Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Batman, Incorporated: Demon Star

“I promised love. He chose war.”

Grant Morrison/Chris Burnham, Frazer Irving, 2012-2013– Aufgrund seiner Struktur ist Demon Star schwer in die Chronologie einzuordnen. Es beinhaltet Elemente von The New 52, spielt aber vor Flashpoint. Damit aber nicht genug; mit Demon Star entfernt sich Morrison von der ursprünglichen Idee der Serie. Im Vordergrund stehen die Familiengeschichten Bruce, Talia, Damian (Vater, Mutter, Sohn), Ra’s, Talia (Vater, Tochter) und Ra’s, Talia, Bruce (Vater, Tochter, Schwiegersohn in spe). Morrison rekapituliert das erste Treffen von Bruce und Talia inklusive der gemeinsamen Nacht und dehnt den Kanon so weit wie möglich, ohne ihn zu brechen. Im Grunde schreibt Morrison nicht mehr Batman, Incorporated, sondern sein ganz eigenes Batman & Robin. Mit weiteren Referenzen zur Demon-Trilogie, The Black Glove und Final Crisis erzählt Morrison wieder einmal große Geschichten mit nur wenigen Sätzen und Bildern. Erstaunlich, faszinierend, beängstigend, Morrison. Gegen Ende gibt es ganz große Emotionen, schwere Entscheidungen und einen geradezu herzzerreißenden Moment, der so viel aussagt über das Verhältnis von Vater und Sohn als es schwerlich jemals zuvor getan wurde. Neben der wundervoll gezeichneten Einleitung (Irving) können sich auch Burnhams Zeichnungen voll und ganz sehen lassen. Man merkt, dass sich Morrison und Burnham verstehen.

Batman, Incorporated

“Batman is everywhere.”

Grant Morrison/Yanick Paquette, Chris Burnham, Scott Clark, Dave Beaty, Cameron Stewart, 2011– Als wenn es das nicht ohnehin schon wäre, zementiert Batman, Incorporated Morrisons vielseitiges und weitblickendes Erzähltalent. Er kann extrem kopflastige, aber auch einfache Geschichten schreiben. So wie den Auftakt in Japan, der gänzlich unmorrisonesk daher kommt und uns endlich wieder Batman und Catwoman zusammen zeigt. Wir erleben Referenzen an das Silver Age, an das Golden Age und an Batman ’66 und Figuren aus der Geschichte von DC und unternehmen einen Ausflug zur neuen Batwoman (deren Serie übrigens so fantastisch ist, dass ich überlege, meine Anmerkungen zu den Büchern hier aufzunehmen). Und in diesem großen Bogen rückt der eigentliche Antagonist Leviathan nach und nach ins Rampenlicht. Klasse gemacht! In seiner Reise um den Globus erkennt man mehr und mehr, dass Batman nicht bloß eine Person ist. Weit über Gotham City hinaus ist Batman eine Idee, und Menschen nehmen sich ein Beispiel daran. Batman selbst erlebt eine bemerkenswerte Charakterwandlung. Er, der sonst gar Familienmitglieder meidet, rekrutiert Fremde. Eine Wandlung, die auf die Ereignisse während seiner Reise durch die Zeit zurückzuführen ist. Die erzählerisch wie zeichnerisch vielfältigen Geschichten folgen dem gemeinsamen Thema Leviathan. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie verknüpft, was keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist. Applaus!

Batman and Robin: Batman and Robin Must Die!

“Batman’s war against crime goes global tonight.”

Grant Morrison/Frazer Irving, 2011– Die Stärke von Batman & Robin: Batman & Robin must die! ist nicht die Geschichte. Es ist ein Werk von Morrison, und wieder einmal steht die Geschichte nicht für sich allein, sondern ist Bestandteil von etwas Größerem. Erst in ihrer Gesamtheit ergeben Morrisons Geschichten ein beeindruckendes Gesamtwerk, das beste, was der Batman-Serie jemals passiert ist. Batman & Robin: Batman & Robin must die! führt die Trilogie und sämtliche Handlungsstränge um Doctor Hurt und Black Glove zu Ende. Gleichzeitig ebnet es den Weg zu einem völlig neuen Kapitel in Batmans Karriere. Verglichen mit anderen Werken ist es ein Leichtgewicht ohne philosophische und metaphysische Tiefen. Der Fokus liegt auf der rasanten Unterhaltung. Morrison präsentiert einen wahrlich atemberaubenden Lesefluss: Auf Seite 1 holt man Luft und liest das Ding in einem Rutsch und Atemzug durch. Und doch lässt Morrison jeder Figur eine Charakterentwicklung zukommen. Batman & Robin: Batman & Robin must die! hat vielfach Schelte bezogen wegen der Zeichnungen von Frazer Irving. Ich finde Irvings Zeichnungen großartig. Die Panels verfügen über wenig Schärfentiefe und sehen aus wie mit dem Pinsel gemalt. Durch die geringe Plastizität ergibt sich fast der Eindruck eines Albtraums. Die Verwendung der Farben ist fantastisch und liegt über dem Niveau der beiden ersten Teile der Trilogie.

The Return of Bruce Wayne

“I am Bruce Wayne.”

Grant Morrison/Chris Sprouse, Frazer Irving, Yanick Paquette, Georges Jeanty, Ryan Sook, Lee Garbett, 2010– In The Return of Bruce Wayne steht die Existenz des gesamten Universums auf dem Spiel. Es handelt von Multiversen, Zeitreisen und dem Kampf gegen Götter. Und es handelt von Bruce Wayne. Morrison hat mit atemberaubender Charaktertreue geschrieben. Egal in welcher Epoche, in welcher Rolle und in welchem Zustand sich Bruce befindet, er weiß nicht, wer er ist, aber er handelt immer wie Bruce Wayne. Jede Geschichte, ja beinahe jedes Panel, enthält Verweise zu anderen Titeln, und Morrison denkt nicht einmal im Traum daran, dem Leser alle Fakten vorzulegen, um den Geschichten ohne Anstrengung zu folgen. Das abschließende Kapitel The All-Over nimmt gewaltige Ausmaße an. Hier steckt der Klimax, hier kommt alles zusammen. Es wirft ein ganz anderes Licht auf die vorangegangenen Kapitel, auf Year One und Final Crisis. Am Ende wird Bruce siegen. Er weiß, wann er einen Gott zu Fall bringen muss und ist sich um die Konsequenzen bewusst. Morrison nähert sich abermals einer gottgleichen Darstellung von Batman – hier sogar in der Figur von Bruce Wayne. Doch diese Tendenz findet ihre Grenze. In The All-Over erfährt Bruce die erste Wahrheit über Batman. Jede Epoche, jede Geschichte, besitzt ihren eigenen Stil, und dennoch ist das durch die sechs Zeichner geschaffene Gesamtbild homogen. Das von Lee Garbett gezeichnete The All-Over enthält gleich mehrere Panels, die in erzählerischer wie auch zeichnerischer Hinsicht nichts geringeres als Meisterwerke sind. Man benötigt zahlreiche Lesedurchgänge, um The Return of Bruce Wayne überhaupt ansatzweise zu verstehen. Doch versteht man es, so ist es überwältigend.

Batman and Robin: Batman vs. Robin

“Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.”

Grant Morrison/Andy Clarke, 2010– Grant Morrison zieht noch einmal den Anspruch an und präsentiert einen höchst komplexen zweiten Teil der Trilogie. Dick will Bruce in einer Lazarus Grube wiederbeleben. Morrisons Texte stellen nicht unbedingt das Dilemma heraus, in dem sich Dick befindet. Er macht es aber für den Leser nachvollziehbar, warum und dass Dick so viel an der Wiederbelebung von Bruce liegt. Die Lazarus Grube wird zum Desaster, und es ist in diesem Zusammenhang geradezu wohltuend zu sehen, dass auch unsere liebsten Superhelden Fehler machen. Im weiteren Verlauf folgen Batman und Robin den Hinweisen, die ihnen Bruce hinterlassen hat. Das bietet Morrison zum einen die Verknüpfung zu The Return of Bruce Wayne, zum anderen viel Raum für das Zusammenspiel von Dick und Damian. Damian fragt Dick, ob sie noch Batman & Robin sein können, falls Bruce wieder zurückkehrt. Dies beschäftigt Damian sehr, und es sind sehr persönliche und brüderliche Momente, die die beiden teilen. Der Titel des Buchs ist irreführend, denn es geht nicht um einen Konflikt zwischen Batman und Robin. Es ist eine Geschichte über zwei Robins. Es geht um den verzweifelten Versuch von Dick, seinen Mentor wiederzubeleben, und um Damians Zuneigung zu Dick.

Batman and Robin: Batman Reborn

“Master Bruce was always proud of you, Sir.”

Grant Morrison/Frank Quitely, Alex Sinclair, 2009– Grant Morrison bleibt der Serie noch erhalten. Nicht als Autor der Hauptserie, das ist vorerst Tony S. Daniel, sondern mit seiner unterhaltsamen Batman & Robin-Trilogie. Morrison schreibt zahlreiche gute Szenen für Dick und Damian, zwei Figuren, die unterschiedlicher nicht sein können. Dick fühlt sich der Rolle als neuer Batman nicht gewachsen, Damian hingegen strotzt als Robin vor Selbstvertrauen, bisweilen auch Überheblichkeit. Nach Damians Ansicht muss sich Dick erst seinen Respekt verdienen. Für ihn heißt das Duo nicht Batman & Robin, sondern Robin & Batman. Es macht großen Spaß, diese ungleichen Typen, die jedoch das gleiche Ziel verfolgen, durch die Geschichte zu begleiten. Später treffen Batman und Robin auf Red Hood. Mit Dick, Damian und Jason treffen drei Robins aufeinander, und Morrison versteht es, hieraus mit treffenden Dialogen eine interessante Dynamik zu ziehen. Es ist wie das Treffen dreier Brüder, die unter einem übermächtigen Vater aufgewachsen sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist von beiden Illustratoren sehr gut gezeichnet. Lediglich der finale Kampf ist unübersichtlich. Erwähnenswert ist der hohe Einsatz von fünf bis sechs untereinander stehenden, aber horizontal über die ganze Breite ausgedehnten Panels. Batman & Robin: Batman Reborn ist nicht so verkopft wie die anderen Werke von Grant Morrison. Aber Morrison ist eine Welt für sich. Und so wundert es nicht, dass unter der Oberfläche zahlreiche Symbole und Bilder versteckt sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist eine Geschichte über Masken.

Final Crisis

“DIE FOR DARKSEID!”

Grant Morrison/J. G. Jones, Marco Rudy, Carlos Pacheco, Doug Mahnke, 2008-2009– Crisis on Infinite Earths eliminierte das Konzept der Multiversen, Infinite Crisis brachte es zurück. Und Final Crisis stellt nun klar: Lasst es gefälligst so, wie es ist. Final Crisis ist Morrisons Metakommentar zur gesamten Comicindustrie. An den Multiversen sollte man nicht herumpfuschen. Sie besitzen ein Eigenleben, und zwar nirgendwo sonst als im kollektiven Bewusstsein der Leser. Final Crisis ist auch ein Buch, dass selbst den treuesten Morrison-Jüngern schlaflose Nächte bereiten kann. Es ist das umfangreichste DC-Ereignis, es ist gnadenlos zu allen, die sich nicht perfekt in der Geschichte auskennen, aber vor allem ist es komplexer als es hätte sein müssen. Morrison spannt seine hyperkomprimierte Erzählung von den Guardians of the Universe über OMAC bis zu den Neuen Göttern von Jack Kirbys Fourth World. Und irgendwo mittendrin, genauer gesagt in #6, sterben Batman und Darkseid. Batmans Tod in Final Crisis ist problematisch, weil er keine Verknüpfungen zu R.I.P. besitzt. Morrisons wirklich herausragende Vorbereitung seit Batman and Son und die Handlungsstränge um The Black Glove verlieren im Hinblick auf Batmans Tod durch Darkseid ihre Bedeutung. Der Tod selbst hatte kaum einen Effekt auf mich, die Gelegenheit für Pathos wurde nicht genutzt. Auch der Tod von Darkseid ist pures Deus ex machina. Ein weiteres Problem von Final Crisis ist sein holperiges Erzähltempo. Morrison ist kaum darin zu stoppen, fantastische Ideen in die Erzählung einzubringen. So faszinierend viele von ihnen sind, so negativ wirken sie sich jedoch auf den Leserhythmus aus. Ebenso holperig ist der Wechsel der Zeichner. J.G. Jones wird zum Ende durch Doug Mahnke ersetzt, dessen Stil dem dynamischen Finale besser steht. Beide Zeichner leisten hervorragende Arbeit, aber der Bruch ist sichtbar. Am Ende bleibt viel von Final Crisis haften – nicht alles positiv.

Batman R.I.P.

“What we are about to do will be a work of art.”

Grant Morrison/Tony S. Daniel, 2008– Das Sterben von Batman. Alle Zahnräder greifen zusammen. Die Familie, deren Ruf zerstört wird. Robin, der Batman wegen Damian verlässt. Jezebel Jet, die in Bruce Zweifel schürt. Und Black Glove, die ihre stärkste Karte ausspielt. Batmans Verstand wurde manipuliert, und nun ist es an der Zeit, ihn auszuschalten. Und dann das: Batmans Verstand lässt sich ausschalten, doch nur um seinen Sicherheitsverstand zu aktivieren – Batman of Zur-En-Arrh. Ein Verstand hinter einem Verstand! Was Morrison hier auffährt, ist mehr als ein Trick. Es ist seine Interpretation von Batman. Morrisons Batman ist für jede Situation vorbereitet. Als Leser muss man dabei erkennen, dass man nicht alles über Batman weiß, sondern nur so viel, wie Black Glove über Batman weiß. Morrison hat ein herausforderndes Buch mit vielsagenden und gleichsam präzisen Texten und scharfen Charakterisierungen geschrieben, in dem jedes Panel eine Bedeutung besitzt, auch wenn sich diese Bedeutung erst viel später offenbart. Doch eines ist ihm nicht gelungen: Er konnte nicht erklären, warum The Black Glove so mächtig ist, was ein wenig an die Problematik mit Banes Motivation erinnert. Daniels Zeichnungen sind kraftvoll und zeigen Batman mit starkem Körpereinsatz und irren Blick, dazu große Sprechblasen, große Buchstaben. Dieser von Daniel gezeichnete Batman ist ein Teil des Bildes, das von Morrisons Batman bleiben wird. Großartig!

The Black Glove

“We’re all going to die.”

Grant Morrison/J.H. Williams III, Tony S. Daniel, Andy Kubert, Ryan Benjamin, 2007-2008– Batman und die Silver Age-Batmen of all Nations müssen einen Kriminalfall auf einer einsamen Insel lösen, der das möglicherweise am schönsten gezeichnete Kapitel in der Geschichte von Batman ist (Williams!), ein klassisches Murder Mystery mit scharfen Charakterisierungen und eine Hommage an das Silver Age. Doch Morrison hat mehr zu bieten als Nostalgie-Liebe. Die Erzählung ist mit der heutigen Kontinuität und den Ereignissen bis R.I.P. verknüpft. Der zweite Teil schließt unmittelbar an Batman and Son an und führt die Three Ghosts of Batman sowie den Antagonisten und Führer der Organisation Black Glove Doctor Hurt ein. Doctor Hurts Angriff auf Batman setzt an seinem Verstand, seiner größten Stärke an, und alles deutet darauf hin, dass sich Doctor Hurt genau diese Stärke zu eigen machen und Batman zu Fall bringen wird. Die Erzählung ist ein morrisonsches Schwergewicht ohne Expositionen und mit Sprüngen in Zeit und Wirklichkeit. Sie geben einen imposanten Einblick in Batmans Verstand und lassen den Leser zumindest beim erstmaligen Lesen oftmals ratlos zurück. Doch was bei Morrison vordergründig wirr und zusammenhangslos erscheint, offenbart sich bei einer tiefergehenden Analyse als extrem komplex und weitsichtig. Mehrmaliges Lesen mit Morrisons Œuvre ist Pflicht.

The Resurrection of Ra’s Al Ghul

“You are jeopardizing your family.”

Grant Morrison, Peter Milligan, Fabian Nicieza, Paul Dini/Tony S. Daniel, Freddie E. Williams II, Don Kramer, Ryan Benjamin, 2007-2008– Familiengeschichten. Die Batman-Familie, die Al Ghul-Familie, und zwischen diesen beiden Familien gibt es ja auch Verbindungen. Doch die Namen der Autoren, zumindest Grant Morrison und Paul Dini, versprechen mehr als die Geschichten halten. Dem gesamten Band mangelt es an erzählerischer Tiefe und einer wie auch immer gearteten Charakterzeichnung. Morrison gelingt es, dem alten Charakter von Ra’s Al Ghul frische Aspekte und eine wirklich irre Motivation zu geben. Doch als Ra’s von den Toten zurückkehrt, scheint dies niemanden in diesem Band zu überraschen. Batman geht dem Ereignis nach und wie es die Umstände wollen, kämpfen Ra’s und Batman zusammen gegen ihre Feinde. Dieser Zusammenschluss der respektablen Gegner hätte vorzüglich dazu dienen können, deren Beziehung weiter zu beleuchten. Aber stattdessen, nun ja, kämpfen Ra’s und Batman zusammen gegen ihre Feinde. Später wird Robin in Versuchung geführt, seine Eltern in der Lazarus Grube wiederzubeleben. Macht durch die Funktionsweise der Lazarus Grube allerdings keinen Sinn. Und kein Leser glaubt, dass Robin dies tatsächlich tun wird. The Resurrection of Ra’s Al Ghul wird man nicht verärgert in die Ecke pfeffern, aber erstklassig ist dieses Buch gewiss nicht.

Batman and Son

“I won’t fail you, father.”

Grant Morrison/Andy Kubert, 2006– Batman and Son ist der Auftakt der Reihe, die zunächst in R.I.P. münden wird und das Ende des Modern Age einleitet, doch noch weit darüber hinaus geht. Batman and Son ist auch der Beginn der Ära Morrison, die das Batman-Universum für immer prägen wird. Grant Morrison wird in den weiteren Jahren nicht mehrere Geschichten schreiben. Er wird eine epische, viele Bücher umfassende Geschichte schreiben. Und diese Geschichte liebt man oder hasst man – ich tue Ersteres. Es sind stets Erzählungen auf mehreren Ebenen, die Stoff für philosophische Diskurse bieten. Er versteht es, mehrgleisig zu fahren und bringt genug Informationen mit, um den Weg zu R.I.P. einzuläuten. Doch in der Retrospektive wird man feststellen, dass Morrison nicht nur R.I.P. einläutet. Er erstellt das Gebäude für die kommenden sieben Jahre. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Geschichte von Batman und seinem Sohn Damian mit der Aufmerksamkeit zu erzählen, die sie verdient. Die Geschichten sind frei von Pathos und nehmen die behandelten Themen ernst. Charakterisierungen kommen nicht zu kurz und trotz der oberflächlichen Kälte und Reserviertheit ist stets der Eindruck präsent, dass Batman um die Familie bemüht ist und sich um sie kümmert. Oder es versucht, denn das plötzliche Auftauchen von Damian geht weder an Bruce noch an Tim spurlos vorbei. Das Zerbrechen der Familie und der Kontrollverlust sind Batmans größten Ängste, und Morrison spielt diese Themen meisterhaft aus. Auch Andy Kuberts Zeichnungen sollten nicht unerwähnt bleiben. Einer der besten Zeichner präsentiert hier sein ganzes Können.

JLA: World War III

“This is why we formed the Justice League.”

Grant Morrison/Howard Porter, 1999-2000– Der Abschluss von Morrisons JLA-Reihe funktioniert als Meta-Erzählung besser als eine Ebene darunter. Auf der niederen Ebene wird die Erzählung ihrem Titel nicht gerecht. Die gesamte Erde ist im Krieg, Staat gegen Staat, Mensch gegen Mensch. Doch die Auswirkungen werden lediglich am Rand gestreift. Morrison interessiert eine andere Idee: für ihn sind Superhelden der nächste Schritt in der Evolution des Menschen. Die Neuen Götter sind die Vaterfiguren der Superhelden und die Superhelden die Inspiration für die Menschen. Durch ihre Inspiration werden die Menschen wachsen und aufsteigen, bald werden alle sein wie Superman. Die Superhelden geben den Menschen am Ende der Geschichte einen Einblick in das, was kommen wird. Morrison zeichnet hier ein zutiefst optimistisches Szenario, in dem große Macht zum Guten eingesetzt wird und den Inhaber nicht korrumpiert. Dementsprechend funktioniert auch Antagonist Mageddon mehr als Thema denn als Bösewicht. Mageddon bekämpft aufsteigende Welten oder einfacher: den Fortschritt, die Evolution. Am Ende wird er verlieren. Und 10 Jahre vor seinem Großkommentar streift Morrison das Medium selbst: Laut Batman wird die JLA siegen, solange die Menschheit an sie glaubt. Das heißt nichts anderes, als dass es die JLA geben wird, solange wir die Comics kaufen. Durch die Themen und die große Besetzung ist World War III fortgeschrittenen Lesern zu empfehlen. Die Zeichnungen kranken an demselben Symptomen wie die gesamte Serie. Sie sind größtenteils erzählungs- und atmosphärelos, was die Figuren angeht aber in Ordnung.

JLA: New World Order

“What can a pathetic, fragile creature like Batman do to us?”

Grant Morrison/Howard Porter, 1997– Wer braucht die Justice League? Grant Morrison hält sich nicht mit den Expositionen der Figuren auf. Die Justice League ist bereits formiert oder: vielmehr am Ende. Neue Helden bringen Schwung in die Welt und lassen die Justice League alt aussehen. Doch Morrison mahnt vor voreiligen Schlüssen und zeigt uns, dass wir alle die Justice League brauchen. Die Geschichte ist dabei eher simpel aufgebaut und liest sich dementsprechend überhaupt nicht morrisonhaft. Vorrangig geht es hier um die Figuren, die Morrison sehr stimmig geschrieben hat. Überraschenderweise gelingt ihm die Charakterisierung von Superman am besten. Er schreibt ihn im besten Sinne von Jerry Siegel. Morrison lässt Batman in den Hintergrund treten und gibt ihm wenig Raum. Doch der hat es in sich; Batman ist der Stratege, er lenkt die Justice League aus dem Hintergrund. Und so überrascht es nicht, dass Batman letztendlich über das Schicksal der Justice League entscheidet. Morrison deutet hier die weitere Entwicklung von Batman innerhalb der Justice League an und lässt schon in den wenigen Momenten seine Interpretation der Figur erkennen. Morrison lässt jeden Helden sein Können zur Schau stellen, die wechselnden Erzählperspektiven bringen uns die Sicht eines jeden näher. So kommt hier niemand zu kurz. Die Panels sind größtenteils zufriedenstellend gezeichnet. Es fehlt aber oft die erzählerische Qualität im einzelnen Panel, auch sind diese teilweise verwirrend.

Gothic

“Gotham City is hell. We are all in hell. And I am the king of hell.”

Grant Morrison/Klaus Janson, 1990– 15 Jahre vor seiner legendären Ära schreibt Grant Morrison eine kurze und geschlossene Geschichte für die Legends of the Dark Knight-Serie. Seine Handschrift ist bereits zu erkennen, insbesondere in der starken Verwendung von Symbolen und Anspielungen aus der Geschichte DCs, Kunst und Kultur. Gewöhnlich (ja, es gibt Ausnahmen) bleiben Batmans Gegner im Bereich des Irdischen und haben wenig mit dem Übernatürlichen oder Spirituellen zu tun. In Gothic tritt der Leibhaftige persönlich in Erscheinung. Auch dies ist ein Markenzeichen Morrisons, der Batman nur zu gern gegen Gegner außerhalb seiner Gewichtsklasse antreten lässt. Gothic folgt nicht allzu lange nach Frank Millers Werken. Und es ist überdeutlich, dass Morrisons Batman in diesem Kontext platziert ist. Batman ist ein ziemlich harter Typ und kaum gesellschaftsfähig – ganz wie bei Frank Miller. Darüber hinaus wurde Gothic von Millers Kollaborateur Klaus Janson gezeichnet, der Batman auch hier das markante, furchteinflößende Grinsen verpasst. Ich mag Jansons Zeichnungen. Sie besitzen ihren eigenen Stil, sie sind rau und hart und verfügen über ihre ganz eigene Schönheit. In Gothic geht es nicht um konventionelle Ermittlungen, sondern um die Analyse von Träumen, die Bruce Wayne zurück in seine Schulzeit versetzen und die Geschichte der Figur bereichern. Aus der Legends of the Dark Knight-Serie ist Gothic eines der prominentesten Werke und dies ganz zurecht.