Justice League: Origin

“We’re not friends. We’re not a team.”

Geoff Johns/Jim Lee, 2011-2012– Origin spielt 5 Jahre vor The Court of Owls und handelt von der Formierung der Justice League. Es setzt einen neuen Kanon ins DCU (genauer: DCnU, DC New Universe). Mitglieder der ersten Stunde sind Aquaman, Batman, Cyborg, Flash, Green Lantern, Superman und Wonder Woman. Und auch innerhalb der Gruppe deutet sich eine Neuordnung an. Anders als in den Erzählungen des Modern Age wird die Justice League nicht von Superman, sondern von Green Lantern angeführt. Es ist eine Gruppe von Außenseitern, in der große Egos aufeinander prallen. Die Justice League ist keine Freundschaft, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Die Reibungen zwischen den Figuren machen den größten Reiz von Origin aus. Johns versteht es, diese mit Humor anzureichern. Dass Batman als einziger in der Gruppe über keine Superkräfte verfügt, wird beinahe zum Running Gag. Der Rest ist pure Action. Es knallt und donnert auf jeder Seite, die Qualität der Geschichte bleibt deutlich auf der Strecke. Doch es ist unterhaltsame Action, in der Jim Lees Zeichenstil vollends zur Geltung kommt. Origin ist ein schneller Einstieg ins DCnU, das auch ohne große Vorkenntnis der Figuren gelesen werden kann.

Flashpoint

“This hell is your creation.”

Geoff Johns/Andy Kubert, 2011– Flashpoint führt zum kompletten Neustart aller DC Serien und der Zusammenführung der Verlagserzeugnisse von DC Comics, Vertigo und WildStorm in ein einziges Universum. Es hätte viele Wege gegeben, den Übergang darzustellen. Als Blockbuster, als Gehirnfick oder einfach als bescheidenes Ereignis und Einladung für Einsteiger. Flashpoint ist die beiden letztgenannten. Es ist das zugänglichste DC Ereignis, und vor allem ist es knapp. 5 Kapitel sind es. Die Hälfte davon verbringt Barry Allen ohne Superkräfte und führt ein Gespräch mit Batman. Nicht mit dem Batman, den wir kennen. Mit Thomas Wayne, der seinen Sohn vor langer Zeit verloren hat. Cyborg ist der mächtigste Superheld, von Superman hat noch keine Menschenseele gehört, Wonder Woman und Aquaman führen Krieg. Die Welt, die wir und Barry kennen, steht Kopf. Den Kern der Geschichte bildet der Verlust eines geliebten Menschen, und deswegen ist es nur konsequent, dass Johns den Fokus auf Barry und Batman legt. Natürlich machen sich die Protagonisten auf die Suche nach dem Schuldigen für das Durcheinander in der Welt und versuchen, den Status quo wieder herzustellen. Aber dieser Handlungsstrang ist nur ein Ablenkungsmanöver. Den Status quo wird Barry nicht wieder herstellen, sondern etwas Neues schaffen. Der Umbruch vom Modern Age zu The New 52 wird auf einer anschaulichen Doppelseite vollzogen. Fans von Andy Kubert kommen in Flashpoint voll auf ihre Kosten. Seine Brillanz kommt wie so oft in statischen Bildern zu Ausdruck, in den Gesichtern der Figuren und generell dann, wenn Emotionen im Spiel sind. Flashpoint liest sich hervorragend, es liest sich einfach, spannend und unterhaltsam. Der Entscheidung von DC Comics, das gesamte Universum neu zu starten, darf man kritisch gegenüber stehen. Ob einem die Entscheidung gefällt oder nicht, spielt für Flashpoint keine Rolle. Es ist ein gutes Buch.

Bruce Wayne: Fugitive

“Sometimes, to move forward, you have to go back to the beginning.”

Chuck Dixon, Ed Brubaker, Greg Rucka, Kelley Puckett, Devin Grayson, Dennis O’Neil, Geoff Johns/Dave Ross, Sean Phillips, Scott McDaniel, Steve Lieber, Damion Scott, Roger Robinson, Sergio Cariello, Rick Burchett, 2002– Da wünscht man sich erst eine Reduzierung, und dann das! Batman wird daran erinnert, woher er kommt. Diese Initiierung des Gedankens, Bruce Wayne zu benötigen, finde ich ganz schneidig. Doch Batmans Läuterung geschieht wie vom Blitz getroffen. Plötzlich fällt ihm ein, sich falsch verhalten zu haben. Sein voriges Verhalten wirft er über Bord. Falsch verhalten hat er sich wohlgemerkt nur sich gegenüber, kaum gegenüber anderen. Und so löst Batman auch diese Angelegenheit im Alleingang. Fugitive bricht dabei mit dem – zwar nicht gutem – Tempo, das Murderer? vorgegeben hat. Hieraus entsteht das Bild eines wankelmütigen Charakters, das Batman nicht gerecht wird. Auch die Auflösung wirkt sehr bemüht und ist darüber hinaus antiklimatisch. Der Band kommt hier in die Verlegenheit, gar mit zwei Annexen zu enden. Einzelne Erzählungen können sich trotz allem sehen lassen, doch das Tempo und die Struktur bringen letztlich alles ins Straucheln.