Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Batman, Incorporated: Demon Star

“I promised love. He chose war.”

Grant Morrison/Chris Burnham, Frazer Irving, 2012-2013– Aufgrund seiner Struktur ist Demon Star schwer in die Chronologie einzuordnen. Es beinhaltet Elemente von The New 52, spielt aber vor Flashpoint. Damit aber nicht genug; mit Demon Star entfernt sich Morrison von der ursprünglichen Idee der Serie. Im Vordergrund stehen die Familiengeschichten Bruce, Talia, Damian (Vater, Mutter, Sohn), Ra’s, Talia (Vater, Tochter) und Ra’s, Talia, Bruce (Vater, Tochter, Schwiegersohn in spe). Morrison rekapituliert das erste Treffen von Bruce und Talia inklusive der gemeinsamen Nacht und dehnt den Kanon so weit wie möglich, ohne ihn zu brechen. Im Grunde schreibt Morrison nicht mehr Batman, Incorporated, sondern sein ganz eigenes Batman & Robin. Mit weiteren Referenzen zur Demon-Trilogie, The Black Glove und Final Crisis erzählt Morrison wieder einmal große Geschichten mit nur wenigen Sätzen und Bildern. Erstaunlich, faszinierend, beängstigend, Morrison. Gegen Ende gibt es ganz große Emotionen, schwere Entscheidungen und einen geradezu herzzerreißenden Moment, der so viel aussagt über das Verhältnis von Vater und Sohn als es schwerlich jemals zuvor getan wurde. Neben der wundervoll gezeichneten Einleitung (Irving) können sich auch Burnhams Zeichnungen voll und ganz sehen lassen. Man merkt, dass sich Morrison und Burnham verstehen.

Batman, Incorporated

“Batman is everywhere.”

Grant Morrison/Yanick Paquette, Chris Burnham, Scott Clark, Dave Beaty, Cameron Stewart, 2011– Als wenn es das nicht ohnehin schon wäre, zementiert Batman, Incorporated Morrisons vielseitiges und weitblickendes Erzähltalent. Er kann extrem kopflastige, aber auch einfache Geschichten schreiben. So wie den Auftakt in Japan, der gänzlich unmorrisonesk daher kommt und uns endlich wieder Batman und Catwoman zusammen zeigt. Wir erleben Referenzen an das Silver Age, an das Golden Age und an Batman ’66 und Figuren aus der Geschichte von DC und unternehmen einen Ausflug zur neuen Batwoman (deren Serie übrigens so fantastisch ist, dass ich überlege, meine Anmerkungen zu den Büchern hier aufzunehmen). Und in diesem großen Bogen rückt der eigentliche Antagonist Leviathan nach und nach ins Rampenlicht. Klasse gemacht! In seiner Reise um den Globus erkennt man mehr und mehr, dass Batman nicht bloß eine Person ist. Weit über Gotham City hinaus ist Batman eine Idee, und Menschen nehmen sich ein Beispiel daran. Batman selbst erlebt eine bemerkenswerte Charakterwandlung. Er, der sonst gar Familienmitglieder meidet, rekrutiert Fremde. Eine Wandlung, die auf die Ereignisse während seiner Reise durch die Zeit zurückzuführen ist. Die erzählerisch wie zeichnerisch vielfältigen Geschichten folgen dem gemeinsamen Thema Leviathan. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie verknüpft, was keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist. Applaus!