Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Detective Comics: The Wrath

“As it turned out, I underestimated a lot of things.”

John Layman, James Tynion IV, Joshua Williamson/Jason Fabok, Andy Clarke, Mikel Janín, Henrik Jonsson, Jason Masters, Scot Eaton, Szymon Kudranski, Derlis Santacruz, 2013– In seinem zweiten Band legt Layman noch eine Schippe drauf. Batmans Zustand hat Layman gut erfasst. Nach Damians Tod wecken seine Handlungen Erinnerungen an diejenigen nach Jasons Tod. Batman ist freudloser, verbitterter, wütender, gewalttätiger. Daneben spannt Layman einen großen erzählerischen Bogen und präsentiert eine Vielzahl an Geschichten, von denen einige den Geist von Gotham Central tragen. Ein stringentes Tempo und ein guter Lesefluss zieht sich durch alle Geschichten. Layman darf sogar ein Origin schreiben. Er führt Kirk Langstrom alias Man-Bat in The New 52 ein, was im Hinblick auf die Chronologie zunächst allerdings Verwirrung stiftet. Gelungen ist ihm die Einführung der Figur allemal. Sie ist unprätentiös und passt zum tragischen Langstrom, wie man ihn aus dem Modern Age kennt. In dem großen Strauß der Geschichten bleibt der Namensgeber der Sammelausgabe leider schwach, was an der geradezu penetranten Vorhersehbarkeit der Geschichte liegt. Die Vielzahl der Geschichten deckt nun auch immer mehr Kontinuitätsfehler in The New 52 auf, die man den Autoren, Lektoren und Redakteuren zuschieben muss. Faboks Zeichnungen sind abermals überzeugend. Sein rauer Stil trifft den Ton der Erzählungen. Im Wechsel mit Clarkes Zeichnungen kann sich der Sammelband voll und ganz sehen lassen.

Detective Comics: Emperor Penguin

“You belong in Blackgate, Cobblepot. It doesn’t matter how you get there.”

John Layman/Jason Fabok, Andy Clarke, 2012-2013– Als ob man mich erhört hätte: Layman führt Detective Comics zu neuen Höhen. Laymans Geschichten finden ihren Platz sorgfältig zwischen der Hauptserie und Batman and Robin. Es sind die guten alten ‚Batman gegen‘-Geschichten, die einen klaren Fokus auf Batman und seinen jeweiligen Gegenspieler legen. Erfreulich überrascht haben mich Laymans Behandlungen der Figuren. Er verpasst dem Penguin glaubhafte Motivationen, Poison Ivy Stärke und Clayface eine fast schon bemitleidenswerte Traurigkeit. Die Charakter gehen weit über das Abziehbild eines Bösewichts hinaus. Die Geschichten fügen sich nahtlos in die übergeordnete, titelgebende Geschichte ein und präsentieren durch alle Kapitel hindurch ein stimmiges Bild von Gothams Zustand. Das Erzähltempo ist hervorragend. Und auch das Verhältnis von inneren Monologen zu Dialogen ist Layman gelungen. Die Erzählung spannt sich über Death of the Family bis nach Gotham’s Most Wanted, wobei Layman eine zeitlich verschachtelte Erzählweise verwendet, die ich als unnötig empfunden habe. Auch Faboks Damian sieht für meinen Geschmack zu alt aus. Darüber hinaus gibt es aber keinen Grund zu meckern. Im Gegenteil: Fabok besitzt seinen eigenen Stil, der die Geschichten vollends tragen kann und viel zur Atmosphäre beiträgt. Bitte weiter so.

Detective Comics: Scare Tactics

“Rid yourself of your own love, compassion and joy. Give it to the world.”

Tony S. Daniel, Gregg Hurwitz, James Tynion IV/Tony S. Daniels, Ed Benes, Julio Ferreira, Eduardo Pansica, Romano Molenaar, Pere Perez, Henrik Jonsson, Szymon Kudranski, 2012– Solange kein Umbruch stattfindet, ist Scare Tactics die letzte Ausgabe, die ich mir aus der Detective Comics-Reihe zu Gemüte führe. Es ist eine Sammlung von Geschichten, die entweder auf einer dünnen Idee basieren, lahm umgesetzt sind oder beides. Daniel führt Black Mask und Two-Face in The New 52 ein, doch am Ende bleiben wichtige Fragen unbeantwortet; weitere Geschichten verlaufen überwiegend effektlos. Durchgängig ist Batman mies drauf, zornig und ungehalten. Das führt sogar soweit, dass er Catwoman völlig unverhältnismäßig anbrüllt. Ob er einfach nur einen schlechten Tag hat oder wegen der Talons unter Stress steht, wird man hier nicht erfahren. Die Autoren sollten es besser wissen und dem Leser so etwas nicht als gegeben vorlegen. Allerdings gibt es durchaus auch Lichtblicke, Tynion IV zum Beispiel. Seine Arbeit mit Snyder ist hervorragend und auch in den von ihm geschriebenen Geschichten in Scare Tactics schimmert sein Talent durch. Die Geschichten verfügen allesamt über ansprechende Zeichnungen und Kolorierungen, das Fazit ändern sie aber nicht. Meh.

Detective Comics: Faces of Death

“An insane killer without a face.”

Tony S. Daniel, 2011-2012– Das erste Kapitel ist klassisches Detective Comics. Die Geschichte dreht sich um Batman, Gordon und den Joker – die erweiterte Batman-Familie spielt keine Rolle. Daniel paart diese Klassik mit The New 52. Und das gelingt ihm hervorragend. Gerade die Verwendung zahlreicher moderner und zukunftsorientierter Technologien ist erfreulich, das Verhältnis von Batman und dem Joker spannend wie eh und je. Der Joker wirft Batman Tunnelblick vor, dass er das Gesamtbild nicht sehe. Und welch‘ Ironie, das trifft auch auf Daniel zu. Das erste Kapitel schließt und damit auch die Geschichte. Eine neue Geschichte tritt an deren Stelle. Das Erzähltempo ist wechselnd, die Geschichte selbst zum Nase rümpfen geschrieben. Und so zieht sich das nun bis zum Ende durch. Mal abgesehen von dem durchgängigen Thema über Gesichter ist ein roter Faden nicht zu erkennen. Von einer Geschichte zur anderen fühlt sich Ort und Zeit nicht gleich an. Das Buch enthält mehrere kleine Geschichten, die in der Qualität stark nachlassen und kein lückenloses Gesamtbild ergeben. Wieder einmal sind die Zeichnungen Daniels Rettung. Mehrmals wendet er seine Spezialität an und präsentiert kraftvolle ganzseitige Panels. Auch der Aufbau und die Anordnung der Panels wissen weiterhin zu gefallen.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.

The Black Mirror

“My name is Dick Grayson. I am Gotham City’s Batman.”

Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla, 2011– The Black Mirror ist der Beginn der Ära Snyder und wird bereits als Klassiker bezeichnet. Tatsächlich weist The Black Mirror zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker, mit Year One auf. Es handelt von Geschichten über die Figur, die hinter der Maske steht, über die Gordons und über Gotham City. Die Figuren reden viel über Gotham City. Sie charakterisieren die Stadt, so dass die Stadt selbst zu einer Figur wird. In Gotham schlägt ein dunkles Herz und davon wurde selten so überzeugend und so reich erzählt wie in The Black Mirror. The Black Mirror strotzt nur so von Anspielungen. Und anders als in Life After Death fügen sie sich in The Black Mirror nahtlos in die Erzählung ein und bereichern sie. Genau so nahtlos sind Snyders Dialoge, die sich natürlich und lebendig lesen. Während die Geschichten über Dick Grayson von Jock illustriert wurden, wurden die über die Gordons von Francesco Francavilla gezeichnet. Im direkten Wechsel sind Unterschiede zu erkennen, stilistisch liegen sie aber auf einer Wellenlänge und fügen sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Überaus gelungen ist die Anordnung der Panels, insbesondere beim Umblättern der Seiten. The Black Mirror ist ein ausgezeichnetes Buch. Nach dem metaphysischen Hokus-Pokus stellt The Black Mirror eine gelungene Neuausrichtung dar.

Whatever Happened to the Caped Crusader?

“The end of the story of Batman is, he’s dead.”

Neil Gaiman/Andy Kubert, Scott Williams, 2009– Whatever Happened to the Caped Crusader? ist die letzte Batman-Geschichte. Sie handelt von der Totenwache für Batman. Der Tod ist das einzig mögliche Ende. Das Ende ist einfach und logisch. Es zementiert Batmans Status als Mythos, als Märtyrer, als Ikone. Batman muss sterben. Es geht nicht anders. Whatever Happened to the Caped Crusader? ist keine Elseworld-Geschichte, spielt aber dennoch außerhalb des Gothams wie wir es kennen. Und so erzählt jeder Besucher seine Geschichte, wie Batman gestorben ist. Verbindungen zum wirklichen Tod von Batman, also zu R.I.P. und Final Crisis existieren nicht. Aber alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeigen uns, wie Batman hätte sterben können. Die Zusammenkunft der Figuren ist für mich das Highlight des Bandes. Die Panels zeigen einen Raum voller Helden und Schurken und mir gefällt die Idee, dass sowohl Freunde wie auch Feinde die Totenwache besuchen und Batman ihre letzte Ehre erweisen. Der zweite Teil von Whatever Happened to the Caped Crusader? beschäftigt sich mit der Nahtoderfahrung von Batman. Batman stirbt, um wiedergeboren zu werden, um wieder zu sterben. Insoweit ist Whatever Happened to the Caped Crusader? vielleicht doch nicht allzu weit von Final Crisis entfernt, zumindest was das Thema Tod und Wiedergeburt betrifft.

No Man’s Land Volume 4

“Ready to rebuild Gotham?”

Devin Grayson, Greg Rucka, Dennis O’Neil, John Ostander, Chuck Dixon, Jordan B. Gorfinkel/Dale Eaglesham, Damion Scott, Rick Burchett, Roger Robinson, Jim Balent, Paul C. Ryan, Scott McDaniel, Greg Land, Sergio Cariello, N. Steven Harris, Pablo Raimondi, 1999-2000– Der letzte Teil von No Man’s Land hat starke Momente, bietet aber einen unzufriedenstellenden Abschluss eines enttäuschenden Crossover-Events. In guter NML-Tradition beginnt der Band vielversprechend, was insbesondere auf den Beziehungen der Figuren beruht. Batman greift zu drastischen Maßnahmen, um das zerstörte Verhältnis zu Commissioner Gordon wieder herzustellen und bietet an, die Maske zu lüften. Das Dreiecksverhältnis Nightwing, Oracle, Huntress wird thematisiert und auch das Verhältnis Batman, Huntress bekommt seinen Raum (aus NML #0 und somit in Vol. 4 völlig fehl am Platz). Alle Geschichten bringen dem Leser die Figuren und ihre Beziehungen näher. Und genau diese Geschichten sind es, die mich interessieren. Batman tritt eher selten ins Rampenlicht, sondern lenkt das Geschehen aus dem Hintergrund. Der letzte Band verdeutlicht seine unangefochtene Position als Familienoberhaupt. Doch die erzählerische Stärke zieht sich nicht durch den kompletten Band und zerfällt am Ende. Der Abschluss von NML ist überstützt und endet mit dem Tod einer nicht unbedeutenden Person. Das Ende ist nicht nur schlecht erzählt, sondern auch gänzlich unpassend gezeichnet, so dass es seine innewohnende Wirkung nicht entfaltet. Die störenden unterschiedlichen Zeichenstile gehören mittlerweile zur Serie.

No Man’s Land Volume 3

“Gotham died a while back, and it’s gone forever.”

Ian Edginton, Janet Harvey, Larry Hama, Chuck Dixon, Dennis O’Neil, Bronwyn Carlton Taggart, Steven Barnes, Devin Grayson, Alisa Kwitney/Jason Minor, Sergio Cariello, Mike Deodato Jr., Staz Johnson, Gordon Purcell, Roger Robinson, Paul Gulacy, Tom M. Morgan, Paul C. Ryan, Mat Broome, Rafael Kayanan, Dale Eaglesham, Michael Zulli, 1999-2000– Trotz des Zitats ist der dritte Band Hoffnung. Mit den vorigen Bänden teilt er die Gemeinsamkeit, dass die Geschichten ins Nirgendwo laufen. Es wird immer offensichtlicher, dass sich niemand um das Gesamtbild schert. Zu viele Autoren, zu viele Zeichner, zu viel Stückwerk. Zu den Vorgängern gibt es aber einen Unterschied: manche Geschichten sind tatsächlich unterhaltsam. Der Gipfel der Unterhaltsamkeit ist Jokers Versuch, zum Präsidenten von No Man’s Land gewählt zu werden. Das ist absurd komisch und beinhaltet den ersten Auftritt von Harley Quinn außerhalb von Batman: The Animated Series und damit verwandten Publikationen. Das bringt NML zwar kein Stück voran, aber ein wenig Unterhaltung kann nach den ersten Bänden nicht schaden. Batgirl zeigt eine erfreuliche Entwicklung, Robin kann einen Triumph verbuchen, und zum Wohle der Stadt geht Batman Allianzen mit Gegnern ein. Selbst Superman lässt sich blicken, um sich über den Zustand von Gotham und Bruce zu informieren. So sehr dies auch ein Fremdkörper im bisherigen Verlauf von NML ist, die Geschichte ist gut geschrieben und noch besser gezeichnet. Da Teil 3 unterhaltsam ist, könnte Teil 4 diese Eigenschaft doch übernehmen und endlich auch eine gute Erzählung hinzufügen.

No Man’s Land Volume 2

“I need your help.”

Bob Gale, Greg Rucka, Ian Edginston, Lisa Klink, Dennis O’Neil/Chris Renaud, Jason Pearson, Guy Davis, Mike Deodato Jr., Phil Winslade, 1999– Der zweite Band beginnt stark und schildert die momentanen Verhältnisse in Gotham City. Die Stadt ist in zahlreiche Gebiete aufgeteilt, die von Gangs beherrscht werden. Die Zustände ähneln denjenigen eines Bürgerkriegs. Doch kurz darauf fällt der zweite Band in dasselbe Dilemma des ersten. Die einzelnen Kapitel ergeben keinen glatten Lesefluss. Sie wirken wie einander angehängte, abgeschlossene Geschichten. Nightwing und Robin schließen sich zusammen und haben einige gute Momente. Deren Zusammenspiel beschränkt sich aber darauf, Kriminelle zu bekämpfen. Sie tun es, und Ende. Nur in der Gesamtschau lässt sich feststellen, dass Batman und seine Verbündeten in kleinen Schritten Ordnung in das Chaos bringen. Insoweit verfügt auch der zweite Band über eine gemeinsame Idee, die sich jedoch erst durch den zweifelhaften Genuss zahlreicher mittelprächtiger (ach, nennen wir es doch beim Namen: zahlreicher miserabler!) Geschichten offenbart. Alle Autorenteams fügen ihre kleinen Häppchen bei, scheinbar ohne zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Wie auch der erste Band kommt der zweite Band ohne wesentliche Konflikte aus. Den Figuren stellt sich ein Problem, sie lösen es, fertig. Genau so konfliktfrei wird Cassandra Cain eingeführt, das neue Batgirl.

No Man’s Land Volume 1

“As long as there are people in Gotham, there’ll be a bat.”

Bob Gale, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Ian Edginton, Greg Rucka, Scott Beatty, Lisa Klink, Kelley Puckett/Alex Maleev, Roger Robinson, Dale Eaglesham, D’Israeli, Frank Teran, Jason Pearson, Damion Scott, Chris Renaud, Guy Davis, Jon Bogdanove, Phil Winslade, 1999– Die KnightSaga machte den Anfang, aber möglicherweise geht es noch größer. Und größer bedeutet hier: mehr Autoren, mehr Zeichner. Doch genau da liegt der Hund begraben. In der Gesamtschau vermittelt NML lediglich eine Idee, ja, auch ein Thema, aber es wird äußerst schwach ausgefüllt. In der zerstörten und abgeriegelten Stadt fallen die Menschen auf ihre Instinkte zurück, sie werden zu Jägern und Sammlern. Gewohnheiten sind Schall und Rauch, Anpassung und Improvisation sind die Devise. Gale und Rucka setzen erzählerisch einige Glanzlichter und machen die Situation in Gotham für den Leser erfahrbar. Doch leider fehlt es den Geschichten an einer einheitlichen Linie. Von einer zur anderen Geschichte fühlt sich Gotham City niemals gleich an. Zahlreiche Geschichten enden im Nirgendwo und tragen nicht zu einem großen Ganzen bei. Gerade Azraels Geschichten wirken bemüht und nehmen zu viel Raum in NML ein. Batman und Azrael unterstützen die verbliebenen Bewohner, z.B. in der Einrichtung der Wasserversorgung. Das ist ein edles Anliegen, für den Leser aber nur mäßig interessant. Die Umstände nach dem Erdbeben hätten Batman und Azrael in Situationen bringen können, in denen sie moralisch schwerwiegende Entscheidungen hätten treffen können. Hier steckt viel verschenktes Potential. Die Zeichenstile sind sehr unterschiedlich und tragen auch nicht dazu bei, NML als einheitliches Werk betrachten zu können.

Cataclysm

“Things will never be the same again.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Chris Renaud, Rick Burchett, Klaus Janson, Kelley Puckett/Jim Aparo, Flint Henry, Mark Buckingham, Scott McDaniel, Klaus Janson, Roger Robinson, Graham Nolan, Jim Balent, Staz Johnson, Marcos Martin, Chris Renaud, Alex Maleev, Rick Burchett, Eduardo Barreto, Dave Taylor, 1998– Cataclysm hält sich mit keinem Vorspiel auf. Das Erdbeben der Stärke 7,6 schlägt sofort zu und trifft Gotham und seine Bewohner unvorbereitet. Die einzelnen Kapitel mit ihren wechselnden Protagonisten vermitteln die Zerstörung textlich und bildlich sehr gut. Für eine bessere Orientierung zwischen Kapiteln und Protagonisten verwenden die Autoren die Angabe von Uhrzeiten. Eine derartige Katastrophe holt das Beste aus allen heraus. Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen damit, dass Menschen gerettet werden. Batman hat kurze Momente des Zweifels, ruft sich aber in Erinnerung, dass auch ein einzelner Mensch Großes bewirken kann. Auch die anderen Figuren werden von Sorgen geplagt, wobei jede Figur in ihrem eigenen Sorgen-Schema steckt. Sowieso liest sich der Band erstaunlich flüssig und konsistent, was angesichts der Vielzahl an Autoren nun überhaupt nicht zu erwarten war. Als geringes Problem stellt sich allerdings heraus, dass die Superhelden keinen leibhaftigen Gegenspieler haben, wobei das Problem durch den von Dixon geschaffenen Quakemaster weiter gemildert wird. Die Spannungskurve sinkt nach dem Ausbrechen des Bebens dennoch kontinuierlich, der Klimax des gesamten Bandes ist schon auf den ersten Seiten zu finden.