überhaupt nicht zu erwarten war. Als geringes Problem stellt sich allerdings heraus, dass die Superhelden keinen leibhaftigen Gegenspieler haben, wobei das Problem durch den von Dixon geschaffenen Quakemaster weiter gemildert wird. Die Spannungskurve sinkt nach dem Ausbrechen des Bebens dennoch kontinuierlich, der Klimax des gesamten Bandes ist schon auf den ersten Seiten zu finden.

Knightquest

“They will fear me as they never feared him!”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Jo Duffy/Graham Nolan, Vince Giarrano, Mike Manley, Barry Kitson, Jim Balent, Bret Blevins, Tom Grummett, 1993-1994– Jean Paul Valley ist Batman. Als Azrael wurde Valley durch Saint Dumas und The System fremdbestimmt, und das Ringen mit der Fremdbestimmung ist der einzige interessante Aspekt in Knightquest. Batman steht stets an der Schwelle zum Töten und widersetzt sich den Anweisungen von Bruce Wayne. Leider bleibt Knightquest Stückwerk. Die meisten Geschichten handeln von komischen Gestalten und der Bekämpfung durch Batman. So einfach ist das. Die teilweise Lächerlichkeit der Geschichten wird dem ernsten Thema nicht gerecht. Batman macht nur wenig Fortschritte und die Charakterisierung bleibt durchweg schwach. Auch Gegenspieler wie Mister Freeze bleiben ohne erkennbare Motivation und fehlendem Charakter. Lichtblicke sind die Aufeinandertreffen mit Catwoman und Commissioner Gordon. Sie erkennt, dass nicht Bruce unter der Maske steckt (Pheromone, Baby!), er erkennt zumindest, dass sich eine andere Person hinter der Maske verbirgt. Als am Ende die Chemie zwischen Gordon und Batman zerstört ist, tut Gordon selbiges mit dem Bat-Signal. Die Art und Qualität der Zeichnungen deckt sich weitestgehend mit denen in Knightfall. Aber es fehlt an Highlights. Knightquest ist ein Sammelsurium mittelprächtiger Geschichten und fällt in seiner Qualität dramatisch hinter Knightfall zurück.

The Killing Joke

“Both of us. To the death.”

Alan Moore/Brian Bollard, 1988– Alan Moore bietet in weniger als 50 Seiten ein echtes Schwergewicht an Geschichte und durch die Lähmung von Barbara Gordon ein Großereignis in der Batman-Kontinuität. Das gelähmte Batgirl wird später zur Informationsvermittlerin Oracle. Noch gewichtiger ist allerdings, dass der Joker eine Herkunft bekommt. Hierbei vollbringt Moore das Kunststück, dem Joker nicht das Mysterium zu nehmen, das er gerade durch seine unbekannte Herkunft besitzt. Moore zeigt uns, dass der Joker und Batman beide das Resultat eines einzigen schlimmen Tages sind und sich näher stehen, als es ihre Taten vermuten lassen. Der Joker ist das Spiegelbild zu Batman. Er ist das Chaos, Batman die Ordnung. Sie brauchen einander und die Geschichte legt uns nahe, dass sie zwei verlorene Seelen sind, die auf alle Ewigkeit gegeneinander kämpfen. Bollards Zeichnungen sind lebendig. Es lohnt sich, zur nachkolorierten Deluxe Edition zu greifen, die die Rückblenden in schönem Sepia zeigt. Die Anordnung der Panels kennt man aus Alan Moores Watchmen. Sie halten sich an ein strenges Raster. 3×3, 2×3 oder 2×2+1, die Seiten sind stets gedrittelt. Ich bin ziemlich begeistert, wie logisch und einfach das zu lesen ist. The Killing Joke benötigt keine Tricks oder Wendungen. Und das macht es zum Lesevergnügen. The Killing Joke wirkt niemals bemüht und gibt nicht mehr vor als es ist. Es ist so geschrieben, dass auch Einsteiger damit mühelos zurecht kommen. So sollte es eines der ersten Bücher sein, die man liest.

The Cult

“No good deed shall ever go unpunished.”

Jim Starlin/Bernie Wrightson, 1988– The Cult muss sich dem Vergleich mit The Dark Knight Returns stellen. Zu offensichtlich hängt es sich an Frank Millers Meisterwerk an. Es übernimmt zahlreiche Elemente, ist jedoch nicht in der Lage, diese selbstbewusst auf eigene Beine zu stellen. Und so ist stets der Eindruck präsent, dass es sich bei The Cult um nicht mehr als eine schwache Kopie handelt. Der Geschichte kann man ihr Potential nicht absprechen, ausgefüllt wird es aber nur wenig. Starlin greift auf bewährte Formeln zurück, beispielsweise Batmans Wille, der alle Hindernisse überwinden kann. Dieses erzählerische Mittel ist fest in der Geschichte von Batman verankert und im Übrigen auch kein schlechtes. Starlin macht aber zu wenig daraus. Die Charakterisierungen der Figuren bleiben durchweg schwach. Der Verlauf der Geschichte ist durch zweifelhafte Handlungen geprägt, und viele der aufgeworfenen Fragen beantwortet Starlin nicht mit einer Erklärung, sondern mit einem verhöhnenden „Es ist so“. Die Stärke von The Cult kommt aus ihren Bildern. Auf der visuellen Ebene ist es ein Albtraum aus scharf gezeichneten Figuren und einer überragenden, fast psychedelischen Kolorierung, für die sich Bill Wray verantwortlich zeichnet.

Dark Victory

“Take off the masks. No secrets.”

Jeph Loeb/Tim Sale, 1999-2000– Böse Stimmen behaupten, Loeb hätte nach dem Erfolg von The Long Halloween die gleiche Geschichte noch einmal unter anderem Namen geschrieben. Andere behaupten, Loeb musste ein zweites Buch schreiben, um all die losen Fäden aus The Long Halloween zusammenzuführen. Doch eine Reduzierung hierauf wird Dark Victory nicht gerecht. Systematisch gesehen ist es eine der wichtigsten Geschichten in Batmans Karriere und der Entwicklung Gotham Citys. Dark Victory handelt vom Tod der kriminellen Familien und vom Aufkommen der Superschurken. Es schließt den Handlungsstrang, den Year One eröffnete. Aus der Kriminalgeschichte wird die Superheldengeschichte. Die Transformation wird durch das Auftreten des Sidekicks symbolisiert: Robin. Loeb bereitet die Einführung der Figur hervorragend vor. Nachdem Batman seinen stärksten Verbündeten verloren hat, sieht er sich an einsamer Front. Einsamkeit ist ein zentrales Thema in Dark Victory und wird in alle Richtungen ausgeführt. In Bezug auf Harvey Dent, in Bezug auf Catwoman, gegenüber James Gordon, gegenüber Alfred. Gotham City ist im Umbruch. Die Gauner sind gegangen, die Freaks sind gekommen. Batman braucht Unterstützung, um seinen Kampf erfolgreich fortsetzen zu können. Und Loeb und Sale führen Robin in einer Weise ein, die keinen Zweifel zulässt, dass Batman und Robin zusammen gehören. Dark Victory sollte man daher aus dem Schatten von The Long Halloween heraustreten lassen, damit es seine Wirkung voll und ganz entfalten kann.

The Long Halloween

“I believe in Harvey Dent.”

Jeph Loeb/Tim Sale, 1996-1997– Wenn man die Klassiker des Modern Age aufzählt, wird The Long Halloween vermutlich gleich nach Year One genannt. Und dies ganz zurecht, denn The Long Halloween ist durch und durch klassisch. Das beginnt natürlich bei der Geschichte, die dem Leser vor Augen führt, warum Batman The World’s Greatest Detective ist. Über ein Jahr folgt Batman Spur für Spur, Gadgets werden überschätzt. Dann gibt es die große Galerie an Gegenspielern. Der Joker, Solomon Grundy, Catwoman, Poison Ivy, alle haben ihre Auftritte, ohne jedoch den Fokus der Geschichte auf sich zu ziehen. Und dennoch sind sie mehr als bloße Schauwerte und steuern ihren Teil zur Geschichte bei. Die Geschichte dreht sich um Freundschaft, Loyalität, Vertrauen und Familien. So wird The Long Halloween zu einer Mafiageschichte. Und das ist der dritte Punkt, der The Long Halloween so klassisch wirken lässt. Die Referenzen zu Mario Putzos Der Pate und den darauf basierenden Filmen sind unübersehbar. Das gilt nicht nur für die Erzählung, sondern ebenso für Tim Sales klassische Zeichnungen und Gregory Wrights fantastische Kolorierung. Ganz besonders gut gefällt mir der starke Einsatz von Schwarz und Weiß, von Schatten und dem rot herausstechenden Blut. Letztendlich wird in The Long Halloween aus Harvey Dent Two-Face, und ich behaupte, dass ein Gegenspieler niemals besser in das Batman-Universum eingeführt wurde als dieser. Und dennoch ist The Long Halloween nicht gänzlich frei von Schwächen. Zu nennen ist hier vor allem der Umstand, dass Loeb mehr Handlungsstränge beginnt als er jemals beenden kann. Das tut dem Stand von The Long Halloween keinen Abbruch: ein Klassiker.

Prey

“I’m alone.”

Doug Moench/Paul Gulacy, 1990-1991– Frank Miller im Allgemeinen und Year One im Besonderen haben nicht nur Befürworter. Prey ist eine der besten Geschichten aus der Legends of the Dark Knight-Serie und eine faszinierende Kritik an Frank Millers Ansatz. Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Batman, James Gordon und Hugo Strange. Hugo Strange besitzt eine nahezu sexuelle Obsession von Batman. Er analysiert ihn, er stellt ihn in ein schlechtes Licht und hetzt die Öffentlichkeit gegen Batman. In einer Zeit, in der DC alles daran setzte, Batman finsterer und realistischer zu gestalten, sehen wir Batman noch vor Knightfall zweifeln und fast zerbrechen. Doch Moench suggeriert, dass hier möglicherweise zuviel analysiert, zuviel dekonstruiert wird. Hugo Strange versteht Batman nicht einmal halb so gut wie James Gordon. Gordon erkennt in Stranges Analysen nur dessen eigenes Bedürfnis nach Geltung. Als alle gegen Batman arbeiten, findet Batman in James Gordon einen Verbündeten. Gordon erkennt, dass Gotham City einen Batman braucht und dieser nicht bloß ein Verbrechensbekämpfer ist, sondern ein Symbol. Batman legt seine Zweifel ab. Es ist der Sieg des Helden und Moenchs Ansage, dass Batman eben jenes Symbol bleiben muss. Paul Gulacy fügt durch seine Zeichnungen viel zur Atmosphäre bei und setzt die Geschichte auch visuell hervorragend in Batmans Anfangszeit.

Year One

“Ladies. Gentlemen. You have eaten well.”

Frank Miller/David Mazzucchelli, 1987– Frank Miller legt das Fundament, auf das bis heute gebaut wird. Year One ist recht schnell erzählt, die Geschichte bleibt unter 100 Seiten. Im Gegensatz zu The Dark Knight Returns zeichnet Miller in Year One ein zutiefst menschliches Bild von Bruce Wayne – Batmans Mythos ist noch weit entfernt. Im Grunde betreibt Miller die komplette Dekonstruktion von Batman. Er nimmt ihn aus der Position des Superhelden heraus und portraitiert Bruce Wayne als einen Menschen. Noch nicht einmal ansatzweise sehen wir die Figur, auf deren Schultern das Schicksal einer ganzen Stadt lasten wird, ja sogar des ganzen Universums. Bruce Wayne zweifelt. Er sucht sich und seinen Zweck. Die Herangehensweise an den Menschen Bruce Wayne eröffnet Miller die Möglichkeit, die Figur neu aufzubauen. Die Einzelheiten zu Batmans Beginn bleiben weitestgehend verborgen, Bruce Waynes Wandlung zum Dunklen Ritter schildert Miller in wenigen, aber bedeutenden Momenten. Diese Momente werden in der Zukunft immer wieder zitiert und sogar modifiziert, im Kern aber nicht eliminiert werden. So bleibt Year One ein abstraktes Werk und ein Bauplan für Batman, was auf Einsteiger durchaus sperrig wirken kann. Mazzucchellis Illustrationen sind zurückhaltend und vermeiden Übertreibungen. Sie gehen Hand in Hand mit der Erzählung. Bei den Panels gibt es keine Experimente. Große Ereignisse bekommen große Panels, überdies ist die Anordnung konservativ. Miller erfindet Batman nicht neu. Er zerlegt ihn, baut ihn neu auf und tut nichts Geringeres als den Ton zu setzen, dessen Klang noch 25 Jahre später zu hören ist.