Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Batman and Robin: The Hunt for Robin

“Give me back my son!”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert, 2014– Die Sammlung enthält viele Elemente, die man in Snyders Hauptserie erwarten würde, und schwingt sich letztendlich und völlig zurecht auf einen ebenbürtigen Level auf. In einigen Momenten neige ich sogar zur Ansicht, dass uns Tomasi Batmans Charakter besser vermitteln kann als Synder. Zusammen mit den grandiosen Zeichnungen von Andy Kubert holt er zum großen Rundumschlag aus, von Son of the Demon über Morrisons Werke Batman Reborn, Incorporated und Final Crisis bis zu Death of the Family. Batmans innere Monologe geben viele Gefühle preis und sind so gespickt mit Eigenreflexionen wie selten zuvor. Dieser Band beschäftigt sich überwiegend mit Batman & Justice League (post-Forever Evil), wobei Tomasi auch deren Wesen glaubwürdig und getreu einfängt. So kurz vor dem Ende seiner Serie darf er dann auch mit großem Spektakel auffahren, das immer wieder von kleinen, bedeutsamen Momenten begleitet wird. In seltenen, aber den richtigen Augenblicken nennen sich die Figuren beispielsweise beim Vornamen, was gegenseitiges Verständnis und eine gewisse Intimität ausdrückt. Wir erfahren ferner, dass die langjährigen Mitglieder der Justice League eine schützende Hand über Batman halten, ist er doch der einzige ohne Superkräfte. Dann die eigentliche Sensation: Batman bringt die Familie zusammen! Das war kaum noch zu erwarten, und hat mich in der konkreten Art und Weise auch nicht völlig überzeugt, aber schließlich gelingt Tomasi auch dieser Komplex. Auf zum großen Finale!

Justice League: Origin

“We’re not friends. We’re not a team.”

Geoff Johns/Jim Lee, 2011-2012– Origin spielt 5 Jahre vor The Court of Owls und handelt von der Formierung der Justice League. Es setzt einen neuen Kanon ins DCU (genauer: DCnU, DC New Universe). Mitglieder der ersten Stunde sind Aquaman, Batman, Cyborg, Flash, Green Lantern, Superman und Wonder Woman. Und auch innerhalb der Gruppe deutet sich eine Neuordnung an. Anders als in den Erzählungen des Modern Age wird die Justice League nicht von Superman, sondern von Green Lantern angeführt. Es ist eine Gruppe von Außenseitern, in der große Egos aufeinander prallen. Die Justice League ist keine Freundschaft, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Die Reibungen zwischen den Figuren machen den größten Reiz von Origin aus. Johns versteht es, diese mit Humor anzureichern. Dass Batman als einziger in der Gruppe über keine Superkräfte verfügt, wird beinahe zum Running Gag. Der Rest ist pure Action. Es knallt und donnert auf jeder Seite, die Qualität der Geschichte bleibt deutlich auf der Strecke. Doch es ist unterhaltsame Action, in der Jim Lees Zeichenstil vollends zur Geltung kommt. Origin ist ein schneller Einstieg ins DCnU, das auch ohne große Vorkenntnis der Figuren gelesen werden kann.

Flashpoint

“This hell is your creation.”

Geoff Johns/Andy Kubert, 2011– Flashpoint führt zum kompletten Neustart aller DC Serien und der Zusammenführung der Verlagserzeugnisse von DC Comics, Vertigo und WildStorm in ein einziges Universum. Es hätte viele Wege gegeben, den Übergang darzustellen. Als Blockbuster, als Gehirnfick oder einfach als bescheidenes Ereignis und Einladung für Einsteiger. Flashpoint ist die beiden letztgenannten. Es ist das zugänglichste DC Ereignis, und vor allem ist es knapp. 5 Kapitel sind es. Die Hälfte davon verbringt Barry Allen ohne Superkräfte und führt ein Gespräch mit Batman. Nicht mit dem Batman, den wir kennen. Mit Thomas Wayne, der seinen Sohn vor langer Zeit verloren hat. Cyborg ist der mächtigste Superheld, von Superman hat noch keine Menschenseele gehört, Wonder Woman und Aquaman führen Krieg. Die Welt, die wir und Barry kennen, steht Kopf. Den Kern der Geschichte bildet der Verlust eines geliebten Menschen, und deswegen ist es nur konsequent, dass Johns den Fokus auf Barry und Batman legt. Natürlich machen sich die Protagonisten auf die Suche nach dem Schuldigen für das Durcheinander in der Welt und versuchen, den Status quo wieder herzustellen. Aber dieser Handlungsstrang ist nur ein Ablenkungsmanöver. Den Status quo wird Barry nicht wieder herstellen, sondern etwas Neues schaffen. Der Umbruch vom Modern Age zu The New 52 wird auf einer anschaulichen Doppelseite vollzogen. Fans von Andy Kubert kommen in Flashpoint voll auf ihre Kosten. Seine Brillanz kommt wie so oft in statischen Bildern zu Ausdruck, in den Gesichtern der Figuren und generell dann, wenn Emotionen im Spiel sind. Flashpoint liest sich hervorragend, es liest sich einfach, spannend und unterhaltsam. Der Entscheidung von DC Comics, das gesamte Universum neu zu starten, darf man kritisch gegenüber stehen. Ob einem die Entscheidung gefällt oder nicht, spielt für Flashpoint keine Rolle. Es ist ein gutes Buch.

JLA: Tower of Babel

“How much of a control freak is he?”

Mark Waid/Howard Porter, 2000– Der Autorenwechsel von Grant Morrison zu Mark Waid funktioniert nahtlos. Waid knüpft an Morrisons Charakterisierung von Batman an und stellt diesen als einen Einzelgänger dar, der sich selbst nicht als Mitglied der JLA sieht. Darüber hinaus greift Waid das ewige Thema auf, dass selbst Verbündete vor Batman nicht sicher sind. Batmans Pläne zur Ausschaltung sämtlicher Mitglieder der JLA scheinen auf den ersten Blick trick- und einfallsreich zu sein, stellen sich bei genauerer Betrachtung aber als absolut rational, logisch und vor allem nicht tödlich dar. Sie passen somit perfekt zu Batmans Charakter. Mit der Frage, was passiert, wenn nützliche Informationen in falsche Hände geraten, gepaart mit Batmans Unfähigkeit als Teamplayer, führt dies zur Katastrophe und zum Ausschluss von Batman aus der Justice League. Ein Highlight ist die finale Abstimmung unter dessen Mitgliedern, das Für und Wider eines Ausschlusses und die die jeweiligen Positionen unterstützenden Argumente. Waid hat alle Figuren charaktertreu geschrieben. Ihre Positionen sind nachvollziehbar und glaubhaft, ihre Entscheidungen wirken nicht willkürlich, sondern organisch aus der Geschichte und dem Charakter heraus. Tower of Babel ist eines der besten Bücher dieser Ära. Es legt hervorragend dar, welche Konsequenzen Batmans Arroganz und sein Ego haben können und rückt ein wenig Batmans Stand im DC Universum und im Ansehen der Leser zurecht.

JLA: World War III

“This is why we formed the Justice League.”

Grant Morrison/Howard Porter, 1999-2000– Der Abschluss von Morrisons JLA-Reihe funktioniert als Meta-Erzählung besser als eine Ebene darunter. Auf der niederen Ebene wird die Erzählung ihrem Titel nicht gerecht. Die gesamte Erde ist im Krieg, Staat gegen Staat, Mensch gegen Mensch. Doch die Auswirkungen werden lediglich am Rand gestreift. Morrison interessiert eine andere Idee: für ihn sind Superhelden der nächste Schritt in der Evolution des Menschen. Die Neuen Götter sind die Vaterfiguren der Superhelden und die Superhelden die Inspiration für die Menschen. Durch ihre Inspiration werden die Menschen wachsen und aufsteigen, bald werden alle sein wie Superman. Die Superhelden geben den Menschen am Ende der Geschichte einen Einblick in das, was kommen wird. Morrison zeichnet hier ein zutiefst optimistisches Szenario, in dem große Macht zum Guten eingesetzt wird und den Inhaber nicht korrumpiert. Dementsprechend funktioniert auch Antagonist Mageddon mehr als Thema denn als Bösewicht. Mageddon bekämpft aufsteigende Welten oder einfacher: den Fortschritt, die Evolution. Am Ende wird er verlieren. Und 10 Jahre vor seinem Großkommentar streift Morrison das Medium selbst: Laut Batman wird die JLA siegen, solange die Menschheit an sie glaubt. Das heißt nichts anderes, als dass es die JLA geben wird, solange wir die Comics kaufen. Durch die Themen und die große Besetzung ist World War III fortgeschrittenen Lesern zu empfehlen. Die Zeichnungen kranken an demselben Symptomen wie die gesamte Serie. Sie sind größtenteils erzählungs- und atmosphärelos, was die Figuren angeht aber in Ordnung.

JLA: New World Order

“What can a pathetic, fragile creature like Batman do to us?”

Grant Morrison/Howard Porter, 1997– Wer braucht die Justice League? Grant Morrison hält sich nicht mit den Expositionen der Figuren auf. Die Justice League ist bereits formiert oder: vielmehr am Ende. Neue Helden bringen Schwung in die Welt und lassen die Justice League alt aussehen. Doch Morrison mahnt vor voreiligen Schlüssen und zeigt uns, dass wir alle die Justice League brauchen. Die Geschichte ist dabei eher simpel aufgebaut und liest sich dementsprechend überhaupt nicht morrisonhaft. Vorrangig geht es hier um die Figuren, die Morrison sehr stimmig geschrieben hat. Überraschenderweise gelingt ihm die Charakterisierung von Superman am besten. Er schreibt ihn im besten Sinne von Jerry Siegel. Morrison lässt Batman in den Hintergrund treten und gibt ihm wenig Raum. Doch der hat es in sich; Batman ist der Stratege, er lenkt die Justice League aus dem Hintergrund. Und so überrascht es nicht, dass Batman letztendlich über das Schicksal der Justice League entscheidet. Morrison deutet hier die weitere Entwicklung von Batman innerhalb der Justice League an und lässt schon in den wenigen Momenten seine Interpretation der Figur erkennen. Morrison lässt jeden Helden sein Können zur Schau stellen, die wechselnden Erzählperspektiven bringen uns die Sicht eines jeden näher. So kommt hier niemand zu kurz. Die Panels sind größtenteils zufriedenstellend gezeichnet. Es fehlt aber oft die erzählerische Qualität im einzelnen Panel, auch sind diese teilweise verwirrend.