Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Batman and Robin: The Hunt for Robin

“Give me back my son!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert, 2014– Die Sammlung enthält viele Elemente, die man in Snyders Hauptserie erwarten würde, und schwingt sich letztendlich und völlig zurecht auf einen ebenbürtigen Level auf. In einigen Momenten neige ich sogar zur Ansicht, dass uns Tomasi Batmans Charakter besser vermitteln kann als Synder. Zusammen mit den grandiosen Zeichnungen von Andy Kubert holt er zum großen Rundumschlag aus, von Son of the Demon über Morrisons Werke Batman Reborn, Incorporated und Final Crisis bis zu Death of the Family. Batmans innere Monologe geben viele Gefühle preis und sind so gespickt mit Eigenreflexionen wie selten zuvor. Dieser Band beschäftigt sich überwiegend mit Batman & Justice League (post-Forever Evil), wobei Tomasi auch deren Wesen glaubwürdig und getreu einfängt. So kurz vor dem Ende seiner Serie darf er dann auch mit großem Spektakel auffahren, das immer wieder von kleinen, bedeutsamen Momenten begleitet wird. In seltenen, aber den richtigen Augenblicken nennen sich die Figuren beispielsweise beim Vornamen, was gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Intimität ausdrückt. Wir erfahren ferner, dass die langjährigen Mitglieder der Justice League eine schützende Hand über Batman halten, ist er doch der einzige ohne Superkräfte. Dann die eigentliche Sensation: Batman bringt die Familie zusammen! Das war kaum noch zu erwarten, und hat mich in der konkreten Art und Weise auch nicht völlig überzeugt, aber schließlich gelingt Tomasi auch dieser Komplex. Auf zum großen Finale!

Justice League: Origin

“We’re not friends. We’re not a team.”

Geoff Johns/Jim Lee, 2011-2012– Origin spielt 5 Jahre vor The Court of Owls und handelt von der Formierung der Justice League. Es setzt einen neuen Kanon ins DCU (genauer: DCnU, DC New Universe). Mitglieder der ersten Stunde sind Aquaman, Batman, Cyborg, Flash, Green Lantern, Superman und Wonder Woman. Und auch innerhalb der Gruppe deutet sich eine Neuordnung an. Anders als in den Erzählungen des Modern Age wird die Justice League nicht von Superman, sondern von Green Lantern angeführt. Es ist eine Gruppe von Außenseitern, in der große Egos aufeinander prallen. Die Justice League ist keine Freundschaft, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Die Reibungen zwischen den Figuren machen den größten Reiz von Origin aus. Johns versteht es, diese mit Humor anzureichern. Dass Batman als einziger in der Gruppe über keine Superkräfte verfügt, wird beinahe zum Running Gag. Der Rest ist pure Action. Es knallt und donnert auf jeder Seite, die Qualität der Geschichte bleibt deutlich auf der Strecke. Doch es ist unterhaltsame Action, in der Jim Lees Zeichenstil vollends zur Geltung kommt. Origin ist ein schneller Einstieg ins DCnU, das auch ohne große Vorkenntnis der Figuren gelesen werden kann.

Flashpoint

“This hell is your creation.”

Geoff Johns/Andy Kubert, 2011– Flashpoint führt zum kompletten Neustart aller DC Serien und der Zusammenführung der Verlagserzeugnisse von DC Comics, Vertigo und WildStorm in ein einziges Universum. Es hätte viele Wege gegeben, den Übergang darzustellen. Als Blockbuster, als Gehirnfick oder einfach als bescheidenes Ereignis und Einladung für Einsteiger. Flashpoint ist die beiden letztgenannten. Es ist das zugänglichste DC Ereignis, und vor allem ist es knapp. 5 Kapitel sind es. Die Hälfte davon verbringt Barry Allen ohne Superkräfte und führt ein Gespräch mit Batman. Nicht mit dem Batman, den wir kennen. Mit Thomas Wayne, der seinen Sohn vor langer Zeit verloren hat. Cyborg ist der mächtigste Superheld, von Superman hat noch keine Menschenseele gehört, Wonder Woman und Aquaman führen Krieg. Die Welt, die wir und Barry kennen, steht Kopf. Den Kern der Geschichte bildet der Verlust eines geliebten Menschen, und deswegen ist es nur konsequent, dass Johns den Fokus auf Barry und Batman legt. Natürlich machen sich die Protagonisten auf die Suche nach dem Schuldigen für das Durcheinander in der Welt und versuchen, den Status quo wieder herzustellen. Aber dieser Handlungsstrang ist nur ein Ablenkungsmanöver. Den Status quo wird Barry nicht wieder herstellen, sondern etwas Neues schaffen. Der Umbruch vom Modern Age zu The New 52 wird auf einer anschaulichen Doppelseite vollzogen. Fans von Andy Kubert kommen in Flashpoint voll auf ihre Kosten. Seine Brillanz kommt wie so oft in statischen Bildern zu Ausdruck, in den Gesichtern der Figuren und generell dann, wenn Emotionen im Spiel sind. Flashpoint liest sich hervorragend, es liest sich einfach, spannend und unterhaltsam. Der Entscheidung von DC Comics, das gesamte Universum neu zu starten, darf man kritisch gegenüber stehen. Ob einem die Entscheidung gefällt oder nicht, spielt für Flashpoint keine Rolle. Es ist ein gutes Buch.