I Am Gotham

“I am Gotham. Kill me.”

Tom King/David Finch, 2016– Batman, Ausgabe #1, schon wieder, ist eine Angelegenheit der Erwartungen. Meine wurden nicht erfüllt. Rebirth sollte zum Kern der Figuren zurückkehren und charakterorientiert erzählen, doch davon ist in dieser Geschichte wenig zu finden. Kanon und Kontinuität werden mit der von DC schon erwarteten Nachlässigkeit behandelt. Die Geschichte um Batman und den Superhelden Gotham wirkt erzählerisch wenig ausgearbeitet und unfertig. Der Aufstieg und Fall von Gotham erfolgt gehetzt und gibt dem Leser wenig Zeit, sich überhaupt für die Figur zu interessieren. Batman hingegen scheint einer Auseinandersetzung mit Gotham nicht fähig und sieht die Lösung aller Probleme in Helden mit Superkräften, obwohl er sich doch erfolgreich mit Superman und Göttern messen konnte. Schlüssig ist dies nicht. Zu diesen großen erzählerischen Mängeln gesellen sich zahlreiche Unstimmigkeiten in Details, die sich nur schwerlich unter dem Mantel von Rebirth rechtfertigen lassen. Doch abschließend lassen sich vielleicht versöhnliche Worte finden: King genießt das Vertrauen, nach dem faden Auftakt auf Kurs zu gelangen; Weitsichtigkeit hat er in anderen Werken beweisen können.

Endgame

“I’m just going to rest here a little while with my friend.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2014-2015– Wenn Death of the Family als Komödie gedacht war, ist Endgame die Tragödie. Und Batman ist sich der Tragödie bewusst. Er weiß, dass der Tod auf ihn wartet und er ihn nicht abwenden kann. Doch er kann sich ihm mutig entgegenstellen. Die Erzählung fühlt sich wie die unmittelbare Fortsetzung zu Death of the Family an. Und so führt Snyder seine hervorragende Darstellung des Jokers weiter. Der Joker ist das Böse, und durch eine fantastische erzählerische Wendung gibt Snyder ihm einen möglichen neuen Ursprung wahrlich dämonischen Ausmaßes. Vorbei sind auch die Spekulationen, ob der Joker Batmans Identität kennt. In der brillant aufgebauten Erzählung läuft alles auf das Ende der Figuren hinaus. Snyder beginnt im Großen mit viel Brimborium und einer vergifteten Justice League, die es auf Batman abgesehen hat, und er endet im Kleinen mit den beiden Seelenverwandten in einer dunklen Höhle, völlig allein sich und ihrem Tod überlassen. Die Art und Weise wie uns Snyder und Capullo diese Szenen vor Augen führen, beschreibt eine tiefe Romantik im Tod der Figuren. Es ist ein leiser Tod in Batmans kleinstem möglichen Kosmos. Snyder setzt sich hiermit deutlich von Morrisons Interpretation ab, und ich hätte mir keine bessere Wahl vorstellen können. Das gilt auch für Capullos Zeichnungen, die unersetzbar zur Atmosphäre beitragen und gerade im beängstigenden Grinsen des Jokers und aller Infizierten den blanken Wahnsinn offenbaren. Snyder und Capullo verlassen The New 52 mit dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Batman Eternal Vol. 3

“Is Batman eternal?”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Fernando Blanco, ACO, Javi Fernandez, Alessandro Vitti, Christian Duce, Ronan Cliquet, Juan Ferreyra, Álvaro Martínez, Eduardo Pansica, Robson Rocha, David Lafuente, Tim Seeley, Ray Fawkes, Andrea Mutti, Felix Ruiz, David Furno, Joe Quinones, Jed Dougherty, 2015– Kontinuität. In einem gemeinsamen Universum ist Kontinuität ein wichtiger Faktor. Sie hält ein gemeinsames Universum zusammen. In Eternal ist nicht viel davon vorhanden. Auf die Handlungsstränge aus Tomasis Batman & … und Ereignisse wie Arkham War wird entweder fehlerhaft oder gar nicht eingegangen. Völlig rätselhaft bleibt, warum Robin in Eternal keinen Auftritt hat, ja noch nicht einmal Erwähnung findet. Verbunden mit ärgerlichen Flüchtigkeitsfehlern wird jegliche Resterzählung ruiniert. Snyder, Fawkes, Layman, Seeley und Higgins haben Beiträge geleistet, sind aber längst gegangen, und Tynion gelingt hier gewiss kein runder Abschluss. Mittlerweile hat der Leser auch erkannt, dass mit Eternal der erste Akt aus Knightfall wiedergekäut wird: der Strippenzieher fordert Batman solange, bis dieser erschöpft und leichte Beute wird. Harper Rows Werdegang wird schwach erzählt, was allerdings – und nun gibt es auch Positives – nicht auf Catwoman zutrifft. Die Figur macht eine interessante und wohl formulierte Entwicklung durch. Applaus gibt es auch für die Charakterisierung Killer Crocs. Das genügt jedoch nicht, um das Finale dieses Erzählungsbogens in ein gutes Licht zu stellen. Eternal war eine Reise durch das Batman-Universum mit seinen Figuren und Schauplätzen. Aber sie war schlecht geplant, noch schlechter ausgeführt, und schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr unterhaltsam.

Batman Eternal Vol. 2

“I think it’s time we had a chat with the boss.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley, Kyle Higgins/Jorge Lucas, Dustin Nguyen, Andy Clarke, R.M. Guera, Juan Ferreyra, Javier Garrón, Meghan Hetrick, Simon Coleby, Fernando Pasarin, Jason Fabok, 2014-2015– Vol. 2 bleibt der gehetzten, scheinbar ziellos umherirrenden Erzählstruktur treu, kann aber doch einige Charakterisierungen präsentieren. Hervorragend hat mir die Wahl gefallen, Tim zum Initiator der Familienversöhnung zu machen. Schon nach dem Tod von Bruce Wayne zeigte er Initiative, und diese passt erneut gut zur Figur. Von einer Versöhnung ist die Familie weit entfernt, aber der Moment, in dem die Familie wieder miteinander spricht, ist ergreifend. ACH KOMM! Nun mal Tacheles: Eternal hat ein schwerwiegendes Problem mit der Kontinuität. Und auch die Geschichte – oder Geschichten – ergeben immer weniger Sinn. Die Zerstörung von Gotham City und allem, was Batman wichtig ist, ist als Thema völlig ausgelutscht und erfährt auch hier keine neuen Facetten. Wohin die Erzählungen steuern, bleibt im Trüben. Das ist nicht als Mittel zur Erzeugung von Spannung zu verstehen – nein, der Spannungsbogen ist nach wie vor mangelhaft. Es ist das sichtbare Chaos, welches seit dem Beginn der Serie hinter den Kulissen wütet.

Batman Eternal Vol. 1

“Hey, yourself.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Ray Fawkes, John Layman, Tim Seeley/Jason Fabok, Dustin Nguyen, Andy Clarke, Trevor McCarthy, Emanuel Simeoni, Guillem March, Riccardo Burchielli, Ian Bertram, Mikel Janín, 2014– Das führt zu nichts. Schon vor dem Ende von Vol. 1 stellt sich die Frage, wie die Geschichte jemals aus dem Durcheinander herauskommen will. Eternal leidet unter seinem eigenen Gewicht, rennt in zu viele Richtungen und bietet keine Belohnungen für den Leser. Und der Spannungsbogen ist schlichtweg katastrophal. Im ersten Kapitel ist Snyders Handschrift noch deutlich zu erkennen. Dialoge und Szenen sind auf hohem Niveau. Doch schnell verrennen sich die Erzählungen und zeigen viele Figuren und Schauplätze, nehmen sich aber keine Zeit, diese mit der nötigen Tiefe zu füllen. Hush, Carmine Falcone und sogar Deacon Blackfire werden in The New 52 eingeführt, wobei alle einfach da sind. Die Idee einer wöchentlichen Veröffentlichung der einzelnen Kapitel schien in der Theorie wohl ganz reizvoll gewesen zu sein. Allerdings kommt schnell der Verdacht auf, dass diese in der Praxis an der verfügbaren Zeit und mangelnden Koordination scheitern wird. Jason Faboks Zeichnungen begeistern ebenso wie Brad Andersons Kolorierung. Auch die weiteren Zeichner bieten ein anständiges Niveau, jedoch ist auch hier mit Fortschreiten der Seiten eine fallende Tendenz erkennbar.

Batman and Robin: Robin Rises

“You failed, mother. We beat you. ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Andy Kubert, 2014-2015– Batman and Robin will never die. Der Sammelband knüft nahtlos am vorigen an und führt somit auch gleich dessen actiongeladenes Spektakel fort. Getrieben von dem unbändigen Willen, den Leichnam seines Sohnes zu finden, prügelt sich Batman im Hellbat-Anzug durch Apokolips. Frühere Inkarnationen des zornigen Batmans wirken handzahm, hier haben wir Batman at his ass-kickiest. Batmans Arschtreterei ist temporeich und spannend inszeniert und macht es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei trifft Tomasi stets den richtigen Ton und vernachlässigt keineswegs die Tiefe der Geschichte. Mit wenigen Worten im richtigen Moment sagt Tomasi viel über Batman und seine verwandten Figuren aus. Apokolips bleibt nicht die letzte Station. Danach folgt vielmehr der wesentliche Teil: Die Vater-Sohn-Erzählung, die über viele gute Momente verfügt und zeigt, wie ein alleinerziehender Vater versucht, seinen Sohn unter Kontrolle zu bringen. Tomasi hat sich für den versöhnlichen Ausstieg aus der Serie entschieden und verpasst diesem Teil der Erzählung einen optimistischen Ton. Am Schluss erlebt Bruce Wayne einen Erfolg als Batman, aber einen noch viel größeren Erfolg als Vater.

Detective Comics: The Wrath

“As it turned out, I underestimated a lot of things.”

John Layman, James Tynion IV, Joshua Williamson/Jason Fabok, Andy Clarke, Mikel Janín, Henrik Jonsson, Jason Masters, Scot Eaton, Szymon Kudranski, Derlis Santacruz, 2013– In seinem zweiten Band legt Layman noch eine Schippe drauf. Batmans Zustand hat Layman gut erfasst. Nach Damians Tod wecken seine Handlungen Erinnerungen an diejenigen nach Jasons Tod. Batman ist freudloser, verbitterter, wütender, gewalttätiger. Daneben spannt Layman einen großen erzählerischen Bogen und präsentiert eine Vielzahl an Geschichten, von denen einige den Geist von Gotham Central tragen. Ein stringentes Tempo und ein guter Lesefluss zieht sich durch alle Geschichten. Layman darf sogar ein Origin schreiben. Er führt Kirk Langstrom alias Man-Bat in The New 52 ein, was im Hinblick auf die Chronologie zunächst allerdings Verwirrung stiftet. Gelungen ist ihm die Einführung der Figur allemal. Sie ist unprätentiös und passt zum tragischen Langstrom, wie man ihn aus dem Modern Age kennt. In dem großen Strauß der Geschichten bleibt der Namensgeber der Sammelausgabe leider schwach, was an der geradezu penetranten Vorhersehbarkeit der Geschichte liegt. Die Vielzahl der Geschichten deckt nun auch immer mehr Kontinuitätsfehler in The New 52 auf, die man den Autoren, Lektoren und Redakteuren zuschieben muss. Faboks Zeichnungen sind abermals überzeugend. Sein rauer Stil trifft den Ton der Erzählungen. Im Wechsel mit Clarkes Zeichnungen kann sich der Sammelband voll und ganz sehen lassen.

Batman and Robin: Requiem for Damian

“                                                      ”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Cliff Richards, 2013– Ein Meisterwerk. Alles, was den vorigen Ausgaben mangelte, aber als Potential sichtbar war, findet hier seinen Platz. Die einleitende stumme Erzählung macht die Trauer um Damian spürbar. Das Motiv jedes einzelnen Panels und Gleasons Zeichnungen tragen sich selbst und drücken mehr aus, als es Worte jemals könnten. Batman & Robin enden hier. An deren Stelle treten Batman & …, in deren Erzählungen Batman fünf Phasen der Trauer erlebt. Er ist nicht mehr er selbst und braucht Hilfe. Doch die Beziehungen in seiner Familie sind zerstört. Batman erwartet Hilfe, doch er erwartet zu viel. Die vollen Auswirkungen vom Tod der Familie kommen hier zum Tragen. Die Familie wird begraben und der Totengräber ist Batman selbst. Das Motiv jeder Phase macht Tomasi für den Leser erfahrbar. Zusammen mit Batman durchlebt man Wut und Verzweiflung und freut sich am Ende umso mehr, als Licht zu scheinen beginnt. Ungebremst von anderen Titeln zeigt Tomasi nunmehr sein ganzes Wissen und Können als Autor im Batman-Universum. Und spätestens jetzt gilt Gleason für mich als derzeit bester Zeichner der Serie. Der Detailreichtum, die Präzision, Beständigkeit und Energie wird momentan von keinem anderen Zeichner erreicht. Die Sammelausgabe enthält das vollständige Skript zur stummen Erzählung, das in beeindruckender Weise das Zusammenspiel von Tomasi und Gleason beweist.

Batman, Incorporated: Gotham’s Most Wanted

“His death will be avenged.”

Grant Morrison, Chris Burnham, Joe Keatinge, Nathan Fairbairn, Mike Raicht, Dan Didio/Chris Burnham, Jorge Lucas, Emanuel Simeoni, John Paul Leon, John Stanisci, Ethan van Sciver, 2013– Nach sieben Jahren endet Grant Morrisons Meisterwerk, das in seinem Umfang, seiner Erzählstruktur und vor allem in seiner Charakterentwicklung in der 75-jährigen Geschichte von Batman und auf alle Ewigkeit seines gleichen suchen wird. Das finale Kapitel von Morrisons Ära ist eine Achterbahnfahrt für den Leser, in der Morrison den Leser reichlich beschenkt, ihm freudige Momente beschert und im nächsten Moment große Tragödien erleben lässt. Es ist das Kapitel der vielen Tode und der heftigsten aller Familiengeschichten, in der die Mutter ihren Sohn richtet, um den Vater zu vernichten. Das Batman-Universum kennt viele gefährliche Superschurken, von denen manche gar alles Leben zu zerstören vermögen. Hier, im morrisonschen Kosmos, ist für Batman niemand gefährlicher als Talia al Ghul. Sie nimmt ihm seinen Sohn Damian und damit den Rest Menschlichkeit, den Batman noch besitzt. Es wird noch dunkler um den Dunklen Ritter. Als Leser, der Damians Geschichte kennt, darf man dessen Tod durchaus fatalistisch bewerten. Gotham’s Most Wanted ist von einer starken Kreis-Symbolik durchzogen, so dass in jedem Ende auch ein Anfang liegen mag. Und wer sich an Morrisons Leitsatz erinnert: Batman and Robin will never die. Chris Burnham hat einen ziemlich knackigen Stil verwendet. Die Zeichnungen sind scharf und toll choreografiert. Die Panels sind sehr erzählerisch und bieten einen guten Lesefluss.

Death of the Family

“And when the Joker comes for you, he’s going for everything you love.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock, 2012-2013– Kaum ein anderes Buch, herkömmliche Belletristik eingeschlossen, hat mir so viel Furcht und Schrecken bereitet. Snyder lässt gleich beim ersten Auftritt die dämonische Kraft des Jokers spürbar werden. Die Atmosphäre ist bitter, brutal, der Joker ist gnadenlos. Er ist das Chaos, das Böse, der Tod, und mir graute es vor jeder nächsten Tat. Das Aufeinandertreffen mit Batman ist größtes Kino. Snyder kann hierbei die Geschichte der beiden mit neuen Elementen verknüpfen und reichert diese mit einer grässlichen Romantik an, dass der Joker und Batman einander als Seelenpartner brauchen. In der Tat kann niemand den Joker so gut verstehen wie Batman, was im Laufe der Geschichte weiter ausgeführt wird. Das Tragische daran ist jedoch, dass der Joker die zersetzende Kraft innerhalb der ohnehin angespannten Familie ist. Und wäre diese Erzählung nicht schon großartig genug, findet Snyder sogar noch Zeit, um Batmans Verhältnis zu Alfred tiefer zu ergründen und mit neuen Komponenten zu versehen. Jedes Kapitel besitzt ein gutes Erzähltempo und geht herausragend mit der Verwendung der Panels um. Statt eines großen Knalls bleibt nachwirkender Schrecken. Capullos Zeichnungen tragen abermals unersetzbar zur Atmosphäre bei. Sie sind finster und rau und die für jeden Schauplatz eigens gewählten Farbpaletten dreckig. Das Ende des Buches ist hart und führt zum Tod der Familie.

Detective Comics: Scare Tactics

“Rid yourself of your own love, compassion and joy. Give it to the world.”

Tony S. Daniel, Gregg Hurwitz, James Tynion IV/Tony S. Daniels, Ed Benes, Julio Ferreira, Eduardo Pansica, Romano Molenaar, Pere Perez, Henrik Jonsson, Szymon Kudranski, 2012– Solange kein Umbruch stattfindet, ist Scare Tactics die letzte Ausgabe, die ich mir aus der Detective Comics-Reihe zu Gemüte führe. Es ist eine Sammlung von Geschichten, die entweder auf einer dünnen Idee basieren, lahm umgesetzt sind oder beides. Daniel führt Black Mask und Two-Face in The New 52 ein, doch am Ende bleiben wichtige Fragen unbeantwortet; weitere Geschichten verlaufen überwiegend effektlos. Durchgängig ist Batman mies drauf, zornig und ungehalten. Das führt sogar soweit, dass er Catwoman völlig unverhältnismäßig anbrüllt. Ob er einfach nur einen schlechten Tag hat oder wegen der Talons unter Stress steht, wird man hier nicht erfahren. Die Autoren sollten es besser wissen und dem Leser so etwas nicht als gegeben vorlegen. Allerdings gibt es durchaus auch Lichtblicke, Tynion IV zum Beispiel. Seine Arbeit mit Snyder ist hervorragend und auch in den von ihm geschriebenen Geschichten in Scare Tactics schimmert sein Talent durch. Die Geschichten verfügen allesamt über ansprechende Zeichnungen und Kolorierungen, das Fazit ändern sie aber nicht. Meh.

The City of Owls

“Get the hell out of my house.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Becky Cloonan, Andy Clarke, 2012– Das Finale der Owls-Storyline ist eine hochwertig geschriebene und gezeichnete Erzählung, die klassische Elemente der Serie vereint. Daneben ergreift Snyder die Chance, noch deutlicher die Unterschiede zu Morrisons Prä-Flashpoint-Batman herauszustellen. Im Gegensatz zum nahezu unzerstörbaren Berserker der Morrison Ära, ist Snyders Batman augenscheinlich feiner gestrickt, gerät in unvorhergesehene Gefahren und übt Kritik an sich selbst. Das heißt allerdings nicht, dass die Figur schwach ist. Mit dem Angriff auf Wayne Manor überschreiten die Talons eine Linie, die Batman zum massiven Gegenschlag schreiten lässt. Der zweite Akt von The City of Owls wird von Dialogen beherrscht, die beim Leser Ahnungen und Befürchtungen aufbauen, die sich letztendlich bestätigen. Und zwar im selben Moment, in dem auch bei Batman der Groschen fällt. Das ist spannend und großartig. Trotz des Crossovers ist der Band weitestgehend selbstständig und sehr auf Batman fokussiert. Sein Gegner ist allerdings außerordentlich mächtig und ich weiß nicht, ob mir das so gut gefällt. Der Fokus leidet ein wenig darunter. Auch die Auflösung der Geschichte empfand ich nicht zufriedenstellend, was das eingangs erwähnte Fazit jedoch nicht beeinträchtigt. Capullos Zeichnungen sind nach wie vor großartig und begeistern durch ihren Detailreichtum.

Night of the Owls

“God help us all.”

Scott Snyder, James Tynion IV, Justin Gray, Jimmy Palmiotti, Gail Simone, Peter J. Tomasi, Judd Winick, Duane Swierczynski, Tony S. Daniel, Kyle Higgins, Scott Lobdell/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, Patrick Scherberger, Ardian Syaf, Lee Garbett, Andy Clarke, Jason Fabok, David Finch, Marcus To, Travel Foreman, Guillem March, Tony S. Daniel, Eddy Barrows, Andres Guinaldo, Kenneth Rocafort, 2012– Das erste Crossover des DCnU ließ nicht lange auf sich warten. Während es in formeller Hinsicht wohl das beste Crossover ist, das ich bisher gelesen habe, bringt es inhaltlich nichts Neues. Night of the Owls spielt in einer einzigen Nacht. Ausgangspunkt ist Alfreds Übermittlung des Signals an die Angehörigen der Batman-Familie. Für ein Crossover ist das alles sehr gut strukturiert und aufgebaut, die minutiöse Chronologie der Ereignisse ist hilfreich. Jedes Mitglied der Batman-Familie bekämpft einen Talon, so dass die Geschichten das Gefühle der Familie und des Zusammenhalts gut vermitteln. Doch darin erschöpft sich das Buch. Es geht nicht darüber hinaus, dass eben jedes Mitglied der Batman-Familie einen Talon bekämpft. Und zwar nur bekämpft. Das ist großartige, wenngleich sich wiederholende Action. Die Figuren machen jedoch keine Fortschritte. Ein Lichtblick ist Scott Lobdells Red Hood and the Outlaws #9, in dem es Red Hood gelingt, den Talon durch ein Gespräch zu besiegen. Schlecht geschrieben oder gezeichnet ist keine Geschichte, aber sie sind allesamt besser in ihren laufenden Serien als in diesem Crossover-Buch aufgehoben.

Batman and Robin: Born to Kill

“I want you to control yourself.”

Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, 2011-2012– Die Geschichte widmet sich der Vater-Sohn-Beziehung. Es geht um Erziehung, Respekt, Rebellion und den ganzen Sack voller Wörter, die eine Beziehung zwischen dem heranwachsenden Sohn und seinem Vater kennzeichnen. Tomasis Charakterisierungen sind durchaus gelungen. Bruce blickt gleichermaßen stolz als auch besorgt auf Damian, der ein 10-jahriger mit Killerinstinkt ist. Er will ein guter Vater sein, doch sein Umgang mit Menschen ist bekanntermaßen voller Defizite. Tomasi vermittelt auch gut Damians Arroganz, wobei diese bei Daniel und Morrison mehr Biss hatte. Im zweiten Akt hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nicht die Biege schafft. Tut sie aber im dritten Akt. Die Erzählung gewinnt an Stärke und entwickelt eine mächtige Atmosphäre. Massive Bilder gehen einher mit stimmungsvollen Farbpaletten. Gleasons Zeichnungen sind erstklassig, die Panels unterschiedlich angeordnet und sehr dynamisch. Grafisch ist Born to Kill ziemlich brutal, gerade wenn man bedenkt, dass ein Kind eine der beiden Hauptfiguren ist. Am Ende lässt sich sagen, dass es dennoch kein perfekter, aber vielversprechender Start der Serie ist und man weiteren Ausgaben gespannt entgegen sieht.

The Court of Owls

“I am the only legend this city needs.”

Scott Snyder/Greg Capullo, 2011-2012– Batman, Ausgabe #1, beginnt mit einem inneren Monolog von Batman, der gleichzeitig an den Leser adressiert ist. Der Leser weiß allerdings mehr als Batman und ist mit ihm sicherlich nicht einer Meinung. Snyder führt den Leser kritisch an die Figur von Batman heran. Ich halte das für einen gelungenen Schachzug. Snyders Stil setzt sich in The Court of Owls fort. Die Geschichte besitzt einen hervorragenden Erzählfluss, sie ist spannend, actionreich und findet immer wieder zu den Figuren zurück. Die Figuren haben sich seit dem Modern Age nicht wesentlich geändert. Sie sind jünger, aber ihre Charakterzüge sind geblieben. Und manche werden wieder zum Vorschein gebracht. In Actionszenen sehen wir das Grinsen in Batmans Gesicht, das wir so lange vermisst haben, oder den Kindskopf, der schnell noch ein Foto von einem erledigten Gegner macht. Was The Court of Owls deutlich von Prä-Flashpoint unterscheidet, ist, dass es wirklich eine Geschichte am Puls der Zeit ist. Batman hat ein massives Technologie-Update erhalten und den Wandel von analog auf digital vollzogen. The Court of Owls bricht im zweiten Teil in einen höllischen Albtraum in Text und Bild. Es ist die unheimlichste Erzählung seit langem, ein intensives Leseerlebnis. Capullos Zeichnungen könnten kaum besser sein. Von der Architektur Gotham Citys über die Actionszenen bis zum furchteinflößenden Wahnsinn des letzten Akts, Capullo trifft stets den Nagel auf den Kopf. The Court of Owls ist nicht nur der gelungene Neustart, sondern eines der besten Bücher der gesamten Serie.

Zero Year – Dark City

“A little pain, a little death.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, 2014– Da Snyder nun schon eine neue Ausgangssituation gesetzt hat, fühlt sich der zweite Teil etwas runder an als Secret City, kämpft letztendlich aber mit denselben Problemen. Snyder erzählt weiterhin eine spannende Geschichte. Diese wirft zwar viele Fragen auf, doch das tut dem unterhaltsamen Duell zwischen Batman und dem Riddler kaum einen Abbruch. Nein, die Probleme stammen abermals aus der Eigenschaft Zero Year. In Snyders Version ermittelte James Gordon bereits im Mordfall Wayne, und auch noch im volljährigen Alter ist Bruce vom Tod seiner Eltern geradezu traumatisiert. Das sind keine schlechten Ideen, doch wirken sie so, als wolle sich Snyder bewusst von Batmans Ursprung und Entwicklung im Modern Age absetzen. Im Buch fühlt es sich stets an, als seien diese Elemente zu sehr gewollt. Als unangenehm empfunden habe ich auch die Umstände, dass Batman in dieser Zeit bereits zahlreiche Gadgets besitzt. Vom Batmobil über das Batboot zum Batzeppelin ist alles dabei. Das ist unglaubwürdig und verspielt die Chance, den Erwerb dieser Hilfsmittel in späteren Geschichten zu erzählen. Über jeden Zweifel erhaben: Capullos Zeichnungen und Plascencias Kolorierungen (famos).

Zero Year – Secret City

“I shall become a bat.”

Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Rafael Albuquerque, 2013– Zero Year spielt 6 Jahre vor The Court of Owls. Und da nach Flashpoint alles bei Null beginnt, macht es für mich am meisten Sinn, Zero Year in der Chronologie hier einzuordnen. Snyder stellt sich wissentlich einem unfairen Vergleich, den er nur verlieren kann. Und so kämpft meine Rezeption mit der Anerkennung Snyders, eine überwiegend gute Geschichte erzählt zu haben und der Bürde, dass ein neuer Ursprung niemals Year One das Wasser reichen kann. Die Unkenntnis von Year One wäre hier von Vorteil. Snyder wählt für Batmans Ursprung eine neue Geschichte, die mich hinsichtlich der Wandlung von Bruce Wayne zum Dunklen Ritter nicht ganz überzeugt hat. In der bunt, laut und actionreich erzählten sowie gezeichneten Geschichte deutet sich Bruce Waynes anfängliche Orientierungslosigkeit lediglich an. Die spätere Wandlung erscheint nicht wie die logische Konsequenz aus seinem Charakter und seinen Handlungen. Andererseits funktioniert die Geschichte in den weniger entscheidenden Momenten sehr gut. Und auch wenn es sich nicht im geringsten um einen abstrakten Bauplan handelt, lassen sich zahlreiche Elemente aus der Erzählung weiter entwickeln. Wann wird sich das hier noch sonnige Gotham verdunkeln? Wie mächtig wird der Riddler? Zero Year ist Snyders bewusstes Anti-Year One. Doch auch nach dem zweiten Lesen weiß ich nicht, ob er den richtigen Weg gewählt hat.

Batman, Incorporated: Demon Star

“I promised love. He chose war.”

Grant Morrison/Chris Burnham, Frazer Irving, 2012-2013– Aufgrund seiner Struktur ist Demon Star schwer in die Chronologie einzuordnen. Es beinhaltet Elemente von The New 52, spielt aber vor Flashpoint. Damit aber nicht genug; mit Demon Star entfernt sich Morrison von der ursprünglichen Idee der Serie. Im Vordergrund stehen die Familiengeschichten Bruce, Talia, Damian (Vater, Mutter, Sohn), Ra’s, Talia (Vater, Tochter) und Ra’s, Talia, Bruce (Vater, Tochter, Schwiegersohn in spe). Morrison rekapituliert das erste Treffen von Bruce und Talia inklusive der gemeinsamen Nacht und dehnt den Kanon so weit wie möglich, ohne ihn zu brechen. Im Grunde schreibt Morrison nicht mehr Batman, Incorporated, sondern sein ganz eigenes Batman & Robin. Mit weiteren Referenzen zur Demon-Trilogie, The Black Glove und Final Crisis erzählt Morrison wieder einmal große Geschichten mit nur wenigen Sätzen und Bildern. Erstaunlich, faszinierend, beängstigend, Morrison. Gegen Ende gibt es ganz große Emotionen, schwere Entscheidungen und einen geradezu herzzerreißenden Moment, der so viel aussagt über das Verhältnis von Vater und Sohn als es schwerlich jemals zuvor getan wurde. Neben der wundervoll gezeichneten Einleitung (Irving) können sich auch Burnhams Zeichnungen voll und ganz sehen lassen. Man merkt, dass sich Morrison und Burnham verstehen.

Streets of Gotham: The House of Hush

“You Waynes are hard to kill.”

Paul Dini/Dustin Nguyen, 2010-2011– Der letzte Teil der Streets of Gotham-Reihe setzt wenige Glanzlichter und bleibt am Ende unbefriedigend. Thematisch hat The House of Hush einiges zu bieten: Die Geschichte über Damian/Robin und Colin/Abuse wird weitergeführt. Damian lässt Dick in Unkenntnis und sucht sowas wie einen Backup-Partner in Abuse. Doch die Geschichte wird nicht konsequent zu Ende geführt und endet im Niemandsland. Nicht minder interessant ist der Umstand, dass die Verwandlung in Bruce Wayne mehr und mehr zum Gefängnis für Tommy Elliot wird, zumal er unter ständiger Beobachtung der Justice League ist. Die Verwandlung wird ihm letztendlich zum Verhängnis. Kompliziert und unnötig sind Dinis Geschichten über Judson Pierce, eine Figur aus der Vergangenheit der Waynes. In Rückblenden erleben wir seine Geschichte, die sogar den Joker beinhaltet (katastrophal überflüssig), und lernen ferner mehr über die Vergangenheit von Thomas und Martha Wayne. Er wirkt alles so, als sei Dini auf der Suche nach Lücken in der Vergangenheit, die er füllen kann. Neben Referenzen zu Heart of Hush und Gotham City Sirens gibt es auch das große Wiedersehen zwischen Bruce und Selina, das leider überhaupt keinen Schneid besitzt. The House of Hush ist eine enttäuschende letzte Ausgabe in einer einigermaßen unterhaltsamen, aber gänzlich überflüssigen Serie.

The Black Mirror

“My name is Dick Grayson. I am Gotham City’s Batman.”

Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla, 2011– The Black Mirror ist der Beginn der Ära Snyder und wird bereits als Klassiker bezeichnet. Tatsächlich weist The Black Mirror zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker, mit Year One auf. Es handelt von Geschichten über die Figur, die hinter der Maske steht, über die Gordons und über Gotham City. Die Figuren reden viel über Gotham City. Sie charakterisieren die Stadt, so dass die Stadt selbst zu einer Figur wird. In Gotham schlägt ein dunkles Herz und davon wurde selten so überzeugend und so reich erzählt wie in The Black Mirror. The Black Mirror strotzt nur so von Anspielungen. Und anders als in Life After Death fügen sie sich in The Black Mirror nahtlos in die Erzählung ein und bereichern sie. Genau so nahtlos sind Snyders Dialoge, die sich natürlich und lebendig lesen. Während die Geschichten über Dick Grayson von Jock illustriert wurden, wurden die über die Gordons von Francesco Francavilla gezeichnet. Im direkten Wechsel sind Unterschiede zu erkennen, stilistisch liegen sie aber auf einer Wellenlänge und fügen sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Überaus gelungen ist die Anordnung der Panels, insbesondere beim Umblättern der Seiten. The Black Mirror ist ein ausgezeichnetes Buch. Nach dem metaphysischen Hokus-Pokus stellt The Black Mirror eine gelungene Neuausrichtung dar.

Bruce Wayne: The Road Home

“I’m not sure anyone has missed me at all.”

Fabian Nicieza, Bryan Q. Miller, Mike W. Barr, Derek Fridolfs, Adam Beechen, Marc Andreyko/Cliff Richards, Pere Perez, Szymon Kudranski, Agustin Padilla, Ramon Bachs, Javier Saltares, Peter Nguyen, Scott McDaniel, 2010– Bruce Wayne: The Road Home ist so lächerlich überflüssig, dass die Gefahr besteht, mittendrin daran zu verzweifeln. Der Gedanke, dass Bruce Wayne überprüft, wie sich seine Familienmitglieder in seiner Abwesenheit entwickelt haben, ist gar nicht so abwegig. Aber das ist mit diesem Buch selten dämlich umgesetzt, und die Entwicklungen hat man in sämtlichen Büchern seit R.I.P. und Final Crisis doch schon gelesen. Bruce Wayne: The Road Home ist DCs Ausdruck von Geldschneiderei. Mit einer geheimen Identität (The Insider *facepalm*) stellt Bruce der Familie Aufgaben und hält das Ergebnis im White Casebook fest. Die ganze Angelegenheit ist emotionslos und hat dem Charme eines Krankenhausflurs. Die Geschichten sind schlecht, die Zeichnungen schwankend. Der Abschnitt Batman & Robin verfügt zwar über eine gute Anordnung der Panels, die Figuren sehen hingegen aus wie aus der Augsburger Puppenkiste. Von Catwoman bleibt visuell nicht mehr als Niedlichkeit, Commissioner Gordon ist ein Märchenonkel. Das möchte ich nicht noch einmal sehen.

Batman and Robin: Batman vs. Robin

“Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.”

Grant Morrison/Andy Clarke, 2010– Grant Morrison zieht noch einmal den Anspruch an und präsentiert einen höchst komplexen zweiten Teil der Trilogie. Dick will Bruce in einer Lazarus Grube wiederbeleben. Morrisons Texte stellen nicht unbedingt das Dilemma heraus, in dem sich Dick befindet. Er macht es aber für den Leser nachvollziehbar, warum und dass Dick so viel an der Wiederbelebung von Bruce liegt. Die Lazarus Grube wird zum Desaster, und es ist in diesem Zusammenhang geradezu wohltuend zu sehen, dass auch unsere liebsten Superhelden Fehler machen. Im weiteren Verlauf folgen Batman und Robin den Hinweisen, die ihnen Bruce hinterlassen hat. Das bietet Morrison zum einen die Verknüpfung zu The Return of Bruce Wayne, zum anderen viel Raum für das Zusammenspiel von Dick und Damian. Damian fragt Dick, ob sie noch Batman & Robin sein können, falls Bruce wieder zurückkehrt. Dies beschäftigt Damian sehr, und es sind sehr persönliche und brüderliche Momente, die die beiden teilen. Der Titel des Buchs ist irreführend, denn es geht nicht um einen Konflikt zwischen Batman und Robin. Es ist eine Geschichte über zwei Robins. Es geht um den verzweifelten Versuch von Dick, seinen Mentor wiederzubeleben, und um Damians Zuneigung zu Dick.

Life After Death

“You really screwed up this time, Grayson.”

Tony S. Daniel, 2009-2010– Life After Death hat Licht und Schatten. Mit der Schilderung der Beziehungen kann Life After Death ordentlich Punkte einfahren. Dick muss sich mit Damian, Selina, Huntress und Oracle auseinander setzen und verfügt dabei noch über eigene Probleme. Daniel gelingt es ausgesprochen gut, die Last zu vermitteln, die auf Dicks Schultern liegt. Die Geschichte ist weniger zufriedenstellend. Die Identität des Bösewichts ist schnell ausgemacht, und viel zu bemüht wirken Daniels Ambitionen, Referenzen aus der Kontinuität zu ziehen. Es wirkt so, als müsse Daniel es dem Leser beweisen, dass er sich mit der Historie der Serie befasst hat. Daniel lässt Life After Death mit einem Knalleffekt enden – nämlich mit der Einführung einer neuen Figur. Das wirkt sehr kalkuliert – zu gewollt, Life After Death in den großen Kanon einzubringen. Die Einführung der Figur wirkt nicht organisch, also nicht aus der Kraft der Geschichte heraus. Daniel, der seine Geschichten selbst zeichnet, ist ein besserer Zeichner als Autor. Seine Zeichnungen gehören zu den besten, die mir in der Serie untergekommen sind. Sie sind modern und haben eine filmische Qualität. Mit seitengroßen Panels macht Daniel deutlich, dass Batman auch nach dem Tod und der Neubesetzung nichts von seinem Ikonenstatus verloren hat. Die Mimiken der Figuren sind sauber gezeichnet, so dass man über den Text hinaus in den Gesichtern der Figuren weiter lesen kann. Die verwendeten Farbpaletten sind breit gefächert und stimmig. Trotz der Schwächen empfehlenswert.

Batman and Robin: Batman Reborn

“Master Bruce was always proud of you, Sir.”

Grant Morrison/Frank Quitely, Alex Sinclair, 2009– Grant Morrison bleibt der Serie noch erhalten. Nicht als Autor der Hauptserie, das ist vorerst Tony S. Daniel, sondern mit seiner unterhaltsamen Batman & Robin-Trilogie. Morrison schreibt zahlreiche gute Szenen für Dick und Damian, zwei Figuren, die unterschiedlicher nicht sein können. Dick fühlt sich der Rolle als neuer Batman nicht gewachsen, Damian hingegen strotzt als Robin vor Selbstvertrauen, bisweilen auch Überheblichkeit. Nach Damians Ansicht muss sich Dick erst seinen Respekt verdienen. Für ihn heißt das Duo nicht Batman & Robin, sondern Robin & Batman. Es macht großen Spaß, diese ungleichen Typen, die jedoch das gleiche Ziel verfolgen, durch die Geschichte zu begleiten. Später treffen Batman und Robin auf Red Hood. Mit Dick, Damian und Jason treffen drei Robins aufeinander, und Morrison versteht es, hieraus mit treffenden Dialogen eine interessante Dynamik zu ziehen. Es ist wie das Treffen dreier Brüder, die unter einem übermächtigen Vater aufgewachsen sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist von beiden Illustratoren sehr gut gezeichnet. Lediglich der finale Kampf ist unübersichtlich. Erwähnenswert ist der hohe Einsatz von fünf bis sechs untereinander stehenden, aber horizontal über die ganze Breite ausgedehnten Panels. Batman & Robin: Batman Reborn ist nicht so verkopft wie die anderen Werke von Grant Morrison. Aber Morrison ist eine Welt für sich. Und so wundert es nicht, dass unter der Oberfläche zahlreiche Symbole und Bilder versteckt sind. Batman & Robin: Batman Reborn ist eine Geschichte über Masken.

Whatever Happened to the Caped Crusader?

“The end of the story of Batman is, he’s dead.”

Neil Gaiman/Andy Kubert, Scott Williams, 2009– Whatever Happened to the Caped Crusader? ist die letzte Batman-Geschichte. Sie handelt von der Totenwache für Batman. Der Tod ist das einzig mögliche Ende. Das Ende ist einfach und logisch. Es zementiert Batmans Status als Mythos, als Märtyrer, als Ikone. Batman muss sterben. Es geht nicht anders. Whatever Happened to the Caped Crusader? ist keine Elseworld-Geschichte, spielt aber dennoch außerhalb des Gothams wie wir es kennen. Und so erzählt jeder Besucher seine Geschichte, wie Batman gestorben ist. Verbindungen zum wirklichen Tod von Batman, also zu R.I.P. und Final Crisis existieren nicht. Aber alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeigen uns, wie Batman hätte sterben können. Die Zusammenkunft der Figuren ist für mich das Highlight des Bandes. Die Panels zeigen einen Raum voller Helden und Schurken und mir gefällt die Idee, dass sowohl Freunde wie auch Feinde die Totenwache besuchen und Batman ihre letzte Ehre erweisen. Der zweite Teil von Whatever Happened to the Caped Crusader? beschäftigt sich mit der Nahtoderfahrung von Batman. Batman stirbt, um wiedergeboren zu werden, um wieder zu sterben. Insoweit ist Whatever Happened to the Caped Crusader? vielleicht doch nicht allzu weit von Final Crisis entfernt, zumindest was das Thema Tod und Wiedergeburt betrifft.

Batman R.I.P.

“What we are about to do will be a work of art.”

Grant Morrison/Tony S. Daniel, 2008– Das Sterben von Batman. Alle Zahnräder greifen zusammen. Die Familie, deren Ruf zerstört wird. Robin, der Batman wegen Damian verlässt. Jezebel Jet, die in Bruce Zweifel schürt. Und Black Glove, die ihre stärkste Karte ausspielt. Batmans Verstand wurde manipuliert, und nun ist es an der Zeit, ihn auszuschalten. Und dann das: Batmans Verstand lässt sich ausschalten, doch nur um seinen Sicherheitsverstand zu aktivieren – Batman of Zur-En-Arrh. Ein Verstand hinter einem Verstand! Was Morrison hier auffährt, ist mehr als ein Trick. Es ist seine Interpretation von Batman. Morrisons Batman ist für jede Situation vorbereitet. Als Leser muss man dabei erkennen, dass man nicht alles über Batman weiß, sondern nur so viel, wie Black Glove über Batman weiß. Morrison hat ein herausforderndes Buch mit vielsagenden und gleichsam präzisen Texten und scharfen Charakterisierungen geschrieben, in dem jedes Panel eine Bedeutung besitzt, auch wenn sich diese Bedeutung erst viel später offenbart. Doch eines ist ihm nicht gelungen: Er konnte nicht erklären, warum The Black Glove so mächtig ist, was ein wenig an die Problematik mit Banes Motivation erinnert. Daniels Zeichnungen sind kraftvoll und zeigen Batman mit starkem Körpereinsatz und irren Blick, dazu große Sprechblasen, große Buchstaben. Dieser von Daniel gezeichnete Batman ist ein Teil des Bildes, das von Morrisons Batman bleiben wird. Großartig!

Heart of Hush

“For Batman’s sake, I hope he remembers he has a human side.”

Paul Dini/Dustin Nguyen, 2008-2009– Dini versteht die Figuren aus dem DC Universum, und in seinem Schreibstil merkt man, dass er viel Herzblut in diese legt. Er etabliert Thomas Elliot, dessen Geschichte in Hush nur stiefmütterlich behandelt wurde, zu einem der ganz großen Gegenspieler von Bruce Wayne. Der Hintergrund, dass sich Tommy und Bruce seit ihrer Kindheit kennen, wird in Heart of Hush prächtig ausgespielt und führt zu Auseinandersetzungen auf einer persönlichen Ebene. Heart of Hush ist zwar keine direkte Fortsetzung von Hush, thematisiert aber ebenso die Beziehung zwischen Batman und Catwoman. Nach Heart of Hush wird es hierzu kaum noch Fragen geben. Für ein Tie-in besitzt Heart of Hush eine mächtige Geschichte mit großen Kontinuitätsbausteinen, die sich nahtlos in die Serie einfügen. Heart of Hush spielt in der Nacht vor R.I.P. und enthält Andeutungen auf die zukünftigen Ereignisse in Dinis Streets of Gotham Trilogie. Leider hat es Dustin Nguyen verpasst, den neuen Morrison-Joker zu zeichnen, und auch insgesamt waren Nguyens Zeichnungen für meinen Geschmack zu harmlos. Schlecht sind die Zeichnungen deswegen nicht. Heart of Hush ist das, was man von Paul Dini erwartet – und deswegen lesenswert.

Batman and Son

“I won’t fail you, father.”

Grant Morrison/Andy Kubert, 2006– Batman and Son ist der Auftakt der Reihe, die zunächst in R.I.P. münden wird und das Ende des Modern Age einleitet, doch noch weit darüber hinaus geht. Batman and Son ist auch der Beginn der Ära Morrison, die das Batman-Universum für immer prägen wird. Grant Morrison wird in den weiteren Jahren nicht mehrere Geschichten schreiben. Er wird eine epische, viele Bücher umfassende Geschichte schreiben. Und diese Geschichte liebt man oder hasst man – ich tue Ersteres. Es sind stets Erzählungen auf mehreren Ebenen, die Stoff für philosophische Diskurse bieten. Er versteht es, mehrgleisig zu fahren und bringt genug Informationen mit, um den Weg zu R.I.P. einzuläuten. Doch in der Retrospektive wird man feststellen, dass Morrison nicht nur R.I.P. einläutet. Er erstellt das Gebäude für die kommenden sieben Jahre. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Geschichte von Batman und seinem Sohn Damian mit der Aufmerksamkeit zu erzählen, die sie verdient. Die Geschichten sind frei von Pathos und nehmen die behandelten Themen ernst. Charakterisierungen kommen nicht zu kurz und trotz der oberflächlichen Kälte und Reserviertheit ist stets der Eindruck präsent, dass Batman um die Familie bemüht ist und sich um sie kümmert. Oder es versucht, denn das plötzliche Auftauchen von Damian geht weder an Bruce noch an Tim spurlos vorbei. Das Zerbrechen der Familie und der Kontrollverlust sind Batmans größten Ängste, und Morrison spielt diese Themen meisterhaft aus. Auch Andy Kuberts Zeichnungen sollten nicht unerwähnt bleiben. Einer der besten Zeichner präsentiert hier sein ganzes Können.

Under the Red Hood

“Bruce, I forgive you for not saving me.”

Judd Winick, Jim Starlin/Doug Mahnke, Matt Wagner, Paul Lee, Julianne Aparo, 2005-2006– Jasons Rückkehr. Das weiß der Leser schon vorher, und deswegen tun Winick und Starlin gut daran, nicht die Enthüllung von Red Hoods Identität in den Fokus zu rücken, sondern wie die Figuren damit umgehen. Und das ist außerordentlich gut gelungen. Nachdem Batman Red Hoods Verhalten beobachtet hat, verspürt er eine Unruhe, die sich buchstäblich auf den Leser überträgt. Er fühlt, dass die Vergangenheit ihn einholt. Batman weiß schnell, dass Jason zurück ist. Aber er spricht es nicht aus, er will es nicht wahr haben. Bis zur ausdrücklichen Enthüllung der Identität werden nur wenige Andeutungen gemacht, die offensichtlichste ist wohl ein Kampf mit dem Joker, der durch eine schnelle Abfolge von Schlägen mit einer Brechstange gekennzeichnet ist. Batman wird in diesem Band relativ alt porträtiert. Es erfolgt durch Mimik und Gestik und Gedanken an die Vergangenheit, an Jason und an Dick. Es gibt Szenen, in denen sich Batman regelrecht in Nostalgie verliert. Batman will nicht gegen Jason kämpfen. Er will ihm helfen, aber stößt auf Granit. Der Konflikt zwischen Batman und Jason handelt nicht davon, dass Batman ihn nicht vor dem Joker gerettet hat, sondern dass Batman den Joker im Anschluss nicht getötet hat. Hier liegt die Wurzel des Übels. Under the Red Hood ist unterhaltsam und filmreif. Während des Lesens merkt man kaum, wie unzufriedenstellend der gesamte Komplex von Jasons Rückkehr eigentlich ist.

Bruce Wayne: Fugitive

“Sometimes, to move forward, you have to go back to the beginning.”

Chuck Dixon, Ed Brubaker, Greg Rucka, Kelley Puckett, Devin Grayson, Dennis O’Neil, Geoff Johns/Dave Ross, Sean Phillips, Scott McDaniel, Steve Lieber, Damion Scott, Roger Robinson, Sergio Cariello, Rick Burchett, 2002– Da wünscht man sich erst eine Reduzierung, und dann das! Batman wird daran erinnert, woher er kommt. Diese Initiierung des Gedankens, Bruce Wayne zu benötigen, finde ich ganz schneidig. Doch Batmans Läuterung geschieht wie vom Blitz getroffen. Plötzlich fällt ihm ein, sich falsch verhalten zu haben. Sein voriges Verhalten wirft er über Bord. Falsch verhalten hat er sich wohlgemerkt nur sich gegenüber, kaum gegenüber anderen. Und so löst Batman auch diese Angelegenheit im Alleingang. Fugitive bricht dabei mit dem – zwar nicht gutem – Tempo, das Murderer? vorgegeben hat. Hieraus entsteht das Bild eines wankelmütigen Charakters, das Batman nicht gerecht wird. Auch die Auflösung wirkt sehr bemüht und ist darüber hinaus antiklimatisch. Der Band kommt hier in die Verlegenheit, gar mit zwei Annexen zu enden. Einzelne Erzählungen können sich trotz allem sehen lassen, doch das Tempo und die Struktur bringen letztlich alles ins Straucheln.

Bruce Wayne: Murderer?

“His life is a story of tragedies.”

Greg Rucka, Kelley Puckett, Chuck Dixon, Devin Grayson, Ed Brubaker/Rick Burchett, Scott McDaniel, Damion Scott, Trevor McCarthy, Roger Robinson, Rick Leonardi, Pete Woods, Steve Lieber, Phil Noto, Leonardo Manco, William Rosado, 2002– Die Autoren bestätigen ein viel diskutiertes Motiv: Batman entledigt sich seiner Maske Bruce Wayne. Sein Alleingang wird auf die Spitze getrieben. Nachdem Batman gegenüber der JLA noch halbwegs kommunikativ war, umgibt ihn nunmehr eine undurchdringliche Mauer, die niemanden an ihn heranlässt. Diese Mauer ist es auch, an der die Familie beinahe zerbricht. Die von Brubaker geschriebene Konfrontation zwischen Batman und Nightwing ist ein Highlight in der Geschichte der beiden Figuren. Rucka gelingt eine gute Charakterisierung von Sasha Bordeaux. Ihr Kampf zwischen Loyalität, Zuneigung und Zweifel wird dem Leser spürbar gemacht. Die Autoren präsentieren diesbezüglich ein gutes Familiendrama, in dem sich die Figuren mit unangenehmen Tatsachen auseinander setzen müssen. Und Batman wird endgültig zum Antagonisten, dem jegliche Sympathien abgesprochen werden. Das glücklicherweise nur durch fünf Autoren zusammengesetzte Crossover verknüpft seine Geschichten nahtlos und bietet einen glatten Lesefluss. Doch das Tempo ist stockend. Zahlreiche Erzählungen bringen das Hauptthema nicht voran. Eine reduzierte und ausschließlich auf das Hauptthema fokussierte Erzählung hätte dem gesamten Band gut getan und diesen um die Hälfte reduziert. So bleibt leider ein negativer Nachklang.

Cataclysm

“Things will never be the same again.”

Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench, Dennis O’Neil, Devin Grayson, Chris Renaud, Rick Burchett, Klaus Janson, Kelley Puckett/Jim Aparo, Flint Henry, Mark Buckingham, Scott McDaniel, Klaus Janson, Roger Robinson, Graham Nolan, Jim Balent, Staz Johnson, Marcos Martin, Chris Renaud, Alex Maleev, Rick Burchett, Eduardo Barreto, Dave Taylor, 1998– Cataclysm hält sich mit keinem Vorspiel auf. Das Erdbeben der Stärke 7,6 schlägt sofort zu und trifft Gotham und seine Bewohner unvorbereitet. Die einzelnen Kapitel mit ihren wechselnden Protagonisten vermitteln die Zerstörung textlich und bildlich sehr gut. Für eine bessere Orientierung zwischen Kapiteln und Protagonisten verwenden die Autoren die Angabe von Uhrzeiten. Eine derartige Katastrophe holt das Beste aus allen heraus. Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen damit, dass Menschen gerettet werden. Batman hat kurze Momente des Zweifels, ruft sich aber in Erinnerung, dass auch ein einzelner Mensch Großes bewirken kann. Auch die anderen Figuren werden von Sorgen geplagt, wobei jede Figur in ihrem eigenen Sorgen-Schema steckt. Sowieso liest sich der Band erstaunlich flüssig und konsistent, was angesichts der Vielzahl an Autoren nun überhaupt nicht zu erwarten war. Als geringes Problem stellt sich allerdings heraus, dass die Superhelden keinen leibhaftigen Gegenspieler haben, wobei das Problem durch den von Dixon geschaffenen Quakemaster weiter gemildert wird. Die Spannungskurve sinkt nach dem Ausbrechen des Bebens dennoch kontinuierlich, der Klimax des gesamten Bandes ist schon auf den ersten Seiten zu finden.

A Lonely Place of Dying

“I do not intend to spend the rest of my life playing nurse.”

Marv Wolfman, George Perez/Jim Aparo, 1989– A Lonely Place of Dying ist wohl das Buch mit der eindeutigsten Aufgabe und Aussage im ganzen DC-Universum: Batman braucht Robin. Nach dem Tod von Jason Todd werden Batmans Handlungen zunehmend gewalttätiger und unbedachter, sein Charakter zunehmend unausgeglichener. Batman braucht einen Robin, um zurück auf den Boden zu kommen. Das Buch ist zielstrebig aufgebaut: Dick Grayson will nicht, und DC konnte nach dem Jason Todd-Fiasko die Figur nicht sofort wiederbeleben. Also wird es ein neuer Robin, und DC tut gut daran, diesem einen eigenen Charakter zu geben. Tim Drake wird immer der normalste aller Robins bleiben. Er ist kein Waisenkind, hat keine Allüren und ist auch nicht exzentrisch. Tim Drake ist ein pfiffiger und netter Junge. Pfiffig und nett haben Wolfman und Perez auch Tims Weg zum Robin geschrieben. Sein Charakter wirkt natürlich, seine Handlungen sind nachvollziehbar. Ein Clou in der Geschichte ist jedoch, dass Tim es gar nicht darauf anlegt, der neue Robin zu werden. Er wird die Rolle übernehmen, weil es jemand tun muss. So unaufregend das alles klingen mag, A Lonely Place of Dying ist ein schönes Buch und angenehm zu lesen. Die Normalität von Tim tut nicht nur Batman, sondern auch dem Leser gut.

Gotham After Midnight

“It is truly a tragic ending, Sir, and a very painful lesson learned.”

Steve Niles/Kelley Jones, 2008-2009– Ich wünschte, ich hätte Gotham After Midnight niemals gelesen. Ich wünschte, es würde gar nicht existieren. Der Grund liegt nicht darin, dass Steve Niles ein schlechter Autor wäre oder Kelley Jones ein schlechter Zeichner (obgleich Jones der polarisierendste Zeichner ist). Der Grund allen Übels liegt in der Art und Weise, wie sich Gotham After Midnight in die Serie einfügt. Niles hat sich als Autor an Kontinuität und Kanon zu orientieren, wie jeder andere Autor auch. Nur leider tut er dies nicht und schreibt die Geschichte so, wie es ihm passt. Das ist alles sehr ärgerlich, und letztendlich könnte man auch Editor Sean Mackiewicz den schwarzen Peter zuschieben, dass er Niles die Kontinuitätsbrüche hat durchgehen lassen. Darüber hinaus lässt Niles jeglichen Respekt dafür vermissen, was Batman ist. Die Schurken sind allesamt Mittel zum Zweck, ohne dass diese die Würdigung bekommen, die sie verdienen. Sie werden wahllos in die Geschichte geworfen und auf ihr stereotypes Schurkensein reduziert. Eine Charakterzeichnung existiert in Gotham After Midnight nicht. Jones’ Zeichnungen sind Jones’ Zeichnungen und noch viel schlimmer, aber es soll ja auch Menschen geben, die sowas mögen.

Venom

“Then he remembers what he became.”

Dennis O’Neil/Trevor Von Eeden, Russell Braun, José Luis García-López, 1991– Die Idee von Venom ist ebenso die Idee von Batman. Als Superheld ohne Superkräfte sind ihm Grenzen gesetzt, und sei es durch etwas Banales wie das Gewicht eines Gegenstandes. Die Grenze führt zum Verlust eines Menschenlebens, doch das ist etwas, was Batman niemals akzeptieren wird. Das Venom, die Superdroge, wird verführerisch und ergreift Besitz vom Dunklen Ritter. So großartig die Idee ist, so schlecht ist ihre Umsetzung. Batmans Griff zum Venom geschieht zu schnell und wird dem sonst so gefestigten Verstand der Figur nicht gerecht. Batman, der sich vermutlich sogar einen Plan für das Öffnen des Frühstückseis zurecht legt, vergeudet keine Sekunde für einen Gedanken an die Konsequenzen, und das ist einfach nicht glaubwürdig. Was folgt ist eine Actiongeschichte ohne die Tiefe, die die Idee eingangs mit sich brachte. Die Geschichte ist gut illustriert und verwendet stimmige Farbpaletten. Ein Glanzlicht ist Batmans hervorragend gezeichneter Entzug. Die in Venom verwendete Schriftart ist hingegen eine Katastrophe, und insgesamt bietet das Werk verschenktes Potential. Was als interessantes Drama beginnt, mündet in austauschbarer Action, die einen so großen Raum einnimmt, dass sie alles unter sich begräbt.

Year One

“Ladies. Gentlemen. You have eaten well.”

Frank Miller/David Mazzucchelli, 1987– Frank Miller legt das Fundament, auf das bis heute gebaut wird. Year One ist recht schnell erzählt, die Geschichte bleibt unter 100 Seiten. Im Gegensatz zu The Dark Knight Returns zeichnet Miller in Year One ein zutiefst menschliches Bild von Bruce Wayne – Batmans Mythos ist noch weit entfernt. Im Grunde betreibt Miller die komplette Dekonstruktion von Batman. Er nimmt ihn aus der Position des Superhelden heraus und portraitiert Bruce Wayne als einen Menschen. Noch nicht einmal ansatzweise sehen wir die Figur, auf deren Schultern das Schicksal einer ganzen Stadt lasten wird, ja sogar des ganzen Universums. Bruce Wayne zweifelt. Er sucht sich und seinen Zweck. Die Herangehensweise an den Menschen Bruce Wayne eröffnet Miller die Möglichkeit, die Figur neu aufzubauen. Die Einzelheiten zu Batmans Beginn bleiben weitestgehend verborgen, Bruce Waynes Wandlung zum Dunklen Ritter schildert Miller in wenigen, aber bedeutenden Momenten. Diese Momente werden in der Zukunft immer wieder zitiert und sogar modifiziert, im Kern aber nicht eliminiert werden. So bleibt Year One ein abstraktes Werk und ein Bauplan für Batman, was auf Einsteiger durchaus sperrig wirken kann. Mazzucchellis Illustrationen sind zurückhaltend und vermeiden Übertreibungen. Sie gehen Hand in Hand mit der Erzählung. Bei den Panels gibt es keine Experimente. Große Ereignisse bekommen große Panels, überdies ist die Anordnung konservativ. Miller erfindet Batman nicht neu. Er zerlegt ihn, baut ihn neu auf und tut nichts Geringeres als den Ton zu setzen, dessen Klang noch 25 Jahre später zu hören ist.